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„Das ist ein Problem“

Handlungsbedarf akut: Jobcenter-Chef drängt auf Bürgergeld-Anpassung

Bürgergeld neu gestalten: Die Merz-Regierung will die Arbeitsvermittlung optimieren. Ein Jobcenter-Chef mahnt zusätzlichen Reformbedarf an.

Berlin – Die schwarzrote Koalition will sich das Bürgergeld vornehmen. Beim Umbau zur neuen Grundsicherung steht vor allem die Gruppe der sogenannten „Totalverweigerer“ im Fokus, doch der Realität wird das kaum gerecht. Denn sie ist verschwindend gering. Viele Erwerbslose möchten arbeiten, können es jedoch nicht. Immerhin: Union und SPD wollen auch die Vermittlung in Arbeit stärken.

Jobcenter-Chef mit klarem Wunsch bei neuer Grundsicherung: Erwerbsfähigkeit im Fokus

Ziel ist es dabei auch, die sogenannten Vermittlungshemmnisse abzubauen. Das sind etwa Faktoren aus der Biografie der Bürgergeld-Beziehenden, wie fehlende Berufsabschlüsse, die eine Arbeitsaufnahme verhindern. Auch psychische und physische Krankheiten gehören dazu. Hier sieht der Koalitionsvertrag „eine bessere Gesundheitsförderung und Reha-Maßnahmen“ vor. Fachleute begrüßen den Schritt. Doch ein Problem bleibt damit unangetastet.

Lutz Mania, Geschäftsführer des Jobcenters in Berlin-Mitte, sieht beim Umgang mit Beziehenden, die an der Schwelle der Erwerbsfähigkeit stehen, Handlungsbedarf. Bisher gilt: Wer mehr als drei Stunden am Tag arbeiten kann oder im Zeitraum von sechs Monaten dazu in der Lage ist, gilt als erwerbsfähig. Damit besteht im Falle der Hilfebedürftigkeit Anspruch auf Bürgergeld. Wer nicht arbeitsfähig ist, bekommt entweder eine volle Erwerbsminderungsrente oder Grundsicherung bei Erwerbsminderung.

Bürgergeld-Beziehende mit Einschränkungen im Nachteil – wegen Arbeitsmarkt-Hürden

Wer Anspruch auf Bürgergeld hat, muss jedoch dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und hat Mitwirkungspflichten. „Bei der Erwerbsfähigkeit gibt es zum einen die Definition, aber sie muss auch noch am Arbeitsmarkt verwertbar sein“, kritisierte Mania im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. „Es muss noch passende Tätigkeiten am Arbeitsmarkt geben.“ Der Jobcenter-Chef wünscht sich bei der Definition, „dass es noch konkreter geht“.

Lutz Mania ist Geschäftsführer des Jobcenters in Berlin-Mitte.

Zum Hintergrund: Ärztliche Gutachten sehen bei der Frage der Erwerbsfähigkeit häufig Bedingungen vor. Beispielsweise kann eine Person noch mehr als drei Stunden täglich arbeiten, aber beispielsweise nur ohne körperliche Belastung oder nicht im Stehen.

Die besten Arbeitgeber in Deutschland: Zu diesen Unternehmen wollen Fachkräfte 2025 gehen

Siemens AG - Hauptversammlung
Siemens hat es an die Spitze geschafft: In Deutschland würden viele Ingenieure am liebsten zu diesem Arbeitgeber gehen. Dort erhoffen sie sich neben guter Bezahlung und flexiblen Arbeitszeiten eine Firma, die für Innovation steht.  © Sven Hoppe/dpa
Die Vorstände des Technologie-Konzerns Bosch Christian Fischer (l-r), Markus Forschner, Stefan Grosch, Stefan Hartung (Vorsitzender), Tanja Rückert, Markus Heyn und Frank Meyer stehen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns an einem Bosch Logo.
Bosch ist auf Platz 2 der führenden Arbeitgeber für junge Fachkräfte im Ingenieurswesen in Deutschland. Damit ist erstmals kein Automobilunternehmen ganz oben mit dabei - dafür aber ihre Zulieferer.  © Bernd Weißbrod/dpa
Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Im Ranking der Beratungsfirma Universum hat es Porsche auf den dritten Platz geschafft. Beim letzten Ranking stand der Autokonzern noch an der Spitze, büßt bei Ingenieuren also zwei Plätze ein.  © Porsche AG
BMW-Stammwerk in München
Auch die BMW Group gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der deutschen Ingenieure. Wie viele Autokonzerne kämpft auch BMW mit harten Zeiten - doch beim Thema E-Mobilität hat dieses Unternehmen die Nase vorn.  © Sven Hoppe/dpa
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, l-r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, stehen während der Eröffnungsfeier des Mercedes-Benz-Campus ´zusammen
Bei Mercedes-Benz erhoffen sich Ingenieure ebenfalls eine gute Zukunft mit guter Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen. Noch dazu scheint das Unternehmen sich als besonders innovativ herausstellen zu können.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Airbus von Qatar Airways landet auf dem Hamburger Flughafen
Einen Platz nach oben gerutscht ist im Universum-Ranking für Ingenieure auch Airbus. Der Flugzeughersteller konnte sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Konkurrenten Boeing positiv positionieren - letzterer ist geplagt von Skandalen und Negativschlagzeilen.  © Georg Wendt/dpa
Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023.
Auch Audi bleibt bei Ingenieuren als Arbeitgeber beliebt - muss aber zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbüßen. Die Ingolstädter leiden ebenfalls unter der Autokrise - gerade wird über die Schließung eines Werks in Brüssel intensiv diskutiert.  © Sven Hoppe/dpa
Google eröffnet Cloud-Rechenzentrum in Hanau
Google ist für Ingenieure ein beliebter Arbeitgeber in Deutschland, der Tech-Riese steigt sogar auf im Ranking. Bei der letzten Untersuchung konnte Google nur den 10. Platz für Ingenieure belegen. Dafür ist der Gigant aus den USA im Fachkräfte-Ranking bei der IT an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber.  © Arne Dedert/dpa
Deutsche Bahn fährt in Dresden
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bahn gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern für Ingenieure in Deutschland. Trotz seines schlechten Rufs als Verkehrsmittel scheint die Firma insbesondere Fachkräfte gut zu erreichen. Bei den Lokführern und Kontrolleuren hingegen hörte man zuletzt eigentlich nur Frust.  © Robert Michael/dpa
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Rheinmetall Landsysteme GmbH, spricht bei der Übergabe vom Radpanzer für die Bundeswehr vom Typ Boxer als Schwerer Waffenträger Infanterie. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit der Lieferung der 123 Boxer-Fahrzeuge beauftragt worden.
Auf Platz 10 hat es zum ersten Mal ein Rüstungsunternehmen geschafft: Rheinmetall steigt im Ranking der Ingenieure um drei Plätze auf. Damit profitiert das Unternehmen von einer neuen Stellung und Wahrnehmung im Land.  © Philipp Schulze/dpa

Diese Einschränkungen sowie die reduzierte Arbeitszeit führen häufig dazu, dass die Betroffenen allein durch die Stundenanzahl nur geringfügige oder andere atypische Beschäftigungen aufnehmen. Diese sind weniger gut bezahlt – und die Beschäftigten bleiben trotz Arbeit von Sozialleistungen abhängig. Entweder weiterhin Bürgergeld; oder je nach Fall von einer halben Erwerbsminderungsrente oder Wohngeld.

Langwierige Bürokratie um Zuständigkeit und Frage des Bürgergeld-Anspruchs

Lutz Mania sieht jedoch noch bei einem zweiten Problem Reformbedarf. Das ist der Prozess, bis überhaupt die Frage der Erwerbsfähigkeit oder -unfähigkeit geklärt ist. Denn, wie beschrieben, ist das Jobcenter zuständig, wenn die jeweilige Person mindestens drei Stunden am Tag arbeiten kann. Wenn nicht, wechselt die Zuständigkeit – zur Rentenversicherung und der Sozialämter der Kommunen als Zuständige der Grundsicherung bei Erwerbsminderung.

„Beim Prozess hat sich herausgestellt, dass es durchaus zwölf Monate und auch länger dauert, bis die Zuständigkeit geklärt ist“, erklärte Mania. Denn: Mehrere Behörden sind beteiligt. In den meisten Fällen gibt es dabei mehrere ärztliche Gutachten, zuerst von den Jobcentern initiiert. Wenn die Person als nicht arbeitsfähig eingestuft wird, würde die Zuständigkeit wechseln. Die Sozialämter der Kommunen müssen das erste Gutachten jedoch nicht anerkennen und können Widerspruch einlegen und ein eigens Gutachten veranlassen. Lediglich wenn der Träger der Rentenversicherung die Erwerbsfähigkeit feststellt, ist diese bindend. „Das ist ein Problem“, sagte Mania.

Jobcenter-Chef mit Reformwunsch um Grundsicherung: „Muss es einen Ansprechpartner geben“

„Hier wünsche ich mir eine Entscheidungsstelle für alle, und sei es der Rententräger“, erklärte der Jobcenter-Chef. „Wenn die Feststellung der Erwerbsunfähigkeit oder der Erwerbsfähigkeit ansteht, dann muss es einen Ansprechpartner oder eine Stelle geben, der die Entscheidung fällt.“ Dann sei das Prozedere klar. „Bisher lässt der rechtliche Rahmen viel offen.“

In der Zwischenzeit sind die Betroffenen im luftleeren Raum. Integrationsmaßnahmen durch die Jobcenter oder andere Stellen finden in der Zeit nicht statt, da die Person für sie als nicht erwerbsfähig gilt.

Rubriklistenbild: © Jobcenter Berlin Mitte

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