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Grundsicherung „weiterentwickeln“

CDU setzt auf Bürgergeld-„Aus“ – Ministerin verfolgt andere Agenda

Die CDU strebt an, das Bürgergeld zu „abschaffen“ und zeigt sich unnachgiebig. Allerdings hat die zuständige SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas andere Prioritäten.

Berlin – Friedrich Merz war noch nicht als Bundeskanzler gewählt, da hatte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann vergangene Woche noch einmal bei der Reform der Grundsicherung Druck gemacht. „Der Koalitionsvertrag ist glasklar: Wir werden das bisherige Bürgergeldsystem abschaffen und stattdessen eine neue Grundsicherung einführen“, hatte er der Bild gesagt. „So haben wir es vereinbart und so wird es auch kommen.“

CDU will Bürgergeld „abschaffen“: Die Umsetzung liegt bei SPD-Ministerin Bärbel Bas

Schon im Wahlkampf hatte die Union auf die – wie sie es ausdrückt – „Abschaffung des Bürgergelds“ gedrängt – und steht nun durch die Wahl von Merz zum Kanzler und der Vereidigung der Minister vor dem Ziel. Wirklich abgeschafft wird das Bürgergeld nicht, der Koalitionsvertrag sieht einige Verschärfungen vor. Stattdessen ist es eine Reform des zweiten Sozialgesetzbuchs, das schon seit der Hartz-Reform die „Grundsicherung für Arbeitsuchende“ regelt. Darin soll die rechtlich heikle Möglichkeit der vollständigen Leistungsstreichung für Empfänger zurückkommen, zudem müssen Arbeitslose schneller Stellen annehmen.

Bärbel Bas will das Bürgergeld nicht „abschaffen“, wie es die CDU ausdrückt, sondern „weiterentwickeln“. Sie betont nicht Sanktionen als Priorität, sondern die „Vermittlung in Arbeit“.

Doch nicht Linnemann, der zwischenzeitlich für das Amt gehandelt wurde, soll die Reform der Grundsicherung vorantreiben. Stattdessen bleibt das zuständige Bundesministerium für Arbeit und Soziales in SPD-Hand. Bärbel Bas kommt nun die Aufgabe zu, die Reform des Bürgergelds respektive der Grundsicherung anzugehen. Die galt jedoch als Parteilinke – und hatte Hartz IV früher kritisiert.

Bärbel Bas will Bürgergeld „weiterentwickeln“ – und nennt andere Priorität als CDU-Wunsch

Bas selbst greift auch nicht auf die CDU-Deutung von der „Abschaffung“ des Bürgergelds zurück. „Ich würde sagen: weiterentwickeln“, sagte die neue Arbeitsministerin in der ARD-Sendung Maischberger. Eine weitere Aussage lässt mit Blick auf die von der Union angestrebte Härte aufhorchen. Von der Bild-Zeitung gefragt, was sie „als erstes anpacken“ wolle, erklärte Bas: „Ich werde den Arbeitsmarkt stärken, für gute Löhne und Tarifbindung sorgen, die Rente sichern und die Vermittlung in Arbeit verbessern.“

Diese Aussage ist sehr vage, Bas nennt keine konkreten Pläne als Priorität. Die neue Grundsicherung bleibt unerwähnt. Stattdessen will Bas die „Vermittlung in Arbeit verbessern“. Statt der Härte klingt das stärker nach den Zielen der Bürgergeld-Reform, deren Fokus die Vermittlung in Arbeit war – vor allem durch Qualifizierung. Die neue Ministerin setzt hier also einen anderen Schwerpunkt als etwa Carsten Linnemann.

Reform der neuen Grundsicherung soll auch Vermittlung in Arbeit stärken

Das ist durchaus auch vom Koalitionsvertrag gedeckt, der dabei vor allem die CDU-Handschrift trägt. „Wir stärken die Vermittlung in Arbeit“, heißt es darin. So sieht das Papier „ausreichend Mittel“ für die Jobcenter zur Eingliederung vor. Zwar gibt es, wie beschrieben, mehr Druck auf Arbeitslose, die „schnellstmöglich in Arbeit“ vermittelt werden sollen. Doch wer wegen Vermittlungshemmnissen keine Chance hat, soll über Qualifizierung unterstützt werden. Zudem soll es eine bessere Gesundheitsförderung und Reha-Maßnahmen geben.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Fachleute geben Bas dabei Recht. Sie betonen immer wieder die Bedeutung von Qualifizierung und Weiterbildung. Bei der Bürgergeld-Reform sollte die Politik „nicht immer gleich auf Totalsanktionen schielen“, hatte etwa Arbeitsmarktforscher Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erklärt. „Jemanden nur unter Zwang in Richtung Bewerbungsverfahren zu bringen, ist in aller Regel überhaupt nicht von Erfolg gekrönt“, sagte Jobcenter-Chefin Dagmar Brendel mit Blick auf die Sanktionen.

Trotz Bekenntnis zur „Vermittlung in Arbeit“ will Bas „die bekämpfen, die Sozialleistungen ausnutzen“

Ob sich Bärbel Bas bei ihrer Bürgergeld-Politik so stark von den CDU-Wünschen abkehrt, ist trotzdem zweifelhaft. Bas ist sich der Einigung der Parteien durchaus bewusst. „Im Koalitionsvertrag gibt es zahlreiche wichtige Aufgaben für mein Haus“, sagte sie auch in der Antwort auf die Bild-Anfrage. Bei Sandra Maischberger sagte Bas, ihre Aufgabe sei es, Menschen in Arbeit zu bringen und „die bekämpfen, die Sozialleistungen ausnutzen“. Insofern dürfte sie dem Kurs in Richtung härteren Sanktionen durchaus treu bleiben. Den hatte immerhin auch die SPD begonnen, in dem sie die Option eingeführt hat, den Regelsatz für zwei Monate zu streichen.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/Hauke-Christian Dittrich/dpa

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