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Private Altersvorsorge

Reformbedarf bei der Riester-Rente: Warum sie für viele nicht rentabel ist

Die Riester-Rente erfüllt trotz staatlicher Zuschüsse selten die Renditeerwartungen. Nur in Ausnahmefällen rentieren sich die Verträge. Eine komplette Reform ist überfällig.

Berlin – Die Riester-Rente wurde 2002 als private Altersvorsorge eingeführt, um die Lücke zwischen der gesetzlichen Rente und dem tatsächlichen Bedarf zu schließen. Ein zusätzlicher staatlicher Zuschuss soll die private Vorsorge attraktiver machen. Doch Kritiker bezweifeln, dass sich die Riester-Rente in den meisten Fällen lohnt. Oft werden die staatlichen Zuschüsse durch hohe Kosten und Steuern komplett aufgezehrt – so ist die Riester-Rente unrentabel. Eine Reform ist daher dringend notwendig. Doch schafft die neue schwarz-rote Regierung den Absprung?

So funktioniert die Riester-Rente und darum herrscht Kritik

Die Riester-Rente funktioniert wie folgt: Monatlich wird ein bestimmter Betrag eingezahlt. Liegt dieser bei mindestens vier Prozent des Bruttoeinkommens des Vorjahres (abzüglich der Zulagen), gewährt der Staat eine Grundzulage von 175 Euro pro Person. Zusätzlich gibt es Kinderzulagen – 185 Euro für vor 2008 geborene Kinder und 300 Euro für ab 2008 geborene. Das angesparte Kapital ist in der Regel bis zum Rentenbeginn gebunden. Im Gegenzug wird eine lebenslange Rentenzahlung garantiert. Außerdem gilt eine Beitragsgarantie: Die eingezahlten Beiträge plus Zulagen müssen dem Sparer mindestens wieder zur Verfügung stehen. Im Todesfall kann das Guthaben im Rahmen einer Hinterbliebenenversorgung übertragen oder unter bestimmten Bedingungen vererbt werden.

Oft erhalten Sparer aus der Riester-Rente nur wenig mehr zurück, als sie ursprünglich eingezahlt haben. (Symbolbild)

Gerade diese Struktur der Riester-Rente steht seit Jahren in der Kritik. „Riester-Verträge sind mittlerweile ein Schwerpunkt unserer Beratung, da Sparerinnen und Sparer Unterstützung bei ihrer Entscheidung benötigen. Sie sehen in den Standmitteilungen (Verträgen) die hohen Kosten, die die Förderung auffrisst, und die geringen Erträge“, erklärt Niels Nauhauser, Abteilungsleiter für Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg auf Anfrage. „Die Riester-Rente war von Anfang an ein Subventionsprogramm für die Finanzlobby.“

Laut der Website der Verbraucherzentrale lohnt sich die Riester-Rente für viele nur, wenn die versicherte Person ein besonders hohes Alter erreicht – etwa 95 Jahre oder mehr. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt laut Statistischem Bundesamt bei etwa 78 Jahren für Männer und 83 Jahren für Frauen – also deutlich darunter. Zudem fällt die Rendite vieler Riester-Verträge wegen hoher Kosten und der Beitragsgarantie vergleichsweise gering aus. Nauhauser betont außerdem, dass bei einer Kündigung die Förderung zurückgezahlt werden muss, was zu hohen Kosten führen kann.

Steuervorteile der Riester-Rente nur auf den ersten Blick

Für die Riester-Rente fallen steuerliche Vorteile an: Beiträge bis zu 2.100 Euro pro Jahr können in der Steuererklärung als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Doch von diesen Vorteilen sollte man sich nicht täuschen lassen. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass die „Förderung in erster Linie aus Steuervorteilen während der Ansparphase besteht.“ Denn: Wer in der Ansparphase von staatlicher Förderung profitiert, muss die spätere Riester-Rente in voller Höhe mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern. Das bedeutet, die Steuerlast wird lediglich ins Rentenalter verschoben.

Zwar ist der Steuersatz im Ruhestand oft niedriger als im Erwerbsleben, doch die Riester-Rente erhöht das zu versteuernde Einkommen in der Rente – und kann dadurch den Steuersatz wieder ansteigen lassen. Gerade für Gutverdienende kann das zu einer hohen Steuerbelastung führen. Bei einem zu versteuernden Einkommen von rund 35.000 Euro fällt bereits ein Steuersatz von etwa 30 Prozent an. In bestimmten Fällen kann laut Verbraucherzentrale die Steuerlast auf die Riester-Rente sogar über 40 Prozent betragen.

Dringende Reform der Riester-Rente notwendig

„Die Riester-Rente muss dringend reformiert werden, darüber sind wir uns seit Jahren einig. Leider hat die Politik diese Aufgabe lange vor sich hergeschoben“, kommentiert der Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge, Klaus Morgenstern, auf Anfrage. Die Ampelregierung hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der jedoch nicht umgesetzt wurde, und an den soll nun die neue schwarz-rote Regierung anknüpfen, sagt er. Vor allem die Idee eines Altersvorsorgedepots soll laut dem Sprecher umgesetzt werden. Damit wollte die Ampelkoalition es Privatanlegern ermöglichen, in Aktien, Fonds und ETFs für den Ruhestand zu investieren – bei einem Zuschuss von 20 Cent vom Bund pro investiertem Euro. Maximal sollte die Förderung sich auf 600 Euro im Jahr belaufen.

Morgenstern spricht auch von einer nötigen Reform der Bruttobeitragsgarantie, also der Garantie, die sicherstellt, dass das gesamte eingezahlte Einkommen auch wieder zurückgezahlt wird. Neben dieser Garantie empfiehlt Morgenstern eine weitere Option, die es möglich macht, diese zu verringern oder ganz darauf zu verzichten. Das würde dann auch Einfluss auf die Rendite haben und diese erhöhen. „Jede Garantie, ganz gleich wie groß sie ist, führt zu einem Renditeverzicht“, erklärt Morgenstern. Der Sparer muss darüber informiert werden, wie die Kosten damit stehen.

Die neue Koalition unter CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz will die bisherige Form der Riester-Rente abschaffen. In ihrem Koalitionsvertrag schreiben sie, dass die Riester-Rente „in ein neues Vorsorgeprodukt überführt, von bürokratischen Hemmnissen befreit und mit dem Verzicht auf zwingende Garantien sowie der Reduzierung der Verwaltungs-, Produkt- und Abschlusskosten reformiert“ werden soll. Die Förderung soll einfacher werden und vor allem Haushalten mit kleinem und mittlerem Einkommen helfen.

In diesem Fall kann sich eine Riester-Rente lohnen

Trotz einiger Kritik kann sich die Riester-Rente in manchen Fällen durchaus lohnen. Besonders bei Kindern, die nach 2008 geboren sind, fällt der Zuschuss mit 300 Euro pro Kind recht hoch aus. Beträgt die Vertragslaufzeit nur noch 15 Jahre, kann das bei zwei Kindern die Rendite um bis zu 12,6 Prozentpunkte erhöhen, so die Berechnung der Verbraucherzentrale.

Vorsicht ist jedoch bei den Vertragsbedingungen und Kosten geboten. Gerade wenn der Vertrag über einen Finanzberater abgeschlossen wird, sollte darauf geachtet werden, dass viele Berater eine Provision erhalten und diese häufig maximieren wollen. Die Verbraucherzentrale berichtet von Kunden, denen mehrfacher Wechsel des Riester-Vertrags angeboten wurde, um weitere Provisionen zu generieren. Schlechte Verträge führen jedoch leicht dazu, dass Kosten und geringe Erträge die staatliche Förderung wieder zunichtemachen.

Eine Faustregel lautet: Je höher die Förderung und je kürzer die Laufzeit der Riester-Rente, desto eher lohnt sich ein Vertrag. Nauhauser rät daher besonders jungen Menschen von der Riester-Rente ab. „Mit einem kostengünstigen ETF-Sparplan auf einen Weltaktienindex sind deutlich höhere Renditen möglich“, so der Abteilungsleiter.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Ok Shu

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