Sport in Waldkraiburg
„Tindern war gestern, Bouldern ist heute“: Modesport ist mehr als Ganzkörper-Training
Was früher die Dating-App war, ist heute die Kletterhalle: Hier trifft man Gleichgesinnte, testet seine Grenzen – und findet vielleicht mehr als nur den nächsten Bouldergriff.
Waldkraiburg – Wer träumt nicht davon, es mal bis ganz weit nach oben zu schaffen? Beim Deutschen Alpenverein e.V., Sektion Mühldorf, ist das gar kein Problem: Klettern und Bouldern machen es möglich. Hier wird bei schönem Wetter im Freien in den Bergen geklettert und wer lieber in der großen Halle die Wände hochkraxelt, kommt im Raiffeisen-Vertikal Kletterzentrum in Waldkraiburg auf seine Kosten. Die Kletterhalle ist 16 Meter hoch und wurde 2015 erbaut. Am 5. Juli wird mit einem großen Sommerfest ihr 10-jähriges Jubiläum gefeiert.
Die Sektion Mühldorf des DAV ist mit ihren über 5.370 Mitgliedern der größte Verein im Landkreis Mühldorf. Davon sind etwa 100 Mitglieder in der Sparte Klettern und Bouldern aktiv und das in jeder Altersgruppe – vom Kleinkind bis zum Senior. Klettern und Bouldern sind schon seit Jahren angesagt und gelten als absolute Trendsportarten. Sie begeistern Profisportler, Hobbykletterer, Familien, Singles, Jung und Alt.
Klettern mit Strategie und in Absprunghöhe
Klettern und Bouldern unterscheiden sich vor allem bei der Ausrüstung und in der Höhe. Beim Klettern ist man mit einem Seil abgesichert und macht viele Klettermeter. Beim Bouldern klettert man ohne Seil und Sicherung. Hier braucht man eine Strategie, bevor man seine Route startet. Fällt man, dann landet man auf einer weichen Matte, die einen sicher auffängt. Während man beim Seilklettern Höhen bis zu 40 Metern erreichen kann, wird beim Bouldern normalerweise nicht mehr als 4,50 Meter hochgeklettert.
Dazu kommt, dass man Bouldern problemlos alleine machen kann, während man beim Klettern mindestens zu zweit sein sollte. Im Kletterzentrum Waldkraiburg gibt es jedoch neuerdings auch selbstsichernde Automaten. So kann man auch mal drei, vier Touren alleine klettern.
Gebouldert wird überwiegend in Hallen, doch es gibt auch im Freien Boulder-Berge und Wände. Einer der bekanntesten Berge hierzu befindet sich in Fontainebleau (Frankreich) und auch im Alpenraum gibt es Möglichkeiten. Bouldern und Klettern kann man auf der ganzen Welt. Im Freien sollte man jedoch zur eigenen Sicherheit den Klettersport niemals alleine betreiben.
Ganzkörpertraining zum erschwinglichen Preis
Die OVB Heimatzeitungen haben in der Waldkraiburger Kletterhalle das Bouldern selbst ausprobiert und waren von seinem Fun-Faktor begeistert. Alles, was man für den Anfang braucht, ist bequeme Sportkleidung und Kletterschuhe. Je professioneller man diesen Sport betreibt, umso mehr kann man in die Ausrüstung investieren. „Turnschuhe eignen sich nicht fürs Klettern oder Bouldern, weil sie zu weich in der Sohle sind und man mit ihnen keinen Halt hat“, erklärt Jugendreferent und Kletterbetreuer Dr. Michael Föhlinger. Wer sich noch in der „Testphase“ befindet, kann sich in der Kletterhalle Schuhe ausleihen.
Die Kosten beim Bouldern sind erschwinglich: Ein 1,5-stündiger Schnupperkurs kostet 17 Euro, hinzu kommt der Halleneintritt und, wenn nötig, Leih-Kletterschuhe. Eine Tageskarte für Erwachsene liegt zwischen 7,40 Euro (Bouldern als Mitglied im DAV Mühldorf) und 15,20 Euro (Klettern und Bouldern als allgemeiner Gast). Es gibt sowohl 10er-, als auch Monats- und Jahreskarten sowie Familientickets. Für Schüler und Studierende, Jugendliche und Kinder gibt es je nach Altersstufe Ermäßigungen. Bei Bedarf kommen für Kletterschuhe je nach Größe weitere drei bis vier Euro hinzu.
Kinder haben natürlichen Kletterinstinkt
In Waldkraiburg gibt es sechs verschiedene Kletterstufen, die nach Schwierigkeitsgrad farblich gekennzeichnet sind. Je früher Kinder anfangen, umso besser. „Kinder haben einen natürlichen Klammer- und Kletterinstinkt. Sie neigen dazu, nach etwas zu greifen. Das wird ihnen aber von den Eltern aberzogen, weil sie Angst haben, das Kind könnte runter fallen. Es gibt Studien, die belegen:Je früher Kinder in solche Kletterthemen hineinwachsen und das ausleben dürfen, umso positiver wirkt sich das auf ihre Entwicklung aus“, erklärt Thomas Gansmeier, zweiter Vorsitzender der DAV Sektion Mühldorf.
Klettern verbessert die Motorik und gibt Kraft. Die meisten Weltklassekletterer fingen schon im Kleinkindalter an. In Waldkraiburg geht es jedoch nicht um Leistung, sondern um Spaß, Bewegung und Gesundheit – der ganze Bewegungsapparat wird trainiert. Neben Muskelkraft und Kondition werden auch Ausdauer, Reflexe, Körpergefühl und Koordinationsvermögen verbessert. Klettern stärkt das Selbstvertrauen und die Konzentration, sowie das psychische Wohlbefinden.
Weitere ehrenamtliche Kletter-Trainer gesucht
Was den Klettersport besonders auszeichnet: „Hier herrscht eine unglaubliche Gruppendynamik. Man kommt schnell in Kontakt, egal wo du gerade auf der Welt unterwegs bist. Bei uns sagte man immer Partnerbörse Kletterhalle. Tindern war gestern, Bouldern ist heute“, sagt Michael Föhlinger schmunzelnd.
Die Trainer, Betreuer und Helfer beim Klettersport der Sektion Mühldorf machen alles ehrenamtlich. Über weitere Verstärkung, vor allem in Form von Trainern, würden sie sich freuen. „Ehrenamt ist so enorm wichtig. Wenn keiner sich mehr ehrenamtlich engagiert, stirbt ein Verein. Ein Verein bedeutet Gemeinschaftsgefühl, Kameradschaft und Spaß an dem, was man macht. Bei uns ist das der Klettersport. Dazu stehen auch die Familien hinter den Ehrenamtlichen. Je mehr Menschen zusammenhalten, umso mehr kann man gemeinsam bewegen“, setzt Gansmeier fort.
Wer sich für den Klettersport interessiert, erhält weitere Infos unter: www.kletterzentrum-waldkraiburg.de oder schaut persönlich vorbei und probiert es selbst aus.
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