Rosa „Ufo“ reicht wohl nicht aus
Haushohes Werbe-Banner in Wasserburgs Altstadt? –Sinnvolle Ausnahme oder „Bereich der Willkür“?
Leuchtreklame, blinkende Buchstaben, riesige Plakate: All dies ist nicht erlaubt in der historischen Altstadt von Wasserburg. Doch manchmal wäre eine Ausnahme sinnvoll. Warum das nicht geht und die Stadt selbst bei einem Antrag des Künstlervereins AK 68 vor Präzedenzfällen warnt.
Wasserburg – Das Ganserhaus, Heimat der Künstlergemeinschaft AK 68, wird saniert. Die Künstler und ihre Ausstellungen sind umgezogen: in die ehemalige Polizeiinspektion am Kaspar-Aiblinger-Platz. Das ist mittlerweile zwar bekannt, aber vor allem auswärtige Kunstinteressierte tun sich manchmal schwer, die neuen Räumlichkeiten zu finden. Eine Kunstinstallation, das rosa „Ufo“, zieht vor dem Eingang zwar die Aufmerksamkeit auf sich, vorübergehend möchte der AK 68 jedoch auch vier Banner an der Fassade anbringen. Sie sollen für 18 Monate deutlich sichtbar ins Auge springen und die Galerie-Räumlichkeiten auf Zeit in den Fokus rücken.
Eine Aktion, die – eigentlich – jeder unterstützen würde. Doch im geplanten Ausmaß – über alle drei Geschosse des Gebäudes, früher Salzstadel – geht es leider nicht, erklärte Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) im Bauausschuss. Die Gestaltungssatzung der Stadt sieht für die Altstadt-Fassaden keine Werbebanner vor, berichtete er. Plakate dieser Art seien zwar besser als aufgemalte Buchstaben, die nach Entfernung eventuell Flecken auf der Fassade hinterlassen würden. Es gibt nach seinen Angaben jedoch weitere Abweichungen von den Gestaltungsregeln: Das Banner der Künstlergemeinschaft weise eine senkrechte Buchstabenfolge auf: nicht erlaubt. Es bestehe aus vier Einzelteilen, jeweils zwei übereinander, und erstrecke sich über die gesamte Höhe des Hauses: auch nicht erlaubt.
Warnung vor Präzedenzfällen
Kölbl warnte davor, für den AK 68 eine Ausnahmeregelung zu schaffen, auf die sich Geschäftsleute für Werbeaktionen kommerzieller Läden berufen könnten. Es dürfe kein Präzedenzfall entstehen, auch nicht für einen Verein, der seine Aktivitäten ausschließlich im Ehrenamt durchführe. Kölbl schlug deshalb einen Kompromiss vor: zwei statt vier Banner, unterhalb des Gesimses, also nur bis zum ersten Obergeschoss reichend.
Christian Stadler, Fraktionsvorsitzender der Grünen, schloss sich der Warnung vor Bezugsfällen an. „Vorsicht bei Ausnahmen“, so sein Appell. So mancher Betreiber eines kleinen Ladens könnte mit Recht auf die Idee kommen, ebenfalls Banner dieser Art und Größe zu beantragen. Man sei zwar geneigt, eine Befreiung von der Gestaltungssatzung für einen rührigen Verein anders zu bewerten, müsse jedoch alle gleichberechtigt behandeln. „Sonst geraten wir in den Bereich der Willkür“, so Stadler. Auch Wolfgang Schmid (CSU) warnte davor, „immer wieder die Gestaltungssatzung auszuhebeln“, doch mit dem Kompromiss könne er mitgehen, auch weil er nur für eine Zeitspanne von 18 Monaten gelte.
Stadtbaumeisterin: „Können uns abgrenzen“
Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann zeigte sich überzeugt, dass zwei statt vier Banner, nur aufgespannt bis zum ersten Gesims, keine Gefahr darstellen würden. „Wir haben diesbezüglich kaum Wildwuchs in der Stadt. Ich glaube, dass wir es durchaus abgrenzen können.“ Werner Gartner (SPD) nannte den Vorschlag ebenfalls einen „guten Kompromiss“. „Wir sind froh, dass wir den rührigen Kunstverein haben.“ Deshalb müsse er unterstützt werden im Bemühen, optisch auf die Räumlichkeiten aufmerksam zu machen. Eine städtische Galerie könne sich Wasserburg nicht leisten.
Kulturreferentin: Antrag für vier Banner
Christian Peiker (SPD) betonte sogar, er könne auch mit vier Bannern leben. Kulturreferentin Edith Stürmlinger (Bürgerforum) ebenso: Wichtig für den AK 68 sei die Sichtbarkeit für die Zeit der Ganserhaus-Baustelle. Stürmlinger beantragte deshalb, dem Antrag des Kunstvereins für die vier Banner über die Gesamthöhe des Gebäudes stattzugeben. Dies lehnte der Bauausschuss mit 6.1 Stimmen jedoch ab. Einstimmig ging stattdessen der Kompromiss von Kölbl und der Stadtverwaltung durch.
Hotel Fletzinger baut um
Einstimmig hat der Bauausschuss des Stadtrates außerdem einem Antrag auf Umbau und Sanierung des Hotels Fletzinger in der Altstadt zugestimmt. Das Baudenkmal soll unter anderem einen neuen Elektroraum erhalten, außerdem eine Fluchtwendeltreppe im Innenhof. Auch hier gibt es eine kleine Abweichung von der Gestaltungssatzung, beim Material der Treppe, die aus Stahl und nicht aus Schmiedeeisen bestehe. Ähnliche Ausnahmen gibt es jedoch bereits bei der Grundschule am Gries und der Förderschule, so Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann. Das Gremium sah ebenfalls keine Probleme und befürwortete den Antrag des Hotels Fletzinger einstimmig.