Prozess bewegt sich endlich Richtung Urteil
Anwalt in Prien von Callboys misshandelt? Angeklagter spricht jetzt über seine Sexarbeit
Ein geplantes Sex-Wochenende zwischen Callboys und einem Priener verlief völlig anders als geplant: denn am Ende wurde er wohl gefesselt, misshandelt und ausgeraubt. In den Prozess, der bereits seit Februar läuft, kommt nun Bewegung - Täter und Opfer nähern sich an.
Prien/Traunstein - Es war bereits der 15. Prozesstag seit Verhandlungsbeginn im Februar, doch am Montag (25. August) kam am Traunsteiner Landgericht Bewegung in die Sache: Zwischen einem Angeklagten, dem 23-Jährigen aus Venezuela, und dem mutmaßlichen Opfer ist es jetzt zu einem Täter-Opfer-Ausgleich gekommen. Das verkündete der Verteidiger des Venezolaners, Temba Hoch. 10.000 Euro seien bereits geflossen, weitere 3000 Euro würden folgen. Damit seien alle Ansprüche abgegolten - auch die Prozesskosten des Geschädigten.
Was soll an jenem 20. Juni 2024 in Prien passiert sein? Zuerst habe es einvernehmlichen Sex zwischen dem 70-jährigen Geschädigten, einem Rechtsanwalt, der eigentlich aus Baden-Württemberg kommt, und dem 23-jährigen Venezolaner gegeben. Es war nicht das erste Treffen zwischen den beiden. Auf dem Weg ins Bad hat der 23-Jährige dann laut Staatsanwaltschaft heimlich die Wohnungstür geöffnet. So sei der zweite Angeklagte, sein 32-jähriger Komplize aus Jamaika, unerkannt hereingekommen.
Angeklagter: „Sexarbeit hat mir Zugang zu vielen Dingen verschafft“
Laut Staatsanwaltschaft wurde der Priener mit einem Küchenmesser bedroht, gefesselt und der Mund wurde ihm zugeklebt. Die beiden Männer hätten die Wohnung durchsucht und sich jede Menge eingesteckt: Bargeld, Uhren, Parfüms, Schmuck, ein Handy. Außerdem sei dem Priener angedroht worden, ihm den Penis abzutrennen - so hätten die Angeklagten zusätzlich eine Geldüberweisung erzwingen können. Sechs Stunden habe das Martyrium gedauert. Die Version der Angeklagten: Der Rechtsanwalt habe sich freiwillig fesseln lassen. Mehrfach wurde er als Zeuge vorm Landgericht vernommen.
Über seinen Verteidiger verriet der 23-jährige Angeklagte aus Venezuela am Montag mehr über sich: Seit zwei Jahren sei er „Escort in Vollzeit“ und in ganz Europa unterwegs gewesen: in Italien, Österreich, Spanien, Holland, Deutschland, Belgien und in der Schweiz. „Ich kann nicht bestreiten, dass mir die Sexarbeit Zugang zu vielen Dingen verschafft hat“, gab der Angeklagte an. Bisher schwiegen die Angeklagten im Prozess. Am nächsten Prozesstag, dem 18. September, wollen sie sich konkret zu den Vorwürfen äußern.
Festnahme sechs Tage nach der Tat in Frankfurt
Die beiden Männer wurden sechs Tage nach der angeklagten Tat im Frankfurter Bahnhofsviertel festgenommen. Seitdem sitzen sie in Untersuchungshaft. Laut einem Frankfurter Polizisten machte zumindest der Jamaikaner bei seiner Festnahme einige Angaben. Der Priener habe sich freiwillig fesseln lassen. Weil sich dann herausstellte, dass er nicht bzw. zu wenig zahlen wollte, habe man die Wertgegenstände mitgenommen. 500 Euro für jeden der beiden Callboys wären für das „Overnight“-Date ausgemacht gewesen. Drohungen oder Gewalt habe es nicht gegeben.
In einem Frankfurter Hotelzimmer tauchten schließlich auch die Parfüms und Uhren des Geschädigten auf. In der Priener Wohnung fanden sich wiederum DNA-Spuren der Angeklagten. Dem Venezolaner wie dem Jamaikaner werden erpresserischer Menschenraub, räuberische Erpressung und Raub vorgeworfen. Die Anklage wegen Körperverletzung wurde inzwischen von der Staatsanwaltschaft fallengelassen. Das Traunsteiner Landgericht unter Vorsitz von Heike Will peilt ein Urteil am 2. Oktober an. (xe)