Trumps Drohungen
Keine Einigung um Grönland: Bundeswehr-Soldaten auf dem Weg – Russland äußert „große Sorge“
Im Streit um die US-Ansprüche auf Grönland gibt es weiter keinen Kompromiss. Dänemark stärkt die militärische Präsenz – wie wohl auch Deutschland.
Update, 10:51 Uhr: Russland hat die Verlegung von Soldaten aus Deutschland und weiteren NATO-Staaten nach Grönland scharf verurteilt. Die Militäroperation auf der Arktis-Insel „bereitet uns große Sorge“, verkündete die russische Botschaft in Brüssel, dem NATO-Hauptquartier, am späten Mittwochabend. Die NATO baue ihre militärische Präsenz in der Region „unter dem falschen Vorwand einer wachsenden Bedrohung durch Moskau und Peking“ aus.
Die russische Vertretung beschuldigte die NATO, die amerikanischen Erklärungen zu Grönland „zu nutzen, um ihre antirussische und antichinesische Agenda voranzutreiben“. Die Arktis müsse „ein Gebiet des Friedens, des Dialogs und der fairen Zusammenarbeit bleiben“.
Update, 15. Januar, 5:53 Uhr: Auch Frankreich schickt auf Anfrage Dänemarks Soldaten ins von den USA beanspruchte Grönland. Präsident Emmanuel Macron schrieb auf der Plattform X, die ersten Militärangehörigen seien unterwegs. „Weitere werden folgen.“
Das deutsche Verteidigungsministerium hat ebenfalls angekündigt, Soldaten zu entsenden, und hatte von einer „Erkundung“ gesprochen, um Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks bei der Gewährleistung der Sicherheit in der Region auszuloten (siehe vorheriges Update).
Update, 20:27 Uhr: Die Bundesregierung hat den geplanten Einsatz der Bundeswehr auf Grönland bestätigt. Gemeinsam mit den NATO-Staaten Schweden und Norwegen werde Deutschland Militärpersonal auf die Insel entsenden. „Deutschland wird morgen ein gutes Dutzend Soldaten als Erkunder nach Grönland schicken“, sagte ein Regierungssprecher gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Update, 20:15 Uhr: Auch nach dem Krisengespräch zwischen den USA, Dänemark und Grönland gibt es keine Lösung in dem Konflikt um die Arktisinsel. Zwischen den Parteien bestehe eine „fundamentale Meinungsverschiedenheit“, sagte der dänische Außenminister Lars Lokke Rasmussen nach dem Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio und US-Vizepräsident JD Vance in Washington.
Rasmussen erklärte gegenüber der Presse, dass man sich teilweise entgegenkommen, aber nicht gänzlich mit den USA einigen konnte. Die Forderung von Trump, Grönland zum US-Gebiet zu machen, stehe noch immer. Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeld sagte, sie hoffe auf beiden Seiten auf „mehr Verständnis“. Die beiden äußerten sich auffällig bedacht und wollten nicht zu viel über die Gesprächsinhalte verraten.
Update, 19:55 Uhr: Jetzt will offenbar auch Deutschland Soldaten nach Grönland entsenden. Dies berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf „mehrere Quellen in Deutschland und Skandinavien“. Demnach soll zunächst ein Vorabtrupp aus einigen Bundeswehrangehörigen geschickt werden. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums wollte diese Angaben gegenüber der Zeitung aber weder bestätigen noch dementieren, hieß es. Laut dem Bericht könnte es schon am Donnerstag (15. Januar) mit einem ersten Erkundungstrupp losgehen.
Bereits am Dienstag (13. Januar) forderte der Präsident des Bundeswehr-Reservistenverbands die Stationierung deutscher Soldaten auf Grönland, um einer möglichen Übernahme durch die USA entgegenzuwirken. „Wir müssen davon ausgehen, dass US-Präsident Donald Trump mit Grönland Ernst macht. Europa muss daher viel stärker Präsenz auf Grönland zeigen“, erklärte Patrick Sensburg am Dienstag.
Während Grönland-Gesprächen: Weißes Haus provoziert mit KI-Foto
Update, 19:10 Uhr: Mit einem KI-generierten Bild von Schlittenhunden hat das Weiße Haus noch während des Spitzengesprächs zum Grönlandkonflikt die unnachgiebige Haltung von US-Präsident Donald Trump bekräftigt. „Welchen Weg?“, wird auf X zu dem Bild gefragt, das jeweils zwei von Hunden gezogene Grönlandschlitten zeigt – einer ist auf dem Weg Richtung Weißes Haus, einer Richtung China und Russland. Über dem Weißen Haus scheint die Sonne, über dem Kreml und der Chinesischen Mauer wütet ein Gewitter.
Trump hat mehrmals gesagt, dass Schlittenhunde zur Verteidigung der Arktis nicht ausreichten. Er erhebt Anspruch auf Grönland und begründet diesen mit Sicherheitsfragen und einer Bedrohung durch Russland und China in der Region. Am Morgen (Ortszeit) hatte Trump auf seiner Plattform Truth Social geschrieben, alles andere als ein Grönland in US-Hand sei inakzeptabel.
Reaktion auf Trump: Dänemark schickt Streitkräfte nach Grönland
Update, 15:59 Uhr: Vor den Gesprächen im Weißen Haus ist eine Vorhut der dänischen Streitkräfte auf Grönland eingetroffen. Dies berichtet der dänische, öffentlich-rechtliche Rundfunk DR. Dänemark schickt demnach militärische Ausrüstung und Vorausabteilungen nach Grönland, das sich darauf vorbereitet, größere Truppenverbände der dänischen Armee und anderer Verteidigungskräfte aufzunehmen.
Dänemark verkündet Verstärkerung seiner Streitkräfte auf Grönland
Update, 11:09 Uhr: Unmittelbar vor Beratungen über Grönland verkündete Dänemark eine Verstärkung seiner Streitkräfte auf der Insel. „Wir werden unsere militärische Präsenz in Grönland weiter verstärken“, teilte Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP mit. „Wir werden aber auch innerhalb der NATO auf mehr Übungen und eine verstärkte Präsenz der NATO in der Arktis drängen.“ Dänemark führe mit seinen Partnern Diskussionen „über neue und verstärkte Aktivitäten im Jahr 2026“.
Die deutsche Regierung befürwortet ebenfalls eine intensivere NATO-Präsenz in der Arktis. In diesem Gebiet seien zunehmende Aktivitäten Russlands und Chinas festzustellen, erläuterte Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) am Dienstag gegenüber dem ZDF. „Damit muss man umgehen“, betonte er. „Und das kann man im NATO-Rahmen gut lösen.“
Grönland-Gespräche heute im Weißen Haus
Erstmeldung: Washington, D.C. – Der dänische Außenminister Lars Lokke Rasmussen trifft sich heute am Mittwoch (14. Januar) in Washington mit US-Vizepräsident JD Vance und US-Außenminister Marco Rubio. Hintergrund sind die US-Ansprüche auf Grönland. An dem Gespräch nimmt auch die grönländische Außenministerin Vivian Motzfeldt teil, berichtete die dänische Nachrichtenagentur Ritzau unter Berufung auf Rasmussen.
US-Präsident Trump will Grönland einnehmen: Wichtiges Treffen heute im Weißen Haus
Vance nimmt auf eigenen Wunsch an dem heutigen Treffen im Weißen Haus teil, sagte der dänische Außenminister nach einer Sitzung des auswärtigen Ausschusses in Kopenhagen. Die Situation solle in einem Rahmen erörtert werden, „wo man sich in die Augen schauen könne“. Weitere Kommentare wollte er nicht abgeben. Dem Treffen ging ein tagelanger verbaler Schlagabtausch zwischen US-Präsident Donald Trump und dänischen Politikern wie Ministerpräsidentin Mette Frederiksen voraus.
Dänemark und Grönland hatten daraufhin um das Gespräch gebeten. Grönland mit seinen rund 57.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist weitgehend autonom, gehört aber offiziell zum Königreich Dänemark.
Trump hatte in den vergangenen Tagen erneut mit der Annexion Grönlands gedroht und dies mit nationalen Sicherheitsinteressen begründet. Jüngst machte er klar, dass es ihm um langfristigen Besitz von Grönland geht. „Wir sprechen über Erwerb, nicht über eine Pacht“, sagte er. Immer wieder rechtfertigt Trump den Gebietsanspruch damit, dass sich sonst China oder Russland die Insel einverleiben würden. Zudem verwies er auf die strategische Bedeutung der Insel und auf die Bodenschätze Grönlands.
Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern




US-Ansprüche auf Grönland: Dänemark plant Treffen mit färöischer und grönländischer Regierung
Am Mittwoch steht ein weiteres, wichtiges Treffen an. Die dänische Regierung hat angekündigt, dass sie am selben Tag die halbjährlichen Gespräche und das Treffen des Kontaktausschusses für Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik mit der färöischen und der grönländischen Regierung ausrichten wird.
An dem Treffen werden der grönländische Premierminister Jens Frederik-Nielsen und natürlich auch die dänische Premierministerin Mette Frederiksen teilnehmen. „Die drei Länder werden Gelegenheit haben, die politische und wirtschaftliche Lage zu besprechen“, heißt es in der Erklärung der Regierung. Das Treffen wird faktisch parallel zu den US-Gesprächen mit JD Vance und Rubio stattfinden.
Trump erhebt seit längerem Besitzansprüche auf Grönland. Schon in seiner ersten Amtszeit sorgte er für Irritationen, als er Interesse am Kauf von Grönland anmeldete. Mit der angedrohten Annexion geht er noch weiter. Das Weiße Haus schloss zuletzt sogar einen Militäreinsatz ausdrücklich nicht aus.
Trump droht Grönland mit Einnahme: USA-Dänemark-Gespräche heute im Weißen Haus
Dänemark und Grönland weisen Trumps Besitzansprüche seit Wochen mit Unterstützung zahlreicher europäischer Partner – darunter Deutschland – vehement zurück. Wenn ein NATO-Land ein anderes angreife, dann höre alles auf, hatte Dänemarks Regierungschefin Frederiksen gesagt. Grönland gehört als Teil des Königreichs Dänemark zur NATO. Die Arktisinsel war bis 1953 dänische Kolonie und ist inzwischen weitgehend autonom. Für die Sicherheits- und Verteidigungspolitik ist aber weiter Dänemark zuständig.
Mehrere NATO-Staaten wie Großbritannien sprechen sich für einen Ausbau der Bündnispräsenz in der Arktis aus. Ein Vorschlag sieht Diplomaten zufolge einen Überwachungseinsatz namens „Arctic Sentry“ vor. Der Einsatz soll den Amerikanern das Argument nehmen, die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region sei nicht ausreichend gewährleistet. Deutschland und Großbritannien unterstützen die Pläne für eine stärkere Bündnispräsenz in der Arktis.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geht davon aus, dass die USA sich an einer stärkeren NATO-Präsenz rund um Grönland beteiligen werden. „Wir teilen die amerikanischen Besorgnisse, dass dieser Teil Dänemarks besser geschützt werden muss“, sagte Merz bei seinem Indien-Besuch. „Wir wollen einfach die Sicherheitslage für Grönland gemeinsam verbessern. Und ich gehe davon aus, dass die Amerikaner sich daran auch beteiligen.“ In welchem Umfang – „das werden die Gespräche der nächsten Tage und Wochen zeigen“, sagte Merz. Außenminister Johann Wadephul hat gerade erst eine Bereitschaft für einen größeren Beitrag Deutschlands zur militärischen Sicherheit in der Arktis erklärt. (Quellen: dpa, The Guardian) (bb/nak)
Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/AP | Alex Brandon und IMAGO / TT
