Umbau der Pürtener Kreuzung
Brücke statt Kreuzung: So entsteht Waldkraiburgs neuer Verkehrsknoten – OVB vor Ort
Wie arbeitet man auf engstem Raum mit tonnenschwerem Material? Wie wird aus einer überlasteten Kreuzung ein moderner Knotenpunkt? Ein Rundgang über Waldkraiburgs größte Baustelle – die Pürtener Kreuzung.
Waldkraiburg – Ein dumpfes Geräusch ist zu hören, wenn ein Bagger Schaufel um Schaufel Erde abträgt und in einen Kipper lädt. Direkt daneben schwenkt ein Kran schweres Baumaterial über die Baustelle, während Monteure an den Widerlagern für die neue Brücke arbeiten. Der Umbau der Pürtener Kreuzung ist in eine entscheidende Phase eingetreten – und verändert nicht nur das Straßenbild, sondern auch die Verkehrsführung grundlegend.
Bis Mitte September wird aus der bisherigen Kreuzung ein Knotenpunkt auf zwei Ebenen: Die beiden Staatsstraßen sollen sich dann nicht mehr schneiden, sondern übereinander hinwegführen – mit einer Brücke, die den Verkehr entflechtet. Was sich technisch recht trocken anhört, ist in Wirklichkeit eine komplexe Planung – von Beginn an.
Baugrube ist knapp zehn Meter tief
Was in der aktuellen Bauphase an der Pürtener Kreuzung passiert, erklären Zacharias Kleber und Veronika Nies vom Staatlichen Bauamt Rosenheim bei einem Rundgang über die Baustelle.
Wer sich am nördlichen Ende der Baustelle umsieht, blickt fast zehn Meter hinunter in eine tiefe Baugrube. Zwischen zwei Fundamenten liegen Bewehrungsstangen – hier entsteht die neue Bahnüberführung. Denn mit dem Umbau der Pürtener Kreuzung wird auch der Bahnübergang verschwinden: Statt Schranken und Bahnübergang führt die Straße künftig unter der Bahnlinie hindurch.
„Die spätere Brücke wird zunächst vollständig parallel zur Bahnlinie gebaut“, erklärt Zacharias Kleber, Abteilungsleiter Brückenbau am Staatlichen Bauamt Rosenheim. Während einer viertägigen Sperrpause der Bahnlinie wird die Brücke dann im November in ihre endgültige Position geschoben.
Ein Novum für die Brücken-Bauer am Staatlichen Bauamt. „Normalerweise bauen wir keine Brücken im Verschub-Verfahren, wir bauen normalerweise auch keine Bahnbrücken“, erklärt Kleber. Dass man an der Pürtener Kreuzung gleich doppelt Neuland betritt, hat einen praktischen Grund: „Eine Baustelle aus einer Hand erlaubt eine deutliche engere Abstimmung.“ Baubegleitend seien viele Experten eingebunden, so lassen sich die Sperrungen parallel zu den Arbeiten an der Kreuzung gut takten.
Brücke nach den Vorgaben der Deutschen Bahn
Die Eisenbahnbrücke bringt es auf eine Spannweite von 21,5 Metern und eine lichte Höhe von 4,70 Metern – alles nach Vorgaben der Deutschen Bahn. Wenige hundert Meter weiter entsteht eine zweite Brücke, diesmal für den Straßenverkehr. Sie unterscheidet sich in ihrer Bauweise deutlich: Als sogenanntes integrales Bauwerk kommt die Brücke ohne Lager und Dehnungsfugen aus. Das bedeutet weniger Lärm und weniger Instandhaltungskosten.
Anders als bei der Eisenbahnbrücke durften die Planer hier gestalterisch freier arbeiten – gebunden nur durch die Topografie des Geländes. „Die Brücke hat einen schrägen Stil, wirkt damit luftiger und offener“, sagt Kleber. Gerade Fußgänger und Radfahrer würden sich so bei der Durchfahrt wohler fühlen.
Die Dimension des Projekts erfordert genaue Abstimmungen – und teils auch Nachtschichten. Deshalb arbeiten die Monteure auch unter Scheinwerferlicht weiter. Gerade in dieser Bauphase werden viele Erdmassen bewegt. „Das Baufeld ist hier sehr beengt“, erklärt Veronika Nies, Gebietsabteilungsleiterin am Staatlichen Bauamt Rosenheim.
Teile der bereits asphaltierten neuen Straße sind deshalb wieder mit Erdhaufen bedeckt – ein notwendiger Kompromiss, um genügend Lagerflächen zu schaffen. „Denn wir wollen so wenig wie möglich in den Bestand eingreifen“, erklärt sie. Gerade deshalb waren die Planungen der einzelnen Bauphasen so wichtig, sodass beispielsweise der Bestand in den Planungen als Umleitung berücksichtigt werden kann. „Auf der grünen Wiese zu bauen, wäre einfacher gewesen.“
Entspannung für den Verkehr nach den Sommerferien
Seit April ist der Kreuzungsbereich komplett gesperrt, über die beiden neuen Kreisverkehre geht es nur in Richtung Mühldorf weiter. Was bis dahin nur ein kurzer Weg nach Pürten war, ist für Autofahrer nun ein längerer Umweg. Entspannung ist erst nach den Sommerferien in Sicht: „Dann sind alle Kreisverkehre offen und der südliche Teil auf der Baustelle abgeschlossen. Damit verbessert sich die Verkehrssituation deutlich“, sagt Veronika Nies. Lediglich im Bereich des Bahnübergangs müssen Autofahrer mit einer Umleitung zu einem späteren Zeitpunkt erneut rechnen. „Wir versuchen, die Umleitungen so gering wie möglich zu halten, aber in dieser Phase geht es nicht anders“, fährt sie fort.
Der Aushub an der Baustelle ist enorm: 24.000 Kubikmeter Erdreich, das entspricht 2410 Lkw-Ladungen. 1700 Kubikmeter Stahlbeton werden verbaut, mit 377 Tonnen Bewehrungsstahl – so viel wie 500 Kleinwagen wiegen. 24.500 Quadratmeter Asphalt entstehen – das sind mehr als drei Fußballfelder. Außerdem wird auf einer Länge von rund 1,8 Kilometern ein Geh- und Radweg gebaut. Auch die Querungshilfe am Ortseingang von Pürten ist Teil des Umbaus – sie soll ebenfalls bis September fertig sein.
Insgesamt investiert das Staatliche Bauamt Rosenheim in den Umbau der Kreuzung 17,5 Millionen Euro. Damit soll ein leistungsfähiger und vor allem verkehrssicherer Knotenpunkt entstehen.



