Außergewöhnliche Sportarten
„Cheerleading ist total locker und cool“: So kam die Trendsportart nach Waldkraiburg
Vor knapp vier Jahren mit nur neun Kinder gestartet, zieht es heute 160 junge Menschen regelmäßig ins Cheerleading-Training des TSC Waldkraiburg. Was diesen Sport ausmacht.
Waldkraiburg – Sie gehören zum American Football, wie das Weißbier zu Bayern: Cheerleader. Vom Spielfeldrand aus feuern sie die Mannschaft an und unterhalten das Publikum. Dabei sind die Mädels mit ihren hübschen Cheer-Uniformen und den wedelnden Pompons selbst echte Superstars in den riesigen Stadien. Ihr Sport ist anspruchsvoll: Er vereint Bodenturnen, Akrobatik und Tanz miteinander.
Die OVB Heimatzeitungen besuchten die „Wild Wings“ in Waldkraiburg, die Sportevents in der Region zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen. Die „Wild Wings“, gehören zur Sparte Cheerleading beim Tanzsportclub Weiß-Blau 70 e.V. Waldkraiburg und verraten, was hinter ihrem Sport steckt.
Fünf Gruppen in Waldkraiburg, drei in Mettenheim
Gegründet wurde die Sparte Cheerleading im Oktober 2021. Mit gerade mal neun Kids fing alles an. Heute gibt es in Waldkraiburg mehr als 160 Cheerleader im Alter zwischen drei und 15 Jahren. Eine Entwicklung, die zeigt, dass dieser Sport angesagt ist. Beim TSC gibt es acht Gruppen, von denen fünf in Waldkraiburg und drei in Mettenheim trainieren. Während die ganz Kleinen erst einmal die Koordination lernen müssen, sind die Älteren schon echte Akrobaten. Für die Großen gibt es einmal pro Woche zusätzlich ein Akrobatiktraining.
Jede Gruppe hat ihren eigenen Namen. Sie setzen sich nach folgenden Altersgruppen zusammen: „Butterflies“ (3 bis 5 Jahre), „Colibris“ (6 bis 7 Jahre), „Sparrows“ (8 bis 9 Jahre), „Flamingos“ (10 bis 11 Jahre) und ab 12 Jahren die „Phoenix“. Eine Gruppe mit älteren Sportlern oder sogar eine Erwachsenengruppe würde der TSC begrüßen, denn bislang sind die ältesten Cheerleader gerade mal im Teenageralter.
Ein Fußballtraining gab den Anstoß
Nina Keseler (40) und Katharina Gfüllner (24) sind Abteilungsleiterinnen und Trainerinnen der Waldkraiburger Cheerleader. Mit ihrem Sport, der seine Wurzeln in den USA hat, sind sie in der Region einzigartig. Denn in Deutschland findet man den Cheer-Sport fast nur in großen Städten wie München, Duisburg, Düsseldorf und Regensburg. Seit drei Jahren jetzt aber auch in Waldkraiburg.
Angefangen hatte einst alles auf dem Fußballplatz des TSV Ampfing. Nina Keselers Sohn Ruben spielt dort Fußball. Sie holte ihn damals vom Training ab und hatte ihre Tochter Rina dabei, die gerade vom Garde-Training kam. Der Fußballtrainer sah Rina im Gardedress und fragte, ob sie Cheerleader sei, denn beim Ampfinger Fußballverein wäre so etwas herzlich willkommen. Zu diesem Zeitpunkt war es Rina noch nicht, doch das sollte sich schnell ändern. Nina Keseler fand die Idee toll, sprach mit der Geschäftsleitung des TSC und begeisterte diese auf Anhieb für den Cheer-Sport.
Nicht schlimm, wenn man kein Rad kann
Auch Tochter Rina (14) war und ist Feuer und Flamme: „Ich bin schon von Anfang an beim Cheerleading dabei. Damals war das ganz neu und das fand ich natürlich toll. Das Training macht total viel Spaß, vor allem auch die neuen Choreografien, die wir immer einstudieren. Ich selbst tanze noch Garde und ReMixed. Cheerleading ist total locker und cool, man ist ein Entertainer und auch die Uniformen sind toll“, sagt Rina, die auch in ihrer Freizeit fleißig Cheerleading-Tänze und Sprünge übt.
Freundin Sarah (13) ergänzt: „Ich bin seit etwa einem halben Jahr dabei. Das Tanzen und die Choreos machen total viel Spaß. Man lernt immer wieder etwas Neues. Ich mache neben dem Cheerleading-Training noch Kraftübungen zu Hause, denn man braucht ja auch Kraft dafür. Cheerleading ist für jeden geeignet. Man braucht sich nicht fürchten, wenn man zum Beispiel kein Rad kann. Hier kann man alles lernen. Wir haben tolle Trainer und sind einfach eine klasse Gemeinschaft.“
Nuancen von Hip-Hop und Ballett
Gemeinsam mit Katharina Gfüllner baute Nina Keseler die Sparte Cheerleading mit großem Erfolg auf. Beide sind selbst leidenschaftliche Tänzerinnen, machten ihre Trainerscheine und brachten sich vieles selbst bei. „Die Choreo hat teilweise Nuancen von Hip-Hop oder Ballett. Man liest natürlich auch sehr viel darüber und informiert sich im Internet“, erklärt die 24-jährige Katharina Gfüllner, die vor allem für Fitness, Hebungen und Dehnungen zuständig ist, während Ninas Schwerpunkt bei der Choreografie liegt.
Trainiert wird einmal pro Woche für jeweils etwa eineinhalb Stunden. Das Training beginnt ganz klassisch mit etwa 15 bis 20 Minuten Aufwärmen. Dann wird gedehnt und schließlich folgt entweder die Choreografie, Tanzen und Schritte trainieren oder Stunts, Hebungen und Akrobatik. Die Akrobatik ist etwas für die Älteren. Die Jüngeren wie die „Sparrows“ trainieren zum Beispiel das Rad, die Brücke oder Hebungen.
Stärkung von Selbstbewusstsein und Teamgeist
Wie es sich für Cheerleader gehört, zeigen sie ihr Können vor allem bei Sportveranstaltungen, wo sie mit ihren Tänzen für Entertainment sorgen. „Wir tanzen oft bei Spielen des TSV Ampfing, werden vom VfL Waldkraiburg zu Sportveranstaltungen eingeladen, in Mettenheim treten wir auf und auch beim Eishockey in Waldkraiburg haben wir schon getanzt“, erzählt Trainerin Nina Keseler. Letztes Jahr riefen sie ein Cheerleading-Sommerfest ins Leben, das nun jährlich stattfinden soll. Die Planung für dieses Jahr läuft gerade.
Was ihren Sport besonders auszeichnet, erklären die beiden Trainerinnen: „Cheerleading vereint alles und das nicht nur in Form von Akrobatik, Gymnastik, Hebungen, Tanzen und Choreo, sondern vor allem auch als Team. Das stärkt das Miteinander. Man tritt vor vielen Menschen auf, ist der, der Stimmung reinbringt und fällt natürlich auch auf. Das stärkt auch das Selbstbewusstsein, die Motivation und den Teamgeist“.
Auch Jungs beim Cheerleading willkommen
Der Sport ist für jeden geeignet. „Wir würden uns sehr freuen, wenn sich auch mehr Jungs und Erwachsene für den Sport interessieren. Jungs sind natürlich wichtig für Hebungen. Sie haben ja mehr Kraft“, sagt Trainerin Katharina Gfüllner. Makar (14) haben sie bereits überzeugt: „Meine Schwester macht Cheerleading. Eigentlich bin ich Fußballer, doch als ich letztes Jahr gefragt wurde, ob ich auch beim Cheerleading mitmachen möchte, dachte ich, dass ich das mal ausprobiere. Es macht sehr viel Spaß und so bin ich seitdem dabei.“ Fußball spielt er nach wie vor und tanzte auch ReMixed. „Ich hoffe, dass noch mehr Jungs sich für Cheerleading begeistern und zu uns kommen, denn der Sport ist für jeden geeignet“, sagt Makar. Laut seiner Trainerinnen hat er sehr großes Talent für Stunts, Hebungen, Tricks, Rad, Radwende, Salto und Akrobatik. „Aber bei uns findet jeder seinen Platz“, setzt Trainerin Nina Keseler fort.
Was die Kosten für den Sport angeht, sind diese überschaubar: Mitglieder zahlen einen Monatsbeitrag von 16,50 Euro an den Hauptverein des TSC Waldkraiburg und können damit in sämtlichen Sparten trainieren, die ihnen Spaß machen und auf dem gleichen Preisniveau liegen. Da Kinder recht schnell aus ihrer Kleidung herauswachsen, können Uniformen gegen eine Gebühr ausgeliehen werden. Wer sich für Cheerleading interessiert, erhält Infos und Kontakt im Internet www.tsc-waldkraiburg.de oder kann persönlich beim Training vorbeischauen.


