Haushalt für 2025 liegt vor
„Phase des Aufräumens vorbei“: Nach Verwaltungs-Chaos in Kirchdorf – so hoch ist der Schuldenstand
Nach dem Verwaltungs-Chaos ringt Kirchdorf weiterhin mit den Finanzen. Nun hat die Kommune das Ergebnis für 2024 und den Haushalt für 2025 vorgelegt. So ist die Lage.
Von Anna Kainz und Anja Leitner
Kirchdorf bei Haag – Reichertsheim und Kirchdorf ringen weiter mit ihren Finanzen. Nachdem die Verwaltungsgemeinschaft im Jahr 2023 ein Verwaltungs-Chaos sondergleichen erlebt hatte, wurde mehrfach angekündigt, dass die beiden Kommunen versuchen würden, wieder in geordnete Bahnen zu finden.
Nun haben Holger Noll, Geschäftsleiter der VG Reichertsheim und Kirchdorf, sowie Kämmerin Doris Hauck dem Gemeinderat das Jahresergebnis für 2024 vorgelegt. Eine ordentliche Buchhaltung sei nur bedingt möglich gewesen. Als Grund nannten Noll und Hauck den Personalengpass in der Gemeindeverwaltung, der aufgrund des Verwaltungs-Chaos entstanden war. Daher sei unter anderem ein Großteil der Rechnungen aus dem Jahr 2023 nicht im selben Jahr gezahlt worden. Außerdem seien Abbuchungen von den Bankkonten im Buchhaltungssystem nicht ver- und einige staatliche Zuweisungen nicht als Einnahmen gebucht worden, erklärten sie.
Um diese Mängel aus den Jahren 2023 und 2024 auszugleichen und eine Angleichung der Zahlungswege sicherzustellen, sei in Abstimmung mit der Kommunalaufsicht im Landratsamt Mühldorf und der Staatlichen Rechnungsprüfungsstelle eine pauschale Korrekturbuchung veranlasst worden, so der Geschäftsleiter. Deswegen seien nicht nachvollziehbare Buchungen beziehungsweise Bestände auf den Verwahrkonten aus den Vorjahren nach Prüfung korrigiert und die jeweiligen Kassenreste damit auf null gesetzt worden.
Der Gesamthaushalt laut Jahresrechnung 2024 beträgt rund 7,5 Millionen Euro, davon entfallen rund 3,8 Millionen Euro auf den Verwaltungshaushalt, circa 3,7 Millionen Euro auf den Vermögensetat, erklärten Noll und Hauck. Das Ergebnis sei aber laut Verwaltung nicht aussagekräftig. Der Schuldenstand betrage rund 72.300 Euro, die Pro-Kopf-Verschuldung liege bei 53,79 Euro (Stand: 31. Dezember 2024) bei 1.344 Einwohnern. Die Rücklagen in Kirchdorf lägen bei rund 596.000 Euro, eine Neuaufnahme von Krediten sei 2024 nicht getätigt worden. Der Gemeinderat nahm das Jahresergebnis mit 6:6 Stimmen zur Kenntnis.
Darüber hinaus legten der Geschäftsleiter und die Kämmerin die Haushaltssatzung mit Haushaltsplan für 2025 vor. Der geplante Bestand der Rücklagen beträgt danach zum Jahresende 2025 rund 432.000 Euro. Die vorgeschriebene Mindestrücklage in Höhe von 34.515 Euro sei nach wie vor vorhanden.
Für das Maibaum-Fest wurde von der Sonderrücklage für Vereinsaktivitäten ein Betrag von 4.000 Euro für Wechselgeld und nochmals ein Betrag von 10.000 Euro zur Bezahlung aller Ausgaben, wie Farbanstrich, Maibaumablöse, Toilettenwagen, Getränke sowie Essen entnommen. Sobald die Abrechnung vollzogen sei, werde der verbliebene Betrag der Sonderrücklage wieder zugeführt, teilten die beiden Verwaltungsangestellten mit.
Der Schuldenstand werde zum Jahresende 2025 erheblich ansteigen: Die Verwaltung hat dafür rund 1,7 Millionen Euro veranschlagt (Vorjahr: 72.300 Euro). Diese hohe Summe sei laut Hauck nachvollziehbar und setze sich durch die Grundstückskäufe (rund 1,2 Millionen Euro) zusammen, die die Kommune getätigt habe. Es sei geplant, diese Areale wieder zu verkaufen, – vorwiegend handle es sich um Gewerbegrundstücke in Kirchdorf – allerdings müsse die Gemeinde die Kosten erst einmal vorschießen.
Die Pro-Kopf-Verschuldung bei 1.344 Einwohnern werde demnach rund 1.285 Euro betragen (Vorjahr: 53,79 Euro). Zum Vergleich: Die Pro-Kopf-Verschuldung in Haag liegt zum Ende des Jahres bei rund 1.712 Euro, bei rund 6.500 Einwohner. Der Landesdurchschnitt beträgt 866 Euro.
Wichtige Investitionen 2025
Die Verwaltung hat die Investitionen der Gemeinde Kirchdorf für das Haushaltsjahr 2025 vorgestellt. Die wichtigsten Projekte der Kommune: Schmutzwasserkanal Kirchdorf: 15.300 Euro; Feuerwehr Kirchdorf/Brandschutz: 45.000 Euro; Ausbau des Radwegs bei Bach: 50.000 Euro; Straßensanierung bei Berg: 125.500 Euro; Erwerb von landwirtschaftlichen Grundstücken sowie Gewerbegebiet: rund 1,2 Millionen Euro; Breitbandausbau: 41.100 Euro.
Die finanzielle Situation der Gemeinde hat sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. Im Jahr 2024 habe die Kommune zudem deutlich geringere Gewerbesteuereinnahmen als im Jahr 2023 verbuchen können, teilte die Verwaltung mit. Zudem habe die Kommune eine Gewerbesteuerrückzahlung tätigen müssen, die mit rund 666.000 Euro zu Buche geschlagen habe, so Hauck.
Im Jahr 2025 werde die Gewerbesteuer voraussichtlich höher als im Vorjahr ausfallen; es sei vom Sollstellungsansatz ein Abschlag von 10 Prozent eingeplant worden. Für das Jahr 2026 versprach Bürgermeister Christoph Greißl (FWG) eine saubere Buchhaltung und daraus einhergehend einen ordentlichen Haushaltsplan. Der Gemeinderat stimmte der Haushaltssatzung mit Haushaltsplan 2025 mit 9:3 Stimmen zu.
Auf Anfrage bestätigte die Kämmerin, dass nächstes Jahr voraussichtlich ein „realistischer Etat“ vorliegen werde und Noll ergänzte, dass „die Phase des Aufräumens vorbei ist“. „Nun können wir gestalten“, erklärte er im Gespräch mit der Redaktion. „Das Team ist stabil, es gibt keine Kündigung mehr.“ In Reichertsheim würden verschiedene Projekte, wie der Ausbau der Nahwärme und das Neubaugebiet Schmiedanger voranschreiten. Die Talsohle sei durchschritten. „Es macht wahnsinnig Spaß und es geht vorwärts“, betonte Noll. Besonders begrüße er den offenen und ehrlichen Dialog in den Gemeinden.
Im Anschluss an die Haushaltsdebatte kam im Kirchdorfer Gemeinderat noch der Ausbau des Glasfasernetzes zur Sprache. Von der zuständigen Firma Leonet habe es lange keine Rückmeldung gegeben, erklärte der Rathauschef. Das Management des Projekts sei von der Verwaltung zur Gemeinderatssitzung eingeladen worden, habe die Einladung aber abgelehnt. Die Anfragen des Bürgermeisters bezüglich der Bauarbeiten seien laut Greißl mehrmals abgewiesen worden. Die Gemeinde bemühe sich weiterhin, am Thema dranzubleiben und den Ausbau schnellstmöglich voranzubringen, erklärte er.
Ratsinformationssystem nicht funktionsfähig
Die Gemeinderatssitzung war um eine Woche verschoben worden, da die Software des Ratsinformationssystems nicht funktioniert habe, so der Bürgermeister. Unter anderem seien Tagesordnungspunkte und Dokumente nicht mehr angezeigt worden. Andere Kommunen hätten ähnliche Probleme gehabt. Kirchdorf habe Schadensersatz von der Firma gefordert, teilte Greißl in der Sitzung mit.


