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„Perfekter Sturm“ für den Dollar
Schicksals-Währung Petrodollar: Trumps Iran-Krieg könnte die USA für immer ruinieren
Das Petrodollar-System sichert seit 1974 Amerikas ökonomische Vormachtstellung. Doch der Iran-Krieg erschüttert seine Fundamente – und China steht bereit.
Seit mehr als einem halben Jahrhundert ruht Amerikas wirtschaftliche Dominanz auf einem Fundament, das die wenigsten Menschen kennen: dem Petrodollar. Öl wird weltweit in US-Dollar gehandelt, die Überschüsse fließen zurück in amerikanische Staatsanleihen. Dieses System machte die USA zur unverzichtbaren Finanzmacht des Planeten. Doch Trumps Krieg gegen den Iran rüttelt an den Grundfesten dieser Ordnung – und könnte eine Kettenreaktion auslösen, an deren Ende der Dollar seine Sonderstellung verliert.
Die Geschichte beginnt am 6. Oktober 1973. Tausende israelische Soldaten mussten an Jom Kippur, einem der heiligsten jüdischen Feiertage, ihre Gebete unterbrechen – Ägypten und Syrien griffen an. Der Krieg dauerte nur drei Wochen, doch seine wirtschaftlichen Folgen waren gewaltig: Die OPEC verhängte ein Ölembargo gegen den Westen. Die Preise explodierten, an Tankstellen bildeten sich Schlangen.
Washington reagierte. 1974 schlossen die USA und Saudi-Arabien einen historischen Pakt: Riad verpflichtete sich, sämtliches Öl ausschließlich in Dollar zu verkaufen und die Überschüsse in US-Staatsanleihen zu investieren. Im Gegenzug garantierten die Vereinigten Staaten die militärische Sicherheit des Königreichs. Die übrigen Golfmonarchien – Kuwait, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate – folgten dem Beispiel. Der Petrodollar war geboren.
Warum der Petrodollar so mächtig ist
„Die Welt spart in Dollar, weil sie in Dollar bezahlt“, fasst die Deutsche Bank das Prinzip zusammen. Weil Öl ein zentraler Rohstoff für die globale Produktion ist – von Petrochemie über Düngemittel bis hin zu Helium, das für die Chipfertigung unverzichtbar ist – haben Lieferketten weltweit einen natürlichen Anreiz, ihre Geschäfte in Dollar abzuwickeln. Staaten, die Öl importieren wollen, müssen Dollar erwerben. Das stärkt die amerikanische Währung und senkt die Finanzierungskosten der US-Regierung.
Dieses System funktionierte, solange die USA ihren Teil der Abmachung einhalten konnten: militärische Sicherheit für die Golfstaaten. Als Saddam Hussein 1990 in Kuwait einmarschierte und Saudi-Arabien bedrohte, stellte Washington eine massive internationale Koalition zusammen, besiegte den Irak und drückte die Ölpreise. Der Petrodollar-Deal bewährte sich.
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier beoachten einige Männer ein Feuer, das nach einem Angriff aus dem Iran in Dubai ausgebrochen ist.
Doch der Iran-Krieg stellt diese Sicherheitsgarantie grundlegend infrage. Die Golfstaaten wurden vor den Angriffen vom 28. Februar nicht einmal informiert, obwohl sowohl deren eigene Geheimdienste als auch US-Nachrichtendienste die iranischen Vergeltungsschläge vorhergesagt hatten. Nun stehen die Golfökonomien an der Frontlinie eines Krieges, den sie nicht begonnen haben.
Die Zahlen sind verheerend: Goldman Sachs schätzt, dass Kuwait und Katar bei einer Fortdauer des Krieges bis April Einbrüche des Bruttoinlandsprodukts von 14 Prozent erleiden könnten. Saudi-Arabien und den VAE drohen Rückgänge von fünf beziehungsweise drei Prozent. Und das sind nur die bezifferbaren Schäden – der langfristige Imageverlust der Region, vom ultramodernen Wüstenwunder zum gefährlichen geopolitischen Brennpunkt, ist darin noch nicht eingerechnet.
Die Straße von Hormus: Chinas Einfallstor
Die Straße von Hormus, durch die 25 Prozent des weltweiten Öls und 20 Prozent des Flüssiggases transportiert werden, ist zum Druckmittel geworden. Irans Außenminister Abbas Araghchi formulierte es unmissverständlich: „Die Straße von Hormus ist offen. Sie ist nur für jene geschlossen, die uns angreifen, und deren Verbündete.“
Teheran arbeitet bereits an einem Gesetz, das dauerhafte Durchfahrtsgebühren für die Meerenge einführen soll. Berichten zufolge zahlen manche Schiffe diese Gebühren bereits in chinesischen Yuan. China kauft iranisches Rohöl und bezahlt in seiner eigenen Währung. Die Deutsche Bank warnt: „Berichte, wonach die Durchfahrt durch die Straße von Hormus im Austausch gegen Ölzahlungen in Yuan gewährt werden könnte, sollten genau verfolgt werden. Der Konflikt könnte als Schlüsselkatalysator für die Erosion der Petrodollar-Dominanz in Erinnerung bleiben – und als Beginn des Petroyuan.“
Das System war schon vor dem Krieg angeschlagen
Die Risse im Petrodollar-Gebäude zeichneten sich bereits vor dem Iran-Krieg ab. Vier Entwicklungen hatten das Fundament bereits geschwächt:
Die USA sind längst nicht mehr der größte Abnehmer von Öl aus dem Nahen Osten. Saudi-Arabien verkauft inzwischen viermal so viel Öl an China wie an die Vereinigten Staaten. 85 Prozent des nahöstlichen Rohöls gehen nach Asien.
Saudi-Arabien hat im Rahmen seiner „Vision 2030“ begonnen, die eigene Rüstungsproduktion zu stärken, mit dem Ziel, 50 Prozent der Militärausgaben im Inland zu tätigen – eine schleichende Abkehr von der Abhängigkeit amerikanischer Waffenlieferungen.
Riad ist dem Projekt mBridge beigetreten, einer von China geführten Initiative für digitale Zentralbankwährungen, die ohne das dollarbasierte SWIFT-System auskommt. Die Infrastruktur für Transaktionen außerhalb des Dollars existiert also bereits.
Sanktioniertes Öl aus Russland und dem Iran wird schon seit Jahren in Rubel, Yuan und Rupien gehandelt – am Dollar vorbei.
Trumps Zollpolitik als Brandbeschleuniger
Ausgerechnet Donald Trump, der den Dollar als Machtinstrument verteidigen will, könnte dessen Niedergang nun beschleunigen. Seine aggressive Zollpolitik zielt darauf ab, das Handelsdefizit der USA zu reduzieren – doch wenn Amerika weniger aus dem Ausland kauft, sinkt auch die Bedeutung des Dollars im Welthandel. Hinzu kommen Trumps Drohungen und Beleidigungen gegenüber traditionellen Verbündeten, die in den Hauptstädten der EU, in Kanada, Japan und Südkorea die Bereitschaft wachsen lassen, nach Alternativen zum Dollar zu suchen.
Der US-Dollar macht dennoch nach wie vor 56 Prozent der weltweiten Devisenreserven und 89 Prozent aller Devisenmarkt-Transaktionen aus. Die Entdollarisierung hat also noch einen weiten Weg vor sich, bevor die US-Währung in einer bedeutsamen Weise verdrängt wird.
Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg
Doch die Deutsche Bank warnt vor dem, was sie den „perfekten Sturm für den Petrodollar“ nennt: Die MENA-Region („Middle East and North Africa“, Nahost und Nordafrika) verfügt über rund zwei Billionen Dollar an US-Zentralbankreserven und etwa 6 Billionen Dollar in Staatsfonds. Werden diese Ersparnisse für den Wiederaufbau der eigenen Wirtschaft abgezogen, sinkt die Hürde für einen Währungswechsel drastisch.
Am Ende könnte der Iran-Krieg als der Moment in die Geschichte eingehen, in dem Amerikas „exorbitantes Privileg“ – die Fähigkeit, sich günstiger zu verschulden als jedes andere Land der Welt – seinen ersten unheilbaren Riss bekam. (Quellen: Deutsche Bank Research Institute, Fortune, Geopolitical Monitor) (cel)