Streit um Grönland
Trumps Zolldrohung wird „teures Eigentor“: EU darf laut Ökonomen nicht kapitulieren
Die EU und die USA liefern sich einen erbitterten Streit um Grönland. US-Präsident Trump kündigte jetzt Zölle gegen EU-Länder an – doch die dürften laut Experten zum „Eigentor“ werden.
Update, 19. Januar, 09:45 Uhr: Im Konflikt um Grönland droht US-Präsident Donald Trump EU-Mitgliedsstaaten wie Deutschland mit Zöllen. Handelsexperte Julian Hinz erklärt in einem Interview mit der Wirtschaftswoche, dass die EU ihren Fehler nicht wiederholen und vor Trump kapitulieren dürfe. Laut dem Ökonomen habe sich die EU vorher unnötig klein gemacht. „Dabei sind nicht nur die USA, sondern auch viele andere Länder abhängig von den Produkten, die hier hergestellt werden. Diese Kraft muss die EU jetzt ausspielen.“ Demnach könne die EU selbst wieder Zölle verhängen – „die Listen mit Produkten, die die USA empfindlich treffen würden, liegen in den Schubladen bereit“.
Für Trump seien die Zölle „ein teures Eigentor“, sagte der Handelsexperte dem Magazin. „Unsere neue Analyse zeigt, dass amerikanische Importeure und Verbraucher nahezu die gesamten Kosten tragen. Wir haben dafür Länderdaten von mehr als 25 Millionen Transaktionen im Wert von fast vier Billionen Dollar untersucht. Die US-Zolleinnahmen stiegen demnach 2025 um etwa 200 Milliarden Dollar – aber das ist eine Steuer, die fast ausschließlich von Amerikanern bezahlt wird.“ Wenn der US-Präsident die Zölle jetzt sogar noch weiter erhöhen wolle, schade er damit in allererster Linie seinem eigenen Land.
Hintergrund: Am Samstag hatte Trump Strafzölle gegen Deutschland und weitere Nato-Länder angekündigt. Anstoß hatte er unter anderem an deren gemeinsamer militärischer Erkundungsmission auf Grönland genommen. Seither befindet sich Europa auf Kollisionskurs mit den Vereinigten Staaten. Bei einem Sondergipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs Ende der Woche dürfte es auch um die milliardenschweren Gegenmaßnahmen gehen, die der EU als Handelsoption zur Verfügung stehen.
Trumps Zolldrohung: Betroffene Länder um Deutschland warnen vor Eskalation – „Lassen uns nicht erpressen“
Update, 18. Januar, 15:40 Uhr: Vizekanzler Lars Klingbeil hat zu Trumps Zolldrohungen wegen des Grönland-Streits Stellung bezogen. „Wir lassen uns nicht erpressen“, sagte der SPD-Chef im ARD-Interview. Europa müsse gemeinsam auf die Eskalation aus Washington antworten. Zu Trumps Annexionsplänen für Grönland erklärte Klingbeil: „Man kann nicht Grenzen einfach so verschieben. Dafür gibt es ein Völkerrecht, das darf nicht gebrochen werden.“
Update, 15.00 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich auf X zu dem Streit um die Arktis-Insel Grönland geäußert. „Wir stehen an der Seite Dänemarks und des grönländischen Volkes. Als NATO-Mitglied setzen wir uns für die Stärkung der arktischen Sicherheit als gemeinsames transatlantisches Interesse ein“, so der CDU-Chef. Dabei bezog er auch Stellung zu den von Trump angekündigten Zöllen gegen mehrere Nato-Länder. „Drohungen mit Zöllen untergraben die transatlantischen Beziehungen und bergen die Gefahr einer gefährlichen Abwärtsspirale.“
Macron will „Bazooka des Handels“ gegen Trumps Zolldrohungen entfesseln
Update, 14:33 Uhr: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will ein EU-Notfallinstrument gegen die von US-Präsident Trump angekündigten Zölle im Grönland-Streit aktivieren. Macron fordert laut seinem Umfeld die erstmalige Anwendung des „Instruments zur Bekämpfung von Zwangsmaßnahmen“. Die als „Bazooka des Handels“ bekannte Verordnung ermöglicht der EU die Begrenzung von Warenimporten und Dienstleistungen.
Update, 14:20 Uhr: Deutschland und die übrigen betroffenen europäischen Länder haben die Drohung von US-Präsident Donald Trump mit Sonderzöllen im Grönland-Konflikt zurückgewiesen. „Zolldrohungen untergraben die transatlantischen Beziehungen und bergen das Risiko einer Eskalation“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung Deutschlands mit Dänemark, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Großbritannien.
Trumps Zölle nach Grönland-Streit: DIHK mahnt Europa zu Geschlossenheit
Update, 13:20 Uhr: Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) fordert von der EU Geschlossenheit gegen die von US-Präsident Donald Trump im Grönland-Konflikt angekündigten Zölle für Deutschland und andere Staaten. Scharfe Gegenmaßnahmen sieht er aber nur als letztes Mittel. DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier warnt davor, dass sich die EU auseinandertreiben lassen könnte. „Wirtschaftlichem Zwang gegen einzelne Mitgliedstaaten kann Brüssel nur mit einer klaren und gemeinsamen Haltung begegnen.“
Angesichts der aktuellen Situation sei es „kaum vorstellbar“, dass die EU etwa die eigentlich vereinbarte Senkung der EU-Zölle auf US-Industriegüter nun stattfinden werde. „Außerdem müssen nun auch alle Instrumente des EU-Handelsschutzes – inklusive des Anti-Coercion Instruments (ACI) – geprüft werden. Dessen Anwendung sollte jedoch Ultima Ratio bleiben.“ Dieses Instrument ermöglicht der EU Gegenmaßnahmen, wenn wirtschaftlicher Druck ausgeübt wird, um politische Entscheidungen zu erzwingen.
Treiber befürchtet durch die unberechenbare Politik aus Washington spürbare Einschnitte für die Wirtschaft. „Der Einbruch der deutschen Exporte in die USA um fast zehn Prozent im Jahr 2025 wäre damit nur ein Aufgalopp“, so der DIHK-Chef.
Reaktionen auf Trumps Zolldrohung: Grönland wird zur Zerreißprobe für die Nato
Erstmeldung vom 18. Januar: Washington, DC/Brüssel – „Die Bundesregierung hat die Äußerungen des US-Präsidenten zur Kenntnis genommen. Sie befindet sich in engster Abstimmung mit den europäischen Partnern.“ Das Statement der Bundesregierung zu den neuen Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump fiel knapp aus. Der Streit um Grönland droht, die transatlantische Partnerschaft zu sprengen. Trump sieht ein Anrecht der Vereinigten Staaten auf die unabhängige Region, die formal zu Dänemark gehört. Sicherheitspolitische Interessen seien es, die Washington antrieben, wie Trump immer wieder betonte. Man wolle die Arktis nicht Russland und China überlassen – und die Rohstoffe auf der „Schatzinsel“ dürften dabei auch eine Rolle spielen.
Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz will sich jetzt mit ihren europäischen Partnern beraten. „Gemeinsam werden wir zur gegebenen Zeit über geeignete Reaktionen entscheiden“, hieß es in der knappen Erklärung am Samstag (17. Januar). Ganz so zurückhaltend gaben sich jedoch nicht alle europäischen Partner.
Trump verhängt wegen Grönland-Streit Zölle gegen mehrere EU-Länder – auch Deutschland ist betroffen
Worum geht es: Donald Trump hatte acht EU-Ländern (einschließlich Großbritannien) mit neuen Zöllen in Höhe von 10 Prozent gedroht. In einem Beitrag auf seiner Online-Plattform Truth Social nannte der US-Präsident „Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, das Vereinigte Königreich, die Niederlande und Finnland“ als Ziele neuer Zölle. Grund für die Eskalation sei, dass die Staaten inmitten von Trumps Annexionsplänen nach Grönland gereist seien. „Diese Länder, die dieses gefährliche Spiel spielen, setzen ein nicht tragbares und nicht nachhaltiges Risiko aufs Spiel. Daher ist es unerlässlich, zum Schutz des Weltfriedens und der globalen Sicherheit entschiedene Maßnahmen zu ergreifen, um diese potenziell gefährliche Situation schnell und unmissverständlich zu beenden“, so Trump weiter. Die neuen Handelsbeschränkungen auf alle in die USA exportierten Waren, sollen ab dem 1. Februar in Kraft treten.
Tatsächlich haben die Länder zuletzt Militärpersonal nach Grönland entsendet. Deutschland beteiligte sich mit 13 Soldaten an der Aktion, wie die Tagesschau berichtete. Die Bundeswehr erklärte den Schritt in einer Pressemitteilung: „Es geht darum, die Möglichkeiten der Gewährleistung der Sicherheit mit Blick auf russische und chinesische Bedrohungen in der Arktis zu eruieren. Dies erfolgt auf Einladung und unter der Führung unserer dänischen Bündnispartner.“
Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte laut dem Deutschlandfunk bei seiner Reise nach Indien zuletzt, dass er die Sorgen der USA in Bezug auf Grönland teile. Er sprach sich aber dafür aus, dass die NATO gemeinsam die Sicherheitslage auf der Insel verbessert. Einen Alleingang der USA lehnte er damit ab. Doch Trump scheint dabei eigene Pläne zu verfolgen.
„Inakzeptabel“: Heftige Reaktionen auf Trumps Zoll-Eskalation im Streit um Grönland
Weniger zurückhaltend als die offizielle Erklärung der Bundesregierung äußerte sich etwa der französische Präsident Emmanuel Macron. „Weder Einschüchterung noch Drohung werden uns beeinflussen, weder in der Ukraine noch in Grönland noch irgendwo sonst auf der Welt, wenn wir mit solchen Situationen konfrontiert werden“, schrieb Macron auf X. „Zolldrohungen sind inakzeptabel und haben in diesem Kontext keinen Platz. Sollten sie sich bestätigen, werden die Europäer geeint und koordiniert darauf reagieren.“
Auch der britische Premierminister Keir Starmer reagierte empört auf die Ankündigung aus dem Weißen Haus. „Unsere Position in Grönland ist sehr klar – es ist Teil des Königreichs Dänemark und seine Zukunft geht nur die Grönländer und Dänen etwas an“, heißt es aus London auf X. Starmer pochte erneut darauf, dass die NATO gemeinsam für die Sicherheit Grönlands in Bezug auf Russland und China sorgen solle. Nun jedoch Zölle gegen „Verbündete, die sich für die kollektive Sicherheit der NATO-Verbündeten einsetzen“, zu verhängen, sei „völlig falsch“. Starmer kündigte direkte Gespräche mit der US-Regierung an.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) und EU-Ratspräsident António Costa betonten in einer Stellungnahme, dass die gemeinsame Übung der EU-Staaten auf Grönland „keine Bedrohung“ darstelle. Vielmehr müsse man den begonnenen Dialog um Grönland mit den USA fortsetzen. Die von Trump angekündigten Zölle „würden die transatlantischen Beziehungen untergraben und eine gefährliche Abwärtsspirale riskieren“, so die EU-Vertreter. „Europa wird weiterhin geeint und koordiniert vorgehen und sich für die Wahrung seiner Souveränität einsetzen.“
EU beruft Dringlichkeitssitzung wegen Grönland-Streit ein – CDU-Mann mit harter Trump-Ansage
Scharfe Worte über Trumps Zölle kamen aber auch aus Deutschland. CDU-Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter erklärte gegenüber dem Münchner Merkur von Ippen.Media, dass sich die EU von einem „Erpressungsversuch“ Trumps nicht einschüchtern lassen solle. Es sei klar gewesen, dass der US-Präsident den Druck auf Brüssel irgendwie habe erhöhen wollen.
Grünen-Politiker Cem Özdemir meldete sich ebenfalls im Streit mit den USA zu Wort. Auf X schrieb er: „Das ist kein Deal-Making, das ist Erpressung. Trump zielt auf unsere Wirtschaft! Ein starkes Europa ist gefragt, eine gemeinsame Antwort auf die Zölle-Willkür! Stichworte: US Big Tech, Regulierung, Digitalsteuer.“ Wer sich erpressen lasse, werde immer wieder erpresst.
Als Reaktion auf Trumps Ankündigung haben die EU-Staaten für Sonntag (18. Januar) eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Am Nachmittag kommen die Botschafter der 27 Mitgliedstaaten zu einer außerordentlichen Sitzung in Brüssel zusammen, wie die derzeit von Zypern ausgeübte Ratspräsidentschaft laut der AFP mitteilte.
Widerstand aus den USA – Demokraten wollen Trumps Zollkrieg stoppen
Doch auch aus den USA kommt Widerstand gegen die neueste Zoll-Eskalation des US-Präsidenten. Der demokratische Senator Chuck Schumer sagte laut The Hill am Samstag (17. Januar): „Donald Trumps leichtsinnige Zölle haben die Preise bereits in die Höhe getrieben und unserer Wirtschaft geschadet, und jetzt verschlimmert er die Lage nur noch.“ Schumer sagte weiter: „Es ist unfassbar, dass er diese Dummheit noch übertreffen will, indem er Zölle auf unsere engsten Verbündeten erhebt, um seinen realitätsfernen Plan, Grönland zu annektieren, zu verwirklichen.“
Die Demokraten wollen nun versuchen, über einen Gesetzesentwurf die Zölle zu stoppen, „bevor sie der amerikanischen Wirtschaft und unseren Verbündeten in Europa weiteren Schaden zufügen“, so Schumer. (Quellen: AFP, Tagesschau, EU-Pressemitteilung, Pressemitteilung der Bundesregierung, X, Truth Social, The Hill, dpa, Wirtschaftswoche) (nhi)
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