Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Schnelle Arbeitsaufnahme

Neue, harte Bürgergeld-Taktik: Studie deckt Merz-Fehler auf – und was es braucht

Arbeitslose sollen in der neuen Grundsicherung schnell in Arbeit kommen, doch die ist meist prekär – und endet wieder in Arbeitslosigkeit. Was brauchen Bürgergeld-Beziehende?

Nürnberg – Mit der neuen Regierung aus Union und SPD fällt auch eine Reform des Bürgergelds zusammen. In der neuen Grundsicherung soll das Prinzip des Förderns und Forderns wieder gestärkt werden, erklären die Beteiligten. Besonders die CDU hatte im Wahlkampf Druck gemacht, mehr Härte gegenüber denjenigen zu zeigen, die angeblich nicht arbeiten wollen. Die Erwerbslosen sollen durch Sanktionen zum Arbeiten bewegt werden.

Konkret sieht der Koalitionsvertrag bei der neuen Grundsicherung die Option des vollständigen Leistungsentzugs vor, wenn Arbeitsuchende mehrfach Stellenangebote ablehnen. Gleichzeitig kehrt der Vermittlungsvorrang zurück. Betroffene sollen damit schneller in Jobs kommen, auch wenn Qualifizierungen erfolgversprechender bei einer langfristigeren Arbeitsaufnahme sind.

Bürgergeld-Reform zur neuen Grundsicherung wegen Fokus auf Sanktionen in der Kritik

Wegen der verfassungsrechtlich fragwürdigen Bürgergeld-Streichungen und der Orientierung auf die schnellen Arbeitsaufnahmen steht die Reform in der Kritik. „Schnelle Vermittlung in irgendeine Arbeit und mehr Druck durch verschärfte Sanktionen helfen nicht, um Arbeitslose nachhaltig in Gute Arbeit zu vermitteln“, hatte Anja Piel, Teil des Vorstands des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) IPPEN.MEDIA gesagt. „Häufig werden die Jobs nur kurzzeitig verrichtet“, sagte Helena Steinhaus von Sanktionsfrei. „Häufig werden sie sehr schlecht bezahlt, und dadurch bleiben die Menschen trotz Arbeit arm.“

„Der DGB fordert, dass auch künftig das Nachholen von Berufsabschlüssen an erster Stelle steht“, sagte Piel weiter. Und auch die neue Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) nennt eine „bessere Vermittlung in Arbeit“ als ihre Priorität. Konkret wollen Union und SPD den Jobcentern „ausreichend Mittel“ für die Eingliederung geben und Vermittlungshemmnisse über Qualifizierung, Gesundheitsförderung und Reha-Maßnahmen abbauen.

IAB-Studie: Viele ehemalige Arbeitslose landen nach Vermittlung in prekären Verhältnissen

Mitten in die Debatte fällt eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. Die Fachleute haben über jeweils vier Jahre die Erwerbsverläufe von Personen analysiert, die zwischen 2012 und 2015 arbeitslos geworden sind. Damit fällt die Analyse in die Zeit von Hartz IV – und lediglich knapp die Hälfte der untersuchten Fälle waren in der Grundsicherung.

Insgesamt stellen die Arbeitsmarkt-Forschenden fest, dass 80 Prozent zumindest vorübergehend gearbeitet haben, es jedoch viele Wechsel gebe. Mehr als die Hälfte werde zudem erneut arbeitslos. Die wenigsten – lediglich elf Prozent – können nach der Arbeitslosigkeit über den Untersuchungszeitraum hinweg eine unbefristete Vollzeitbeschäftigung vorweisen. Bei fast zwei Drittel ist die Laufbahn von prekären Beschäftigungen wie geringfügigen Beschäftigungen (Mini- und Midijobs), Teilzeit, Zeitarbeit und befristeten Anstellungen geprägt.

Nur wenige Grundsicherung-Beziehende schaffen Sprung in eine stabile Vollzeitbeschäftigung

Nach den vier Jahren ging nur ein Fünftel einer regulären Vollzeitbeschäftigung nach. Nur fünf und 16 Prozent der zwischenzeitlich prekär Beschäftigten erreichte diesen Status, je nachdem, welcher Form der atypischen Beschäftigung, also etwa eine befristete Stelle oder einen Minijob, die Betroffenen innehatten.

Wer es aus der Arbeitslosigkeit schafft, egal ob aus dem Arbeitslosengeld oder der Grundsicherung, landet zuerst in atypischen, also prekären Beschäftigungsverhältnissen. (Symbolfoto)

„Besonders Arbeitslose in der Grundsicherung schaffen den Übergang in eine stabile Vollzeitbeschäftigung nicht“, erklärt das IAB. Bei einem Fünftel ist die Laufbahn von wiederkehrender Arbeitslosigkeit gezeichnet. 8,2 Prozent gehen überwiegend Mini- und Midijobs nach. Damit bleiben die Betroffenen häufig abhängig von Sozialleistungen – teils auch der Grundsicherung. Nur 2,5 Prozent schaffen den Ausstieg in eine reguläre Vollzeitbeschäftigung.

Aus dem Bürgergeld in Vollzeitjobs – prekäre Beschäftigung nur mit begrenztem Brückeneffekt

Das Potenzial für „Brückeneffekte von atypischer Beschäftigung in reguläre Vollzeitbeschäftigung“ scheine „eher begrenzt“ zu sein, folgern die Forschenden. Sie verweisen zwar darauf, dass sie die Entwicklung lediglich beschreiben und keine Erklärungen liefern. Mit Blick auf die häufige erneute Arbeitslosigkeit sollte „arbeitsmarktpolitisch nicht nur kurzfristig die Aufnahme einer Beschäftigung, sondern auch die Beschäftigungsstabilität gefördert werden“, folgern die IAB-Fachleute.

Die besten Arbeitgeber in Deutschland: Zu diesen Unternehmen wollen Fachkräfte 2025 gehen

Siemens AG - Hauptversammlung
Siemens hat es an die Spitze geschafft: In Deutschland würden viele Ingenieure am liebsten zu diesem Arbeitgeber gehen. Dort erhoffen sie sich neben guter Bezahlung und flexiblen Arbeitszeiten eine Firma, die für Innovation steht.  © Sven Hoppe/dpa
Die Vorstände des Technologie-Konzerns Bosch Christian Fischer (l-r), Markus Forschner, Stefan Grosch, Stefan Hartung (Vorsitzender), Tanja Rückert, Markus Heyn und Frank Meyer stehen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns an einem Bosch Logo.
Bosch ist auf Platz 2 der führenden Arbeitgeber für junge Fachkräfte im Ingenieurswesen in Deutschland. Damit ist erstmals kein Automobilunternehmen ganz oben mit dabei - dafür aber ihre Zulieferer.  © Bernd Weißbrod/dpa
Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Im Ranking der Beratungsfirma Universum hat es Porsche auf den dritten Platz geschafft. Beim letzten Ranking stand der Autokonzern noch an der Spitze, büßt bei Ingenieuren also zwei Plätze ein.  © Porsche AG
BMW-Stammwerk in München
Auch die BMW Group gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der deutschen Ingenieure. Wie viele Autokonzerne kämpft auch BMW mit harten Zeiten - doch beim Thema E-Mobilität hat dieses Unternehmen die Nase vorn.  © Sven Hoppe/dpa
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, l-r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, stehen während der Eröffnungsfeier des Mercedes-Benz-Campus ´zusammen
Bei Mercedes-Benz erhoffen sich Ingenieure ebenfalls eine gute Zukunft mit guter Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen. Noch dazu scheint das Unternehmen sich als besonders innovativ herausstellen zu können.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Airbus von Qatar Airways landet auf dem Hamburger Flughafen
Einen Platz nach oben gerutscht ist im Universum-Ranking für Ingenieure auch Airbus. Der Flugzeughersteller konnte sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Konkurrenten Boeing positiv positionieren - letzterer ist geplagt von Skandalen und Negativschlagzeilen.  © Georg Wendt/dpa
Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023.
Auch Audi bleibt bei Ingenieuren als Arbeitgeber beliebt - muss aber zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbüßen. Die Ingolstädter leiden ebenfalls unter der Autokrise - gerade wird über die Schließung eines Werks in Brüssel intensiv diskutiert.  © Sven Hoppe/dpa
Google eröffnet Cloud-Rechenzentrum in Hanau
Google ist für Ingenieure ein beliebter Arbeitgeber in Deutschland, der Tech-Riese steigt sogar auf im Ranking. Bei der letzten Untersuchung konnte Google nur den 10. Platz für Ingenieure belegen. Dafür ist der Gigant aus den USA im Fachkräfte-Ranking bei der IT an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber.  © Arne Dedert/dpa
Deutsche Bahn fährt in Dresden
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bahn gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern für Ingenieure in Deutschland. Trotz seines schlechten Rufs als Verkehrsmittel scheint die Firma insbesondere Fachkräfte gut zu erreichen. Bei den Lokführern und Kontrolleuren hingegen hörte man zuletzt eigentlich nur Frust.  © Robert Michael/dpa
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Rheinmetall Landsysteme GmbH, spricht bei der Übergabe vom Radpanzer für die Bundeswehr vom Typ Boxer als Schwerer Waffenträger Infanterie. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit der Lieferung der 123 Boxer-Fahrzeuge beauftragt worden.
Auf Platz 10 hat es zum ersten Mal ein Rüstungsunternehmen geschafft: Rheinmetall steigt im Ranking der Ingenieure um drei Plätze auf. Damit profitiert das Unternehmen von einer neuen Stellung und Wahrnehmung im Land.  © Philipp Schulze/dpa

„Vor allem Personen mit geringer oder mehr oder weniger veralteter Berufserfahrung, mit niedrigem Bildungsstand oder höherem Alter benötigen tendenziell Unterstützung bei der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, zum Beispiel durch Qualifizierung“, heißt es in einer Mitteilung. Für diese Menschen könnte eine atypische Beschäftigung hilfreich sein, um Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden.

IAB-Studie kann Hinweis auf Vermittlung von Bürgergeld-Beziehenden liefern

Der Wechsel in eine bessere und stabilere Beschäftigung sei jedoch „kein Selbstläufer“, schreiben die Fachleute weiter. „Die Arbeitsverwaltung sollte die Betroffenen daher bereits während der atypischen Beschäftigung bei der Suche nach anderen Jobs oder bei entsprechenden Qualifizierungsmaßnahmen unterstützen.“

Übersetzt in die aktuelle Debatte um die schnelle Arbeitsaufnahme von Bürgergeld-Beziehenden bedeutet das: Das Risiko bleibt, dass viele erfolgreich Vermittelte immer wieder in die Arbeitslosigkeit und damit die Grundsicherung rutschen. Eine nachhaltige, also langfristige und existenzsichernde Beschäftigung erfordert damit eine länger andauernde Unterstützung als nur die Vermittlung aus der Grundsicherung in den ersten Job.

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/Sven Hoppe/dpa

Kommentare