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Bahnausbau der Strecke Freilassing-Mühldorf

Eine Bahnschranke, die alle sechs Minuten schließt: Ausbau in Kirchanschöring & Fridolfing entgleist

Hans Schild und Franziska Straßer vom Verein bürgerfreundliches Bahnkonzept Kirchanschöring .
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Hans Schild und Franziska Straßer vom Verein bürgerfreundliches Bahnkonzept Kirchanschöring vor der „Problemschranke“. Der Bahnübergang wird nach derzeitigen Plänen der Deutschen Bahn nach dem Ausbau der Strecke Freilassing-Mühldorf alle sechs bis acht Minuten geschlossen sein.

Bimbam, Schranke zu. Warten. Die Bahnübergänge in Kirchanschöring und Fridolfing könnten künftig Verkehrsteilnehmer viel Geduld abverlangen. Alle sechs bis acht Minuten rauscht dann, so sieht es der derzeitige Plan der Deutschen Bahn vor, ein Zug durch die beschaulichen Gemeinden. Es regt sich Widerstand gegen den Ausbau der Zugstrecke Freilassing-Mühldorf: „Wir wollen den Ausbau, aber bürgerfreundlich.“

Kirchanschöring – Morgens um halb acht auf der Straße am Ortseingang Kirchanschöring. Die ländliche Stille an diesem Montagmorgen wird nur unterbrochen vom Bimmeln der Bahnschranke. Neben uns warten noch zwei weitere Autofahrer und eine Fahrradfahrerin darauf, dass der Zug vorbeifährt. Dann öffnet sich der Schlagbaum, wir können weiter. Wir treffen uns mit Franziska Straßer und Hans Schild vom Verein „Bürgerfreundliche ABS 38, Salzachtal“. Passender Treffpunkt: Am Bahnhof, wo es noch recht beschaulich zugeht.

Bahnausbau der Strecke Mühldorf-Freilassing

„Die Bahn hat vor, den Streckenabschnitt zwischen Freilassing und Mühldorf zweigleisig auszubauen und zu elektrifizieren und damit mehr Verkehr auf die Strecke zwischen Mühldorf und Salzburg zu bringen, das ist das Ziel des Ganzen.“ Wenn Hans Schild und Franziska Straßer erzählen, was die Bahn vorhat, klingt das zunächst vernünftig. Es ist doch immer die Rede von umweltfreundlicher Verkehrswende. Was also ist dagegen einzuwenden?

Noch ist die Bahnstrecke zwischen Mühldorf und Freilassing eingleisig. Dass der Ausbau Sinn macht, steht für den Verein bürgerfreundlicher Bahnausbau Kirchanschöring außer Frage. Nur die geplante Umsetzung wäre für die Orte eine Zumutung.

Verkehrswandel hin zur Schiene nachvollziehbar

„Wir haben kein Problem mit dem Ausbau. Wir sehen auch die Wichtigkeit dafür, für den Bund, für ganz Deutschland, für Bayern, für das Chemiedreieck, das ist uns wichtig, auch als Verein, dass man das immer richtig stellt, dass wir eben nicht gegen den Ausbau sind.“ Also keine Kirchturmpolitik? Hans Schild ergänzt Franziska Straßer Antwort: „Dass der Ausbau im Zuge eines Verkehrswandels und der Verlagerung von der Straße auf die Schiene notwendig sein wird, ist absolut klar und verständlich.“

Alle sechs bis acht Minuten heißt es bald: Warten an der Schranke

Verständlich wird aber auch schnell die Kritik des Vereins am derzeitigen Ausbauplan der Deutschen Bahn. Franziska beginnt zu erklären, welche Auswirkungen auf Verkehrsteilnehmer und Anwohner zukämen: „Die aktuelle Planung sieht vor, dass die Straßenkreuzung mit der Bahn schienengleich ist, das heißt, es bleibt eine Schranke.“ Alle sechs bis acht Minuten würde diese sich künftig schließen, so Franziska. Da seien lange Staus vorprogrammiert. Nicht nur ein Problem für die Anwohner, auch die Pendler und der Rettungsdienst kämen so an ihre Grenzen.

Sollte die Bahnschranke, wie hier in Götzing bei Fridolfing tatsächlich alle sechs Minuten schließen, hätten nicht nur Anwohner ein Problem. Auch Rettungskräfte wie Notarzt oder Feuerwehr könnten nicht mehr so schnell bei den Verunglückten eintreffen.

Zukünftige Regelung des Nahverkehrs unklar

Und der Personenverkehr sei da noch nicht mit eingerechnet, gibt Hans Schild zu bedenken. Die Netz-Ag der Deutschen Bahn beschäftige sich mit dem überregionalen Schienenverkehr, vornehmlich Güterverkehr. Zum Nahverkehr, der in der Hand der Kommunen und des Freistaats liege, seinen noch keine konkreten Informationen bekannt: Wie man dann in die Taktung von alle sechs Minuten Güterverkehr, die, ich sage mal Bimmelbahn noch unterbringen will, das weiß bis jetzt noch keiner.“

Da rollt einiges an Problemen auf die Gemeinden Fridolfing und Kirchanschöring zu: Und zwar alle sechs Minuten. Die Güterzüge sollen in den Ortskernen mit einer sechs Meter hohen Mauer abgeschirmt werden, im Außenbereich ist kein aktiver Schallschutz vorgesehen.

Die Bahn will eine Mauer durch die Dörfer bauen

Das ist aber noch nicht alles: Um die Anlieger vor dem entstehenden Lärm des Güterverkehrs zu schützen, ist der Bau einer Mauer geplant: „Bis zu sechs Meter hoch, je nachdem wo. Vor allem in Kirchanschöring und aber auch in Götzing in Fridolfing durchschneidet diese Mauer unsere Dörfer. Im Außenbereich, so Franziska weiter, sei hingegen überhaupt kein aktiver Schallschutz geplant. Es gäbe zwar die Zusage von passivem Schutz, also Schallschutzfenster für die Anwohner, aber im Garten, könne man sich nicht mehr wie gewohnt aufhalten.

Eine Schallschutzmauer, wie hier in Freilassing könnte bald das Ortsbild von Kirchanschöring und Götzing bei Fridolfing prägen. Wenig erbauliche Aussichten für die Anwohner.

Verständnis bei der Bahn vorhanden - Geld nicht

Die Krux bei der ganzen Sache ist, dass die Deutsche Bahn die Sorgen der Bürger wohl durchaus versteht: „Die Bahn hat ein ganz einfaches Argument, sie haben einen Planungsauftrag von der Bundesregierung, diese Strecke zu planen und hat da entsprechende finanzielle Mittel und in diesem finanziellen Rahmen hat sie sich zu bewegen.“ Die vorgeschlagene Lösung des Vereins sprengt den finanziellen Rahmen:

Verein fordert eine Absenkung der Gleise als beste Lösung

Die Hauptforderung der Initiative ist ein bürgerfreundlicher und naturverträglicher zweigleisiger Ausbau der Magistrale Paris-Budapest als Tunnel- oder Troglösung mit Straßenüberführung für die Bürge Kirchanschörings und Fridolfings. Diese sogenannte Troglösung würde gleich mehrere Probleme beseitigen:

„Das ist letztlich nicht anderes, als dass man das Gleis ein paar Meter tiefer in die Erde legt, aber ohne Deckel. Da ist dann rechts und links eine Wand, dann ist das Gleis innerhalb der Wände tiefer gelegt.“ Damit wäre zum einen der Schallschutz gegeben. Durch eine Überführung der Verkehrsteilnehmer, die dann auch nicht so hoch sein müsste, erklärt Hans, könnte man sich eine Schranke sparen und das Verkehrschaos verhindern.

Antwort vom Verkehrsministerium ernüchternd

Die Wunschlösung der Gemeinden wurde bislang zwar gehört, das Echo blieb aber aus. Neben den Bürgermeistern, die sich hinter die Anliegen des Vereins stellen, sei „die Unterstützung schon recht rar, was jetzt die Bundespolitik betrifft, das muss man schon sagen.“ Sie hätten schon einiges versucht, ins Rollen zu bringen, so Franziska. Unter anderem habe man dem Staatssekretär des Verkehrsministeriums, Michael Theurer (FDP) ein Schreiben zukommen lassen. Die Antwort liest Franziska in dem Informationsvideo des Vereins vor. In Kürze: Es sei zu wenig Geld vorhanden.

Die Bahn ist beim Bau im Zugzwang

Aber, und das sei der bislang größte Erfolg seit dem Engagement des Vereins, es findet zumindest wieder ein Dialog mit der Deutschen Bahn statt. Eine Weile hätte Stille geherrscht zwischen den Verantwortlichen und den Dorfbewohnern. Jetzt sei die Planung natürlich schon weit vorangeschritten. Und weil die Bahnstrecke dann als Ersatz für den Brenner-Nordzulauf fungieren soll, der auch ausgebaut werden soll, hat die Deutsche Bahn Zeitdruck - und damit auch der Verein.

„Wir brauchen die Politik, um das Projekt zu verwirklichen“

„Wir brauchen die Politik, um das Projekt so zu verwirklichen, dass es für die Anwohnerinnen und Anwohner erträglich ist und nicht einfach mit der Brechstange da jetzt drüber geplant wird.“ Dafür sei aber auch eine breite Unterstützung der Bevölkerung wichtig. Denn es betreffe, so Hans Schild, ja nicht nur die Kirchanschöringer und Fridolfinger und verweist nochmals auf das Problem der Staus für Pendler und Rettungsfahrzeuge.

Breite Unterstützung in der Bevölkerung könnte helfen

Wer den Verein unterstützen will, könne zum Beispiel Mitglied werden: „Je mehr wir sind, desto leichter hört man uns zu.“ Mehr Informationen gäbe es auf der Webseite. Franziska und Hans werden nicht aufgeben: „Wir lassen nicht locker!“ Die letzten Worte werden übertönt vom einfahrenden Zug. Noch muss man sein Gespräch im Schnitt nur alle zwanzig Minuten unterbrechen. Bald könnte Kirchanschörings Bahnhof kein guter Treffpunkt mehr sein für eine Unterhaltung.

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