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„Übergang in Rezession“

Kalte Dusche für Putin – lässt der globale Süden Russlands Wirtschaft hängen?

Russland verliert finanzielle Unterstützung des Westens. Der globale Süden soll als Geldgeber einspringen. Das funktioniert anscheinend nicht.

Moskau – Nach mehreren Jahren erstaunlicher wirtschaftlicher Resilienz (jedenfalls, wenn man den russischen Zahlen glauben darf) steht der Kreml jetzt vor einer Rezession. So äußerte sich jedenfalls der russische Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg, das vom 18. bis 21. Juni stattfand. „Den Zahlen nach haben wir eine Abkühlung, den aktuellen Empfindungen der Unternehmer nach sind wir schon an der Grenze zum Übergang in eine Rezession.“ Ein besonderes Problem stellen dabei die Investitionen anderer Länder in Russlands Wirtschaft dar. Oder vielmehr: das Ausbleiben derselben.

Russlands Wirtschaft fehlen die Investments – drastischer Einbruch durch West-Rückzug

Es mehren sich die Hinweise darauf, dass der Kreml es nicht schafft, den globalen Süden an sich zu binden und damit ein entsprechendes Gewicht zu erlangen. Und das, obwohl die russischen Eliten immer wieder die Bedeutsamkeit einer multipolaren Welt betonen und wie wichtig es sei, die westliche Vorherrschaft zu beenden. Zwei besondere Faktoren geben hier eine wichtige Einsicht. Erstens wäre da das St. Petersburg International Economic Forum (SPIEF), bei dem die Moscow Times von der Abwesenheit hochrangiger Gäste berichtete, außerdem sollen russische Spitzenmanager gefehlt haben.

Wladimir Putin in Moskau (Symbolfoto). Russland verliert Milliarden an Investments des Westens. Der globale Süden soll die Lücke schließen. Das scheint zu misslingen.

Zweitens zeigen aktuelle Statistischen der UN Conference on Trade and Development (UNCTAD), dass Russlands Wirtschaft im Jahr 2024 rund 3,35 Milliarden Dollar an sogenannten FDIs angezogen hatte (Foreign Direct Investment, also direkte Investments aus dem Ausland) – was einen Einbruch um 91 Prozent gegenüber 2021 bedeutet. Seit 2001 gab es keinen so niedrigen Wert.

Dafür ist auch der Ukraine-Krieg verantwortlich. „Der Krieg und die daraus resultierenden Sanktionen sind eine große Hürde für den FDI-Fluss nach Russland hinein, ebenso wie die Antwort des Kremls, mit seinen weitreichenden Verstaatlichungen und der Enteignung von Assets“, zitierte die Moscow Times Maximilian Hess, Gründer von Enmetena Advisory. China scheint in der Beziehung zu Russland das Maximum an Profit herauszuholen, gleichzeitig aber Kosten für sich selbst bestmöglich zu minimieren und sich nicht in die Reichweite von Sanktionen zu bringen.

Globaler Süden hält sich zurück – wegen Unsicherheiten in Russlands Wirtschaft

Die Zahlen zeigen: Seitdem viele westliche Firmen Russland verlassen hatten, gab es keinen Investment-Boom aus dem globalen Süden. Eine Studie des Bank of Finland Institute for Emerging Economies geht davon aus, dass der russische Anteil in China gesammelten FDIs von rund 1,0 Prozent (2015 bis 2020) auf 0,3 (2021 bis 2023) gesunken ist. Umgerechnet wären das 8,9 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich dazu: Die EU hielt 2021 rund 255 Milliarden Euro an FDIs in Russland. Für die USA gehen Projektionen von FDIs in Höhe von 12,3 Milliarden Dollar bis 39,1 Milliarden US-Dollar aus.

Neben dem Ukraine-Krieg gaben Experten unter anderem die enormen Schwierigkeiten an, die Investoren zu erwarten haben, wenn sie mit Russland Geschäfte machen wollen. Um diese Schwierigkeiten zu erklären, eignet sich ein Blick auf die Sanktionspolitik des Westens. Kurz nach dem russischen Überfall auf die Ukraine hatten sich die USA und die EU dazu entschieden, Russland aus dem wichtigen SWIFT-Bankensystem auszuschließen.

Mehr noch: in den darauf folgenden Jahren gerieten immer mehr russische Finanzinstitute auf die Sanktionsliste, einschließlich sogar der Moskauer Börse. Vereinfacht gesagt hatte das die Auswirkung, dass sich der Zahlungsverkehr zwischen russischen und ausländischen Finanzinstituten und deren Handelspartnern immer komplexer und langwieriger gestaltete. In einigen Fällen ging das so weit, dass Russland sich auf einfachen Tauschhandel einließ, um Güter loszuwerden.

Sowjet-Staaten gehen ebenfalls auf Abstand – Kreml-Mühen können keine Verbündeten anziehen

Diese Zahlen kommen nur wenige Monate, nachdem ein geleakter Bericht russischer Offizieller die gewaltigen Schwierigkeiten Russlands bei der Bindung ehemaliger Sowjet-Nationen offengelegt hatte. Der Druck aus dem Westen habe Russlands Versuche, unter anderem Kasachstan und Kirgisistan näher an sich zu binden, stark behindert. Darüber hatten mehrere Medien, darunter die Financial Times, berichtet.

Die Details zeichnen ein ungutes Bild für Russland. Nicht nur haben die West-Sanktionen einen Keil zwischen Russland und wichtige zentralasiatische Länder getrieben, diese Länder profitieren direkt von den Sanktionen. Sie entfernen russische Unternehmen aus ihren Einflussbereichen, übernehmen Import- und Exportflüsse und verlagern die Produktion aus Russland heraus. So jedenfalls zeigte es der Bericht im Februar 2025. Jetzt, ein Dritteljahr später, zeigen die fehlenden Investments des globalen Südens eine weitere Auswirkung dieser Entwicklung.

Großes Problem für Russlands Wirtschaft – BRICS bringt wenig Aufschwung

Für Kreml-Diktator Wladimir Putin ist das kein kleines Problem. Seit vielen Jahren versucht er, den globalen Süden als Gegenstück zur westlichen Dominanz aufzubauen und hat gar mit dem BRICS-Länderbündnis einen Gegenentwurf zu den G7-Staaten ins Leben gerufen. Dabei gab es allerdings schon früh Reibereien, weil nicht alle die russische Abneigung gegenüber den USA teilen. Brasilien zum Beispiel ist lediglich für die wirtschaftlichen Vorteile dabei, während andere Mitglieder sich gar direkt bekämpfen, aber auch auf wirtschaftliche Benefits hoffen, die der Handel mit Russland oder China bringt.

Dabei spricht der Kreml generell von einer globalen „Mehrheit“, die das Länderbündnis vertreten soll. Allein das ist bereits ein rhetorisches Spiel, das die schiere Bevölkerungsmasse asiatischer Länder als Validierung aufzubauen versucht. Auf einer Pressekonferenz im Jahr 2023 sagte Putin: „Es entwickelt sich ein neues, faireres und demokratischeres System internationaler Beziehungen, das die Bedarfe der Weltmehrheit deckt.“ Dieses neue System nennt Putin die „multipolare“ Welt, also eine mit mehreren führenden Köpfen anstelle nur mit der USA an der Spitze.

Im Zuge des Ukraine-Kriegs und der westlichen Sanktionen hatte sich jedoch China wiederholt als geschickter Nutznießer herausgestellt. Zum Beispiel handelte das „Reich der Mitte“ beim Ankauf russischen Gases enorme Preisabschläge heraus. Im Gegenzug wollte Wladimir Putin die wichtige Pipeline „Power of Siberia 2“ bauen, aber hier blockiert China schon seit längerer Zeit. Die deutsche Bundesakademie für Sicherheitspolitik spricht von einer „Mär“, wenn es um eine multipolare Weltordnung geht. Multipolarität sei stets nur eine Zwischenstufe, während eine neue Supermacht die alte ablöst. Anhand der aktuellen Entwicklungen lässt sich ablesen, dass das nicht Russland sein würde.

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press

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