„Haben bewiesen, dass wir es können“
„Krisen-Manager“ soll weitermachen: CSU nominiert Mühldorfs Landrat Max Heimerl erneut
Corona-Krise, Flüchtlings-Krise, Krankenhaus-Krise: Mühldorfs Landrat Max Heimerl hat sich in seiner ersten Amtszeit als Krisen-Manager bewähren müssen. Mit Erfolg: Die Partei ist mit ihm zufrieden. Die Delegierten des CSU-Kreisverbands wählten ihn erneut zum Landratskandidaten. Über einen Abend voller Emotionen.
Haag/Mühldorf – Seine Rede: relativ kurz. Die Stimmenauszählung: blitzschnell erledigt. Der Applaus: gewaltig. Landrat Max Heimerl hat seine Partei so gut wie geschlossen hinter sich. 97,6 Prozent der 130 anwesenden Delegierten des CSU-Kreisverbandes nominierten ihn im Haager Bürgersaal erneut zum Landratskandidaten. 122 stimmten für Heimerl, drei gegen ihn, fünf Stimmen waren ungültig.
Nachdem Wahlleiter Walter Gröb, zum letzten Mal vor seinem Ruhestand als Bundeswahlkreis-Geschäftsführer in dieser Funktion tätig, das Ergebnis verlesen hatte, erhoben sich alle von den Stühlen. Es gab langanhaltenden Applaus. Die Junge Union zückte die vorbereiteten blauen Schilder und beschwor die Rolle des Kreisverbands als Wahlkampf-Mannschaft: „Team Max“ trete an „für unseren Chancen-Landkreis“. Und vom Haager Viergesang, der den Abend musikalisch begleitete, gab es einen Hut, so wie ihn Haags historischer Held, Graf Ladislaus, trug.
Heimerl zeigte sich bewegt angesichts des sehr guten Ergebnisses (2019 hatte er bei der Nominierung zwei Gegenkandidaten). Eine Überraschung war es jedoch nicht. Die CSU präsentierte sich geschlossen. Einen Gegenkandidaten gab es, wie erwartet, nicht. Schon im Vorfeld war die Sache klar gewesen.
Den „Chancen-Landkreis“ entwickelt
Ampfings Bürgermeister Josef Grundner hatte die Aufgabe übernommen, Heimerl vorzuschlagen. Er war es auch, der den Ausdruck „Krisen-Manager“ prägte. Heimerl habe den Landkreis Mühldorf in den vergangenen fünf schwierigen Jahren sehr gut durch die vielen Herausforderungen der Zeit geführt, von der Pandemie bis zur Flüchtlingskrise und Krankenhausreform. Heimerl habe ein gutes Standing, auf der Kommunalebene bis hoch zur Landes- und Bundespolitik. Und die Region zum „Chancen-Landkreis“ weiterentwickelt.
Heimerl sprach angesichts der Leistungen seiner ersten Amtsperiode jedoch grundsätzlich im „Wir-Modus“. „Wir haben es geschafft, keine Turnhalle belegen und Containerdörfer aufstellen zu müssen“, nannte er als einen Erfolg des Bemühens, um angemessene Unterbringung von Geflüchteten. „Wir haben einen gangbaren Weg aus den Krankenhausdefiziten gefunden.“
Der Weg, der auch in Zukunft generell in allen Feldern zu beschreiten sei: „sparen, stabilisieren, strategisch weiterentwickeln“. Und: „Vereinen, verbinden, versöhnen.“ Dieser Weg habe nur eine Grenze: jegliche Form des Radikalismus. Heimerl forderte eine wehrhafte Demokratie und versprach: „Mit der CSU gibt es keine Zusammenarbeit mit Radikalen.“
Heimerl beschwört das „Wir“
Politik sei immer eine Mannschaftsleistung, beschwor er das „Wir“. Und dankte allen, die im Team CSU mitwirken würden: von den aktiven bis passiven Mitgliedern, den Bürgermeistern, vertreten durch Sprecher Thomas Einwang, bis zu den Ortsverbandsvorsitzenden, von den Arbeitsgemeinschaften der Partei wie JU, Frauen- und Seniorenunion, von Mandatsträger wie Claudia Hausberger, Fraktionsvorsitzende im Bezirk, sowie Sascha Schnürer (MdL), der die Begrüßung übernahm, und Stephan Mayer (MdB).
Heimerl erinnerte an die Herausforderungen der ersten Amtszeit, etwa im Bereich Bildung: die Zukunftssicherung der Förderschule in Aschau, der Neubau des Gymnasiums Gars („eine absolute Vorzeigeschule und ein Bekenntnis für den westlichen Landkreis“), die Erweiterungen der Gymnasien in Waldkraiburg und Mühldorf.
Jetzt hofft er auf die Investitionsmilliarden des Bundes. 70 Prozent der öffentlichen Investitionen würden von den Kommunen geleistet, deshalb müssten auch 70 Prozent aus dem Topf des Bundes bei den Gemeinden und Städten ankommen. Das ermögliche nicht nur viele Generalsanierungen. „Wir brauchen diese Millionen auch für die Bauwirtschaft. Unter 70 Prozent machen wir es nicht.“
Krankenhaus-Reform als große Herausforderung
Bereits auf dem richtigen Weg sei die Krankenhaus-Landschaft im Landkreis. 2020 zukunftsfähig aufgestellt durch die Fusion mit Altötting, dann weiterentwickelt mit der Konzentration der medizinischen Angebote in Altötting oder Mühldorf und mit der Gründung von Gesundheitszentren in Burghausen und Haag. Letzteres Beispiel zeige, dass es gelungen sei, denn das Haus in Haag sei voller Leben.
Dass Heimerl richtig liegt, zeigte der Applaus aus dem CSU-Ortsverband Haag, Vorsitzender Stefan Högenauer, Zweiter Bürgermeister der Marktgemeinde, zeigte sich hocherfreut, dass die Kreisdelegiertenversammlung diesmal in Haag, der viertgrößten Kommune im Landkreis, stattfand. Högenauer interpretierte dies als „Zeichen der Wertschätzung“, gegenüber Haag und dem westlichen Landkreis. Das traditionelle Haager Land verteile sich heute auf vier Landkreise, es gelte, stärker an den Bindungen nach Mühldorf zu arbeiten. „Seitens der Gemeinde könnte man diesbezüglich noch mehr Initiative zeigen“, findet Högenauer.
Landkreis Mühldorf eine „Aufsteiger-Region“
Jetzt gelte es, den Landkreis weiter in die Zukunft zu führen, so Heimerl. Denn Mühldorf sei eine Aufsteiger-Region, der Landkreis wachse am stärksten in Bayern. In den vergangenen zehn Jahren um zwölf Prozent: „Das ist einmal Haag plus einmal Neumarkt St. Veit.“ Die Prognosen würden in den nächsten Jahren weiteres Wachstum um bis zu elf Prozent voraussagen. Das bedeute jedoch auch: mehr Schulen, mehr Kitas, mehr Vereinsangebote. Und die Notwendigkeit, etwas gegen die Grundstücks- und Mietpreise, die in den vergangenen zehn Jahren um das Dreifache gestiegen seien, zu tun.
Es gelte, neue Baugebiete auszuweisen, eine aktive Wirtschaftspolitik zu betreiben, nicht nur an der Entwicklungsachse der A 94, auch auf dem Land. Firmen fordern nach Heimerls Erfahrungen schnelle Genehmigungsverfahren. „Da können wir noch besser werden.“ Und sichere, bezahlbare, erneuerbare Energien. „Da sind wir nicht ganz vorne mit dabei so wie Nordbayern, deswegen brauchen wir das Landkreis-Werk.“ Heimerl gab sich kämpferisch: „Wer in Zukunft erfolgreich sein will, muss im Landkreis Mühldorf investieren und nicht woanders.“
„Wir haben die Themen, Köpfe, Haltung, Werte. Wir haben bewiesen, dass wir es können“. Die Menschen würden Macher statt Mahner wünschen, „Mut statt Miesmacherei“.



