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Projekt kommt in Bewegung

S-Bahn zwischen Wasserburg und München: Die DB nennt Zeitschiene für Elektrifizierung

Reitmehring hat einen Bahnhof, doch es hapert mit der Nahversorgung: ein Kritikpunkt in der Haushaltsberatung im Stadtrat Wasserburg.
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Der Wasserburger Bahnhof, der in Reitmehring liegt, soll einen S-Bahn-Anschluss erhalten.

Zukunfts-Szenario? Viele Pendler aus der Region sehnen den S-Bahn-Anschluss zwischen Wasserburg und München herbei. Doch vorher muss die Strecke erst einmal elektrifiziert werden. Und dann sind da noch die Kiebitz-Brutgebiete. Kommt jetzt Bewegung in die Angelegenheit?


Wasserburg am Inn – 2021 hatte die damalige bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer den Ausbau-Start für die Strecke für 2024 angekündigt. Bis 2026 sollte die Elektrifizierung vollzogen sein. Doch so kam es nicht. Der Grund für die große Verzögerung war ein kleiner Vogel: der Kiebitz. Es fehlten Ausweichflächen für Paare, die im Staudhamer Feld brüteten.

Dieses Problem ist mittlerweile vom Tisch, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn in Bayern auf Anfrage mitteilt. Eine geeignete Ausgleichsfläche für das Kiebitzbrutpaar sei gefunden und von der DB AG erworben worden. „Damit ist diese Problematik gelöst“, so die Bahn.

2029 Start des elektrischen Betriebs

Für die Elektrifizierung werde derzeit die Genehmigungsplanung überarbeitet. „Ziel ist es, bis Ende des Jahres 2025 den Antrag auf Durchführung eines Planfeststellungsverfahrens beim Eisenbahn-Bundesamt einzureichen.“ Unter der Annahme, dass dieses Verfahren nicht länger als zwei Jahre dauert, „rechnen wir aktuell mit einer baulichen Umsetzung der Maßnahme in den Jahren 2028 und 2029, sodass der Start des elektrischen Betriebs Ende 2029 stattfinden könnte“, teilt die Bahn-Pressestelle mit.

Das ist ein Planfeststellungsverfahren

Ein Wort, das nach Verwaltungsdeutsch klingt: Planfeststellungsverfahren. Darunter ist ein gesetzlich geregeltes Genehmigungsverfahren für große Infrastrukturprojekte wie den Bau von Autobahnen, Eisenbahnstrecken oder Flughäfen gemeint. Zweck ist es, alle durch das Vorhaben berührten öffentlichen und privaten Interessen zu ermitteln, zu prüfen und gerecht gegeneinander abzuwägen. Dabei werden Aspekte wie Umweltschutz, Lärmbelästigung für Anwohner und die Rechte von Grundstückseigentümern berücksichtigt.

Das Besondere an diesem Verfahren ist, dass es alle für das Projekt erforderlichen Genehmigungen in einer einzigen Entscheidung bündelt, dem sogenannten Planfeststellungsbeschluss. Dieser ersetzt alle anderen behördlichen Erlaubnisse, wie zum Beispiel eine Baugenehmigung. Ein wichtiger Bestandteil ist die Öffentlichkeitsbeteiligung, bei der betroffene Bürger und Verbände die Pläne einsehen und Einwände erheben können.

Für die Umsetzung der Elektrifizierung seien mehrere Schritte notwendig. Wenn das Planfeststellungsverfahren beendet sei und ein rechtskräftiger Beschluss vorliege, würden die Bau- und Ausrüstungsleistungen ausgeschrieben und beauftragt. Zudem würden die Ausführungsplanungen erstellt. Die Bautätigkeiten beginnen laut DB mit den ökologischen Ausgleichsmaßnahmen, etwa zur Umsiedlung von Reptilien.

Ab dem Jahr 2028 sei in mehreren Sperrpausen die Errichtung der elektrischen Oberleitungsanlage (Masten, Stromleitungen und Erdungsanlagen) vorgesehen.

Bahnsteige werden verlängert

Parallel dazu würden die Bahnsteige auf eine Länge von 140 Metern ausgebaut, Kabelanlagen für Bahnübergangssicherungsanlagen und Signaltechnik erneuert und am Haltepunkt in Edling eine kleine Brücke erneuert. Ebenso würden Schutzmaßnahmen im Bereich querender Hochspannungsleitungen realisiert. „Zur Erschließung der Baustellen werden außerdem Baustraßen angelegt und Flächen für die Baustelleneinrichtung vorbereitet“, so die DB.

Die Elektrifizierung ist die Voraussetzung dafür, dass die S-Bahn zwischen Wasserburg und München durchgehend verkehren kann. Derzeit startet die S-Bahn erst in Grafing, bis hierhin fahren noch langsamere Diesel-Loks. Fahrgäste müssen auf dem Weg in die Landeshauptstadt meist umsteigen.

Chance für die Altstadtbahn

Der Kundenbeirat der Südostbayernbahn forderte 2018 nicht nur die Verlängerung der Münchener S-Bahn bis nach Reitmehring, sondern bis in die Wasserburg Altstadt, also eine Reaktivierung der Altstadtbahn. Dieses Vorhaben, das auch Pro-Bahn regelmäßig einfordert, steht jedoch seit der Stilllegung und einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts nicht auf der Agenda. Auch eine Machbarkeitsstudie zum Bahnausbau in der Region München, im Oktober 2023 fertiggestellt und beauftragt vom Bayerischen Verkehrsministerium, hatte eine Regional-S-Bahn von Reitmehring bis nach Wasserburg-Stadt aus wirtschaftlichen ausgeschlossen. Die Strecke ist jedoch noch nicht entwidmet, die Freunde der Altstadtbahn kämpfen weiter.

Und dann ist da noch das Jahrhundert-Bauvorhaben in Reitmehring, bei dem der Bahnübergang aufgelöst wird. Tunnel, Trog und Brücke werden gebaut. Startpunkt: noch offen.

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