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Aus dem OVB-Zeitungsarchiv

Doppelmord für 1500 Mark und eine Kamera: Die Bluttat am Hochstaufen 1993

Links: Überschrift und Fahndungsfoto aus dem ersten Bericht zum Doppelmord im „Reichenhaller Haus“ am Hochstaufen im Oberbayerischen Volksblatt vom 25. September 1993. Rechts: Das „Reichenhaller Haus“.
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Links: Überschrift und Fahndungsfoto aus dem ersten Bericht zum Doppelmord im „Reichenhaller Haus“ am Hochstaufen im Oberbayerischen Volksblatt vom 25. September 1993. Rechts: Das „Reichenhaller Haus“.

Vor 32 Jahren, im Herbst 1993, versetzte ein Doppelmord am Hochstaufen die Region in Aufregung. Die Wirtsleute des Reichenhaller Haus waren getötet worden.

Bad Reichenhall - „Eine schreckliche Entdeckung machte am gestrigen Freitag ein Bergsteiger, der gegen 9.30 Uhr das ‚Reichenhaller Haus‘ am 1770 Meter hohen Hochstaufen betreten wollte“, berichtete das Oberbayerische Volksblatt (OVB) am 25. September 1993, „Da die Eingangstür verschlossen war, schaute er durch ein Fenster und sah in dem Raum den Hüttenwirt blutüberströmt mit dem Rücken zur Wand sitzen und dessen Frau leblos am Boden liegen.“ Er habe daraufhin die Polizei alarmiert, Kripobeamte und ein Notarzt seien mit dem Hubschrauber auf den Berg geflogen worden. Die beiden Wirtsleute seien aus unmittelbarer Nähe erschossen worden, die Kasse sei aufgebrochen und alles Geld verschwunden gewesen.

Der Verdacht richtete sich gegen ein Pärchen, das bereits am 11. September in Urwies, in der Gemeinde Piding am Fuße des Hochstaufens nachts einen Rentner in seiner Wohnung überfallen hatte. „Dabei erlitt der 79-jährige Mann, der sich zur Wehr setzte, einen Kopf-Streifschuss. Die Täter flüchteten übrigens mit acht Mark Beute.“ Es begann eine umfangreiche Suche nach den Verdächtigen. „Die Traunsteiner Kripo warnt jedenfalls alle Bergwanderer. Mittlerweile wird nicht ausgeschlossen, dass sich das gesuchte Pärchen in den Raum Rosenheim oder Berchtesgaden abgesetzt hat. Beide machten - so die Beamten - rücksichtslos von der Schusswaffe Gebrauch.“

Doppelmord für 1500 Mark und eine Kamera: Die Bluttat am Hochstaufen 1993

Wie später bekannt wurde, bestand die Beute aus 1500 Mark und einer Polaroid-Kamera. Am 6. Oktober konnte die Zeitung die von deren Kollegen aus Kroatien an die Kripo Traunstein übermittelten Geständnisse der zwischenzeitlich verhafteten Mörder berichten. Die beiden Täter, Nenad M., zum Tatzeitpunkt 16 und Drazen E., damals 18, waren Ende August jenes Jahres aus einem kroatischen Erziehungsheim ausgerissen. Sie hielten sich zunächst mit Wohnungseinbrüchen über Wasser. Dabei erbeuteten sie auch die Mordwaffe, eine „FM-Pistole“ vom Kaliber neun Millimeter. Über Slowenien seien sie schließlich ins Berchtesgadener Land gekommen, die Hochstaufen-Hütte hätten sie vollkommen zufällig ausgewählt.

Dreimal kehrten sie dort insgesamt ein, am Tatabend blieben sie bis 20 Uhr, um sicherzugehen, dass kein Gast sie mehr stören würde. „Plötzlich richtete der 16-Jährige die Pistole auf die Hüttenwirtin. Als sie entsetzt aufschrie, schoss er sofort. Als der Wirt zur Hilfe kommen wollte, feuerte er auch auf ihn mehrere Schüsse ab.“ Sie setzten sich nach der Tat zunächst nach Salzburg ab, dort ging es in eine Spielhalle und dann in die Disco. Über Graz ging es via Slowenien schließlich zurück nach Kroatien. Nach einem erneuten Einbruch wurden sie dann beim Versuch erwischt, eine gestohlene Videokamera zu verkaufen.

Lange Haftstrafen für Doppelmörder - Belohnung für Zeugen

In Zagreb mussten sie sich dann schließlich auch vor Gericht verantworten, wie das OVB am 2. April 1994 berichtet. „Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie [...] das Paar aus Habgier umgebracht haben. Der 19-Jährige muss für 14 Jahre, sein mit heute 17 Jahren noch minderjähriger Komplize für acht Jahre hinter Gitter.“ Die Angeklagten hätten vor Gericht geschwiegen. „Sie sollen ihre Strafen [...] in einem Jugendgefängnis absitzen.“

Alle Blicke ins Zeitungsarchiv auf der Themenseite:

Alle bisher erschienen Artikel aus der jeden Samstag um 15 Uhr erscheinenden Reihe „Aus dem OVB-Zeitungsarchiv“ findet Ihr ab sofort auf dieser Themenseite. Aber auch diverse zusätzliche Artikel über spektakuläre Kriminalfälle, bekannte Persönlichkeiten der jüngeren Zeitgeschichte sowie andere bedeutende Ereignisse, nacherzählt an Hand von alten Zeitungsartikeln.

Eine gute Botschaft gab es in diesem Fall letztlich immerhin noch zu vermelden: „Die von der bayerischen Polizei ausgesetzte Belohnung von 10.000 Mark wird auf neun Zeugen aus Österreich und Bayern aufgeteilt, die entscheidende Hinweise zur Ergreifung der Doppelmörder [...] gegeben haben“, erfahren wir aus einem Bericht bereits vom 28. Dezember 1993. Die Zeugen seien außerdem belobigt worden. „Der Löwenanteil der Belohnung geht an österreichische Staatsbürger, zum Beispiel Salzburger Geschäftsleute, bei denen sich die Täter nach dem Verbrechen mit Lebensmitteln und Kleidung eindeckten. Unter den Zeugen sind aber auch Kinder aus Piding, die Beobachtungen über den zeitweisen Aufenthalt der beiden Verbrecher lieferten.“

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