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Trotz Versprechen von Merz-Ministerin

Krankenkassen befürchten steigende Kosten: „Dann werden die Beiträge steigen“

Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent soll Krankenkassenkosten „stabil“ halten. Verbände bezweifeln dies: „Eine echte Entwarnung ist das nicht.“

Eigentlich sind es gute Nachrichten, die Gesundheitsministerin Nina Warken am Montag verkündete: Der durchschnittliche Zusatzbeitrag für die Krankenkassen soll 2026 bei 2,9 Prozent liegen – und damit nicht erhöht werden. Eine unabhängige Kommission hatte diesen Wert zuvor berechnet und die CDU-Politikerin dadurch zu einem klaren Versprechen verleiten lassen: „Die Bundesregierung hat ihr Wort gehalten“, so die Ministerin. „Die zur Gewohnheit gewordene Routine der Erhöhung der Zusatzbeiträge zum Jahresende“ konnte „durchbrochen“ werden, oder im Klartext: keine Erhöhung der Krankenkassenkosten. Doch: Ist das wirklich haltbar?

Die Krankenkassenbeiträge stiegen zuletzt. Doch 2026 soll es laut Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) keine Erhöhung geben.

Krankenkassen-Chef warnt: „Dann werden die Beiträge steigen“

Hört man sich bei den Krankenkassen um, scheinen weitere Beitragserhöhungen keineswegs ausgeschlossen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung etwa warnte vor einer Steigerung des Zusatzbeitrags auf mehr als drei Prozent. „Wenn in den kommenden Wochen politisch nichts weiter unternommen werden sollte, dann werden in der Realität viele Kassen gezwungen sein, ihren Zusatzbeitrag anzuheben“, erklärte Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes. „Damit werden die Zusatzbeiträge in 2026 im Durchschnitt auf über drei Prozent steigen.“

Was ist der Zusatzbeitrag bei der Krankenkasse?

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gibt es einen allgemeinen Beitragssatz, der aktuell bei 14,6 Prozent liegt. Er wird jeweils zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer bezahlt. Hinzu kommt ein Zusatzbeitrag der Krankenkassen, mit dem diese ihre Kosten decken. Er wird als Prozentsatz vom beitragspflichtigen Einkommen berechnet. Der tatsächliche Zusatzbeitrag wird von den Krankenkassen individuell festgelegt – auf Grundlage der wirtschaftlichen Situation der jeweiligen Kasse.

Krankenkassenbeiträge 2026 stabil? „Echte Entwarnung ist das nicht“

Skeptisch äußerte sich auch der Sozialverband Deutschland (SoVD). „Es ist ein gutes Zeichen, dass das Gesundheitsministerium bemüht ist, die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung im kommenden Jahr stabil zu halten“, sagte SoVD-Chefin Michaela Engelmeier dem Münchner Merkur von Ippen.Media. „Doch eine echte Entwarnung ist das nicht“, so Engelmeier. „Der Zusatzbeitrag liegt bereits auf Rekordhöhe, und einige Krankenkassen prüfen weitere Beitragssatzerhöhungen.“

Konkret forderte der Sozialverband „eine solidarische Reform der GKV-Finanzierung“. Kurzfristig brauche es zudem einen anderen Umgang mit den sogenannten versicherungsfremden Leistungen. So müssten etwa die Krankenversicherungsbeiträge für Grundsicherungsbeziehende vom Bund aus Steuermitteln gezahlt werden, forderte Engelmeier. Auch sie ist überzeugt: „Sollte nicht gegengesteuert werden, ist schon jetzt absehbar, dass weitere Beitragserhöhungen durch die Kassen drohen.“

Im vergangenen Monat hatte das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf verabschiedet, der die Ausgaben der gesetzlichen Kassen 2026 um zwei Milliarden Euro senken soll. Die gesetzlichen Kassen kritisierten dies als nicht ausreichend. Sie verlangen einschneidende strukturelle Reformen, um die Kassen aus den roten Zahlen zu holen. (Quellen: GKV-Spitzenverband, Gesundheitsministerium, Sozialverband Deutschland, dpa).

Rubriklistenbild: © IMAGO/Wolfilser/BIhlmayer (Montage)

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