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Plan von Warken

Krankenkassen-Revolution: Pläne für völlig neues Tarif-Modell sickern durch

Krankenkassen verbuchen Milliarden-Defizite: Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) strebt wohl eine Neuordnung des Systems an – das steckt dahinter.

Berlin – 2026 droht dem deutschen Gesundheitssystem der nächste Kostenschock: Dann soll das Defizit der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) auf rund vier Milliarden Euro anwachsen. Genau das wollen Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) und ihr Parlamentarischer Staatssekretär Tino Sorge (CDU) verhindern – mit einem Konzept, das die Gesundheitsversorgung grundlegend verändern könnte.

Krankenkassenbeiträge auf Rekordhoch – Gesundheitsministerin Warken will mit Basismodell gegensteuern

Warken schlägt ein Basismodell vor, das die Grundversorgung abdecken würde – Zusatzleistungen müssten sich die Versicherten gegen Aufpreis hinzubuchen. „Kassen könnten ihren Versicherten viele passgenaue Tarife anbieten. Sprich: Kassen bieten viel günstigere Tarife an – die eine gute Grundversorgung beinhalten – und darüber hinaus weitere Pakete, die man individuell dazubucht“, bestätigt Sorge gegenüber der Bild die Pläne. Die Basistarife sollen dabei unter dem heutigen Beitragssatz von durchschnittlich 17,7 Prozent liegen – und eine künftige Erhöhung der Beiträge wäre damit wohl auch vom Tisch.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die Gesetzlichen Krankenkassen revolutionieren.

Wie die Zusatzleistungen konkret aussehen könnten, ist noch offen. Sorge verwies einzig auf das Beispiel einer neuen Brille, deren Anschaffung künftig über ein Zusatzpaket abgesichert werden könnte. Von schnelleren Terminen oder Zahnzusatzleistungen war hingegen keine Rede. Dafür soll aber das Primärarztmodell wieder eine stärkere Gewichtung bekommen. Versicherte, die sich verpflichten, bei gesundheitlichen Beschwerden zuerst den Hausarzt aufzusuchen, sollen finanziell profitieren. So will Sorge unnötige Facharztbesuche vermeiden und Behandlungen besser steuern. In den Niederlanden und skandinavischen Ländern ist dieses Modell üblich.

Vergangene Jahre als Warnsignal – Zusatzbeiträge und Milliardenloch verschärfen den Reformdruck

Warkens Vorschlag wäre ein Novum im deutschen Gesundheitssystem: Erstmals würde innerhalb der GKV eine echte Tarifierung eingeführt – bislang funktioniert sie als Solidargemeinschaft mit weitgehend einheitlichem Leistungskatalog. Zwar gibt es heute bereits private Zusatzversicherungen – etwa für besseren Zahnersatz oder eine Chefarztbehandlung im Krankenhaus. Doch diese Leistungen laufen bislang außerhalb des GKV-Systems und werden über private Zusatzpolicen im Rahmen der PKV abgedeckt. Warkens Vorschlag würde solche Wahlleistungen erstmals direkt in die gesetzliche Krankenversicherung integrieren.

Die Gesundheitsministerin sieht akuten Handlungsbedarf. Neben der demografischen Entwicklung haben auch Corona-Altlasten und die Inflation die Kosten im deutschen Gesundheitssystem explodieren lassen. Schon 2025 mussten die Krankenkassen ihre Zusatzbeiträge spürbar anheben: Im Schnitt liegen sie inzwischen bei 2,5 bis 2,9 Prozent – das ergibt zusammen mit dem allgemeinen Satz von 14,6 Prozent den Rekordwert von rund 17,5 Prozent.

Beiträge-Anstieg lag im Jahr 2025 durchschnittlich zwischen vier und sechzehn Euro

Im Jahr 2025 zahlen Beschäftigte in der gesetzlichen Krankenversicherung durchschnittlich einen Gesamtbeitragssatz von 17,1 Prozent. Dieser setzt sich aus dem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent und einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,5 Prozent zusammen. Da sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Kosten je zur Hälfte teilen, ergibt sich für Versicherte folgender Arbeitnehmeranteil (ohne Pflegeversicherung):

  • bei 1000 € Bruttoeinkommen: 85,50 € – zum Vergleich: 2024 - 81,50 Euro
  • bei 2500 € Bruttoeinkommen: 213,75 € – zum Vergleich: 2024 - 203,75 Euro
  • bei 4000 € Bruttoeinkommen: 342 €– zum Vergleich: 2024 - 326 Euro

Die tatsächliche Belastung ist doppelt so hoch, wenn man den Arbeitgeberanteil hinzurechnet – also zwischen 171 € bei 1000 € Einkommen und 684 € bei 4000 €. Zusätzlich fällt noch die Pflegeversicherung an, die den monatlichen Abzug weiter erhöht.

Experten-Prognosen bei Reformstau: Beiträge steigen auf 18,3 Prozent bis 2027, 20 Prozent und mehr bis 2035

Gleichzeitig steuert das System in diesem Jahr auf ein Finanzloch von mehreren Milliarden Euro zu. Die Beitragsentwicklung zeigt also bereits vor 2026, wie groß der Reformdruck ist. Der jahrzehntelange Anstieg konnte trotz zahlreicher Reformen nicht gestoppt werden. Bleiben die Strukturen aber unverändert, erwartet die Techniker Krankenkasse, dass der Beitragssatz bis 2027 auf 18,3 Prozent steigen könnte. „Wenn die Ausgaben weiter so stark steigen, werden viele Kassen die Beiträge zum nächsten Jahreswechsel wieder anheben müssen“, sagte TK-Chef Jens Baas zuletzt gegenüber der Zeit.

Schon heute lägen die Beiträge bei über 17 Prozent – und ohne Reformen könnten sie bis Ende des Jahrzehnts auf 20 Prozent steigen. Das IGES-Institut hält bis 2035 ebenfalls Beitragssätze von 20 Prozent – im ungünstigsten Szenario sogar 22,6 Prozent – für möglich.

Zwei-Klassen-GKV? Warum die SPD beim Reformplan von Warken und Sorge noch blockieren könnte

Noch ist der Entwurf von Warken und Sorge vage – und der Koalitionspartner SPD muss ihm überhaupt erst zustimmen. Dort dürfte schnell die Kritik laut werden, das Modell führe zu einer „Zwei-Klassen-GKV“ und verwässere das Solidarprinzip. Zudem dürfte der Vorschlag ohnehin erst noch durch die vom Bund eingesetzte Expertenkommission geprüft werden. Hier werden erste Ergebnisse schnellstmöglich vorliegen, damit sie ab 2027 wirken können, heißt es aus dem Gesundheitsministerium.

Für die Jahre 2025 und 2026 springt vorerst der Steuerzahler ein: Die Krankenkassen erhalten ein Darlehen über 2,3 Milliarden Euro, das für die kommenden zwei Beitragsjahre zumindest kurzfristig für Entlastung sorgen soll. „Das ist ein starkes Signal. Dennoch: Die Beiträge werden weiter unter Druck geraten“, erklärte Warken in einer Pressekonferenz.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Udo Herrmann

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