Jahresrückblick 2023
In Polling und München brennen Baumaschinen – wer sind die Täter?
Im Oktober brannten Baumaschinen auf der Geothermie-Baustelle in Polling. Im Dezember brannten in München Forstmaschinen und ein Kabelschacht. Was die Ermittler wissen.
Polling/München – In der Nacht zum Montag, 2. Oktober, hörten Anwohner gegen 4.30 Uhr einen lauten Knall. Robert Wagner, Freier Mitarbeiter der OVB Heimatzeitungen, wurde damals aus dem Schlaf gerissen. „Meiner Nachbarin ging es genauso“, erzählt er. 1,5 Kilometer steht sein Haus von Baustelle der Geothermie entfernt.
Anschläge morgens um 4.30 Uhr
Was sich am Montagmorgen, 2. Oktober, genau rund um Polling zugetragen hat, ist bislang völlig offen. Fest steht: Dem lauten Knall folgte auf dem Gelände der Geothermie-Bohrung ein Feuer, dem mehrere Bagger zum Opfer fielen. Auf dem Gelände bei Polling finden Vorarbeiten für eine Geothermie-Bohrung statt. Das heiße Wasser aus der Tiefe soll künftig die Gewächshäuser der Firma Reichenspurner, die Gemeinde Polling und Teile Mühldorfs mit Fernwärme versorgen.
2,5 Millionen Euro Schaden in Polling
Zur gleichen Zeit an diesem Oktobermontag meldete die Südostbayernbahn (SOB) auf ihrer Strecke zwischen Mühldorf und Tüßling eine Signalstörung. Gleichzeitig wurde dort ein brennender Kabelschacht entdeckt. „Darüber hinaus kam es gegen 4.45 Uhr zu einem Ausfall des Stellwerks Garching“, teilte eine Bahnsprecherin auf Anfrage mit. Auch ein Holzrückefahrzeug im nahegelegenen Wald wurde ein Raub der Flammen.
Polizeisprecher Alexander Huber sagte noch während der laufenden Spurensicherung am Brandort: „Die Brandfahnder der Kripo Mühldorf gehen von vorsätzlicher Brandstiftung aus.“ Es soll sich um gezielte Attacken auf die Geothermie sowie die Bahnanlage gehandelt haben, mit einer geschätzten Schadenshöhe von circa 2,5 Millionen Euro.
Extremismus und Terrorismus im Visier
Noch am selben Tag übernahm die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) die Ermittlungen an den Tatorten in Polling. Die ZET gehört zur Generalstaatsanwaltschaft München, sie wurde gebildet, um Straftaten mit terroristischen und extremistischen Bezügen zu verfolgen. Bis heute konnten die Täter nicht ermittelt und gefasst werden.
Drei ähnliche Brandfälle in und um München
Stattdessen gehen die Brandanschläge weiter. In der Nacht zum Montag, 11. Dezember, gegen 3 und 7 Uhr, brannten wieder Arbeitsfahrzeuge im Wald und ein Kabelschacht. Dieses Mal im Perlacher Forst, im Forstenrieder Park und an der Ludwigsbrücke Nähe Deutschem Museum in München.
Zwei Forstmaschinen und ein Kabelschacht
In allen drei Fällen konnten die Feuerwehren die Brände löschen, verletzt wurde niemand. Der Wert jeder Arbeitsmaschine dürfte im sechsstelligen Bereich liegen. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen führen die Münchner Kriminalpolizei und die ZET, sie gehen von Brandlegung aus.
Besteht ein Zusammenhang zwischen den Bränden?
Die Generalstaatsanwaltschaft München sieht Parallelen und Verbindungen zwischen den Brandstiftungen von Polling und den Brandanschlägen in und um München. „Die Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft München zu den genannten Brandfällen dauern an“, teilt der stellvertretende Pressesprecher, Oberstaatsanwalt Sebastian Murer, mit. „Bei der Polizei wurde eine mehrköpfige Ermittlungsgruppe unter Sachleitung der Generalstaatsanwaltschaft München eingerichtet.“
Vermutet wird ein extremistischer Hintergrund
Gegenstand der Ermittlungen ist auch, ob zwischen den Brandfällen ein Zusammenhang besteht. Murer: „Aufgrund der Tatobjekte und der Tatmodalitäten wird von einem extremistischen Hintergrund ausgegangen, wobei in alle Richtungen ermittelt wird. Mit Blick auf die laufenden Ermittlungen bitte ich im Übrigen um Verständnis, dass derzeit keine weitergehenden Auskünfte erteilt werden können.“