Fälle in Eiselfing, Aschau am Inn und Engelsberg
Hund frisst Giftköder: So reagieren Tierkliniken – das raten Tierärzte Haustier-Besitzern
Ein Berner Sennenhund, ein Parson Russel Terrier und ein Golden Retriever aus der Region sind in den vergangenen Monaten mutmaßlich an einem Giftköder verstorben. Wie die Tierklinik bei Verdachtsfällen reagiert und was eine Veterinärin Haustierbesitzern rät.
Eiselfing – Wenn das eigene Haustier Gift frisst, muss es schnell gehen. Denn oft wirken die Substanzen rasant und stark. Das verdeutlichte ein Fall aus Eiselfing. Im April hatte ein Parson Russel Terrier einen Giftköder beim Gassi-Gehen gefressen, wie der dafür zuständige Zentrale Einsatzdienst (ZED) der Bad Aiblinger Polizei in einer Pressemitteilung mitgeteilt hatte. Bereits 30 Minuten später habe sich der Hund gekrümmt, erbrochen und sei kollabiert. Die Halter seien mit ihrem Vierbeiner sofort in die Tierklinik gefahren, teilte der ZED weiter mit.
Bei Giftköder zählt jede Minute
„Bei Vergiftungen kommt es darauf an, wie schnell man handelt“, erklärt eine Tierärztin einer Tierklinik aus der Region. Je früher ein Tier in die Klinik komme, desto besser. Deswegen sollten Hundehalter bereits dann Ärzte hinzuziehen, wenn sie nicht genau wüssten, was das Tier gefressen habe. „Dann können wir in der Klinik den Hund zum Erbrechen bringen. Das dauert nicht lange“, erklärt die Tierärztin. Gleich zu Hause tätig zu werden, davon rät die Veterinärin ab.
Sollten schon erste Vergiftungserscheinungen auftreten, könnten die Ärzte in der Tierklinik noch versuchen, den Magen des Hundes zu spülen, Infusionen zu legen oder den Kreislauf zu stabilisieren. Da dabei jede Minute zählt, rät die Tierärztin dazu, lieber frühzeitig in die Klinik zu fahren.
Giftköder-Fälle in Eiselfing, Aschau und Engelsberg
Nicht immer jedoch kann einem Tier geholfen werden. So auch bei dem Fall in Eiselfing. Der Parson Russel Terrier konnte laut Polizei nach einem Herzstillstand wiederbelebt werden, musste jedoch am Tag darauf eingeschläfert werden. Auch in Aschau am Inn starb ein Berner Sennenhund im März vermutlich an einem Giftköder. Im Februar fraß ein Golden Retriever in Engelsberg mutmaßlich eine mit Gift versetzte Semmel und musste trotz tierärztlicher Behandlung eingeschläfert werden.
Solche Fälle kommen leider immer wieder vor. Auch für die Mitarbeiter der Tierklinik gehe das an die Substanz. „Letztlich muss man versuchen, Distanz zu bewahren“, erklärt die Tierärztin. Das gelinge jedoch manchmal nicht – vor allem, wenn man die Halter oder die Tiere schon länger kenne. Manche Hunde seien zudem stark in die Familie integriert. Der Tod eines Haustieres sei dann für die Betroffenen emotional belastend und auch für die Mitarbeiter der Tierklinik schwierig. „Jede Person geht anders damit um“, erklärt die Tierärztin. Dennoch würden auch die unschönen Dinge zum täglichen Geschäft gehören, erklärt sie.
Vergiftungen kommen öfter vor
Mit Vergiftungserscheinungen hätten es die Tierärzte der Klinik öfter zu tun. Hunde würden hin und wieder Schneckenkorn erwischen und es abschlecken oder Schokolade fressen. Beides sei für die Vierbeiner giftig – besonders zartbitter Schokolade. Auch Katzen würden hin und wieder Rattengift fressen und müssten dann behandelt werden, erklärt die Tierärztin.
Tipps der Tierschutzorganisation Tasso
Die Tierschutzorganisation Tasso rät Hundebesitzern „auch nur beim kleinsten Verdacht“, den eigenen Hund sofort zum Tierarzt zu bringen, denn die meisten Giftköder würden schon binnen kürzester Zeit erste Vergiftungsanzeichen verursachen. Häufig bestünden Giftköder aus Rattengift, Insektenbekämpfungsmittel wie Schneckenkorn oder auch Betäubungsmitteln und scharfkantigen Gegenständen. Mögliche Symptome einer Vergiftung können dabei laut Tasso sein: Erbrechen, übermäßiges Hecheln, vermehrt weißer Speichel, blasse Schleimhäute, veränderte Pupillen und eine allgemeine Teilnahmslosigkeit.
Effektiver Schutz vor Giftködern sei laut Tasso der Maulkorb. Zudem könnten Hundebesitzer bei der Streckenwahl auf weniger frequentierte Wege ausweichen. Außerdem rät die Tierschutzorganisation zum Training mit den Hunden, dem Vierbeiner beizubringen, dass er immer darauf aufmerksam machen soll, wenn er etwas Essbares findet. Er sollte beim Signal des Herrchens darauf trainiert sein, sich davon abzuwenden, rät die Tierschutzorganisation.

