Besitzerwechsel in Kraiburg
Neustart im Kraiburger Hardthaus Hotel: Aus Boutique wird Sport- und Vitalhotel
Das Restaurant Hardthaus hat ein neues Konzept. Jetzt hat auch das Hotel Hardthaus die Besitzer gewechselt. Mit frischen Ideen wird das historische Haus nun zur Adresse für Gesundheits- und Aktivurlaub in Kraiburg.
Kraiburg – Seit Beginn des Jahres hat das weit über den Landkreis hinaus bekannte Feinschmeckerlokal Hardthaus einen neuen Pächter sowie mit Alex Wittmann einen neuen Geschäftsführer. Jetzt ändern sich auch im Hardthaus Boutique Hotel die Besitzverhältnisse: Mit Christine Schwartz und Paul Kreiter übernimmt ein Paar die Führung, das im selben Gebäude seit rund drei Jahren die Praxis für Physiotherapie leitet. Das wirkt sich auf das neue Konzept des Hotels aus.
Denn mit dem Besitzerwechsel sollen sich auch die Urlaube in dem historischen Ambiente verändern: Aus dem Boutique Hotel wird ein Sport- und Vitalhotel. Dazu möchten die Inhaber ihre Kenntnisse und die Ausstattung der Physiotherapie einbringen. Gäste sollen künftig den Fitnessraum der Praxis zum selbstständigen Training nutzen können.
Im Gesundheitsbereich kürzer treten
Erfahrungen im Hotelgewerbe hat das Kraiburger Paar nicht, aber mit der Physiotherapie-Praxis führe man seit mehreren Jahren ein wirtschaftlich gut laufendes Unternehmen. „Wir haben das Potenzial gleich gesehen”, sagt Schwartz, die die neue Aufgabe als Verknüpfung ihrer bisherigen beruflichen Karriere ansieht: Denn sie ist auch gelernte Hauswirtschafterin. „Alles, was du gerne machst, machst du gut”, sagt sie.
Der Grund für den Einstieg in die neue Branche ist aber auch ein ernster: „Das Gesundheitssystem laugt aus und die Bedingungen sind furchtbar”, macht Schwartz deutlich. Es sei keine Seltenheit, dass Patienten mit Unverständnis reagieren oder auch mal laut werden, weil die Terminvergabe sich schwierig gestalte. „Die Heilmittelverordnung der gesetzlichen Krankenkassen ist, was das angeht, sehr kompliziert und wir haben wenig Spielraum.” Das Hotel sei darum auch eine Chance, langfristig die Krankenkassenleistungen zu reduzieren und sich neu auszurichten, ohne den Gesundheitsbereich komplett zu verlassen – wenn es denn mit dem Betrieb gut läuft.
Urlaub mit Trainingseinheiten
Das Hotel soll Motorrad- und Fahrradfahrer anziehen. „Alle, die aktiven Urlaub machen wollen, sind bei uns genau richtig”, sagt Schwartz. Das befürwortet auch Kraiburgs Bürgermeisterin Petra Jackl: „Kraiburg ist touristisch unterschätzt, dabei haben wir einiges zu bieten, gerade für Radfahrer und Wanderer.” Schwartz ergänzt: „Weil wir hier wohnen, ist das für uns nichts Großartiges, aber Kraiburg hat eigentlich eine super Lage: In einer Stunde ist man in München, Salzburg oder am Chiemsee.”
Gäste können nach Wunsch auch Einheiten auf den speziellen Trainingsgeräten „Icaros” hinzubuchen. Auf diesen können Tiefenmuskulatur, Reaktionsfähigkeit und Gleichgewicht spielerisch trainiert werden. Dazu übt man begleitet von einer App auf dem Tablett oder setzt eine Virtual-Reality-Brille auf. Das vermittelt den Eindruck, gerade eine Skipiste hinunterzuflitzen oder zu fliegen und macht so das Training zu einem Erlebnis. „Trotzdem ist es ein Medizingerät und kein Spaß – es macht nur Spaß”, betont Schwartz. Sonst finde man das mit rund 25.000 Euro kostspielige Gerät nur in großen Wellness-Zentren. Kreiters Praxis sei die einzige im Landkreis, die es in die Therapie der Patienten einfließen lasse.
Trennung von Hotel und Restaurant Hardthaus
Auch Gesundheitsurlaube, die als Präventionsleistung von der Krankenkasse bezuschusst werden, sollen künftig in Kraiburg möglich sein. Dazu möchte Schwartz ihre langjährige Erfahrung als Diät- und Ernährungsberaterin sowie Diabetesberaterin einbringen. Faszientraining, ein Ernährungsvortrag oder Kochkurs könnten dann den Aufenthalt der Urlauber ergänzen. „Gerne würde ich Menschen zeigen, dass man schnell, einfach und gesund kochen kann”, erzählt Schwartz.
Ansonsten wird im Hotel nur ein Frühstücksbuffet mit Service angeboten. Auf die umliegenden Italiener Perfetto by Giuseppe und Bella Napoli mammamia sowie das Feinschmeckerlokal im Hardthaus weisen die Gastgeber zwar hin, eine direkte Zusammenarbeit gibt es aber nicht. Diese Trennung unterstreicht auch der neue Name „Hotel am Inn”. Ein Münchner Unternehmen erarbeitet derzeit mit den neuen Inhabern ein Gesamtkonzept inklusive Preisgestaltung, bevor das Hotel in knapp zwei Monaten wieder eröffnen soll.
An Hotelzimmern ändert sich nichts
Wer die Räumlichkeiten kennt, hat keine Überraschungen zu erwarten: An den Hotelzimmern mit ihrer Mischung aus historischem Charme und Moderne ändert sich nichts. Zwei der insgesamt acht Zimmer sind barrierefrei, zwei andere sind mit einer privaten Sauna ausgestattet. „Unser Hotel ist klein und überschaubar”, sagt Schwartz. Kraiburgs Bürgermeisterin wünscht den neuen Besitzern für den Start alles Gute. „Das Hotel ist für Kraiburg sehr wertvoll und auf Google ist es bisher top bewertet – ich hoffe, dass es so weiterläuft.”





