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Nach Trumps jüngster Drohung
Neue US-Zölle wegen Grönland: So gefährlich ist Trumps Zoll-Politik für die deutsche Wirtschaft
Trumps neue Zoll-Drohung lässt Europa aufschrecken. Wie ökonomisch zermürbend Trumps Zölle sind, wurde im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit vielfach deutlich.
Washington, DC/Berlin – Im Zuge der Grönland-Frage eröffnete US-Präsident Donald Trump am Samstag ein neues Kapitel seiner rigorosen Zoll-Politik: Weil acht NATO-Staaten Soldaten auf die Arktis-Insel schickten, drohte er diesen ab 1. Februar mit neuen Zöllen in Höhe von zehn Prozent auf sämtliche Waren – ab 1. Juni sollen sie gar auf 25 Prozent steigen und so lange gelten, bis ein Abkommen über den vollständigen Kauf Grönlands seitens der USA erzielt werde.
Neben Deutschland zielt Trumps jüngste Zoll-Drohgebärde auch auf Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland ab. Noch am Sonntag soll eine EU-Krisensitzung eine Reaktion hervorbringen: Denn dass der Republikaner es hinsichtlich Zöllen nicht bei Drohungen belässt, wurde im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit gleich mehrfach deutlich – ebenso wie die triftigen ökonomischen Folgen seiner Zölle für betroffene Staaten.
Nach neuer Zoll-Drohung Trumps beraten EU-Staaten noch am Sonntag in Brüssel
Nach Trumps jüngster Zoll-Drohung ringt die Europäische Union um eine schnelle Antwort: In einer Krisensitzung kommen am Nachmittag in Brüssel Vertreter der EU-Staaten auf Botschafter-Ebene zusammen, wie neben der Tagesschauauch die Deutsche Welleberichtete. Dass eine Antwort wohlüberlegt und nicht durch Zögern zurückgehalten werden sollte, wird mit einem erneuten Blick auf Trumps Zollpolitik und die wirtschaftlichen Effekte deutlich, die im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit eine tragende Rolle spielten.
Denn fast genau 365 Tage nach der Amtseinführung Trumps zweiter US-Präsidentschaft (20. Januar 2025) dürften keine Zweifel mehr bestehen, welch schweren Schaden US-Zölle betroffenen Staaten zufügen können. Erfahrbar wurde dies 2025 bereits für Brasilien, China und Kanada, aber auch für Mitgliedsländer der Europäischen Union.
Trumps Zölle sind konjunktureller Dauerschock und Last für Exporteure
Ein Jahr nach Trumps Amtsantritt wird klar, dass die Negativfolgen von Trumps Zöllen für die deutsche Wirtschaft sich nicht so leicht abfedern lassen, und darüber hinaus von erheblicher Dauer sein dürften. Zwar haben sich die EU und die USA im Sommer 2025 auf ein Abkommen geeinigt, das für die meisten EU-Importe einen Zollsatz von vergleichsweise milden 15 Prozent vorsieht. Dafür notwendig waren jedoch große Zugeständnisse aus Brüssel, darunter etwa der zollfreie Import von US-Autos nach Europa.
Zeitlinie: So hat Trump den Zoll-Krieg vom Zaun gebrochen
Das Ifo-Institut etwa geht von jahrelangen Belastungen von Trumps Zöllen für die deutsche Ökonomie aus: „Die US-Zölle sind ein negativer Schock für die deutsche Wirtschaft und treffen sie gleich dreifach“, sagte die Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft, Lisandra Flach, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Erstens, weil Deutschland weniger in die USA exportiert und zweitens, weil die Zölle Chinas Wirtschaft treffen und damit die Nachfrage nach deutschen Waren sinkt. Drittens, weil China wegen Trumps Zöllen nach neuen Märkten sucht und Waren verstärkt nach Europa umgelenkt werden, was Deutschland Konkurrenz macht“, mahnte sie.
Deutsche Exporteure treffen Trumps Zölle besonders, denn für den Großteil von ihnen sind die USA der bedeutendste Exportmarkt. Noch 2024 wurden deutsche Waren im Wert von rund 161 Milliarden Euro in die USA exportiert, 2025 jedoch brach die Bilanz ein: Im November lag sie laut Statistischem Bundesamt (Destatis) sogar knapp ein Viertel unter dem Vorjahresniveau. Die Zölle unter Trump dämpften dem Ifo-Institut zufolge das deutsche Wirtschaftswachstum 2025 um 0,3 Prozentpunkte, 2026 dürfte es gar ein Rückgang um 0,6 Prozentpunkte sein.
Trumps Zölle treffen Automobilbranche – auch Stahlindustrie und Maschinenbauer stehen unter Druck
Vor allem deutsche Autobauer bekommen Trumps Zölle deutlich zu spüren. Hier zählen die USA traditionell zu den wichtigsten Auslandsmärkten, vor allem für Porsche, BMW und Mercedes. Und die Zölle trafen die Branche nicht nur schwerer, sondern auch früher als andere Wirtschaftszweige: Zunächst mit 27,5 Prozent, die im August nach dem Deal mit der EU auf 15 Prozent sanken. Laut dpa-Angaben ist das aber immer noch sechsmal so viel wie die 2,5 Prozent, die zuvor wirksam gewesen waren.
In der Folge brach der Autoexport aus Deutschland in die USA ein. „Trump hat die Autoindustrie in Deutschland und in Europa massiv getroffen“, sagte Autoexperte Stefan Bratzel der dpa. Denn mit seinen Zöllen verstärke Trump den Trend, dass Autos immer stärker dort gebaut werden, wo sie auch verkauft werden. „Für unsere exportorientierte Autoindustrie ist das ein völliges Erodieren ihres klassischen Geschäftsmodells. Für die Arbeitsplätze in Europa, in Deutschland, ist das natürlich Gift“, gab Bratzel zu bedenken.
Besonders hoch sind die US-Zölle auf Stahl mit 50 Prozent. In den ersten zehn Monaten 2025 sind die Stahlexporte in die USA nach Branchenangaben um elf Prozent zum Vorjahreszeitraum geschrumpft. Die Stahlzölle berechnen die Amerikaner zudem auf den Stahlanteil in Maschinen, was den deutschen Maschinenbau belastet. Dort ist die Produktion laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) das dritte Jahr nacheinander geschrumpft. Betriebe mussten in der Folge Arbeitsplätze abbauen oder vermehrt auf Kurzarbeit umstellen.
USA profitieren durch Trumps Zölle von Milliarden-Einnahmen
Den Vereinigten Staaten bringen die Zölle auf Importe aus aller Welt der US-Regierung zufolge riesige Einnahmen. Im Zeitraum von Trumps Amtsantritt seiner zweiten Präsidentschaft am 20. Januar 2025 bis zum 15. Dezember 2025 solle sie bei knapp 200 Milliarden Dollar gelegen haben, wie das Weiße Haus jüngst unter Berufung auf Daten der US-Zollbehörde in einer Mitteilung verlauten ließ.
Zwar bleibt die eigentlich von US-Seite anvisierte Summe von 300 Milliarden Dollar, die US-Finanzminister Scott Bessent noch im Juli als Ziel bis zum Jahresende 2025 ausgegeben hatte, hinter den Erwartungen zurück. Dennoch steht mit ihnen ein gewaltiges Plus auf der Seite der USA, während andere Staaten zugleich in ihrer ökonomischen Tragfähigkeit beschränkt werden. (Quellen: dpa, Deutsche Welle, Tagesschau, ifo-Institut, Destatis, VDMA, CBP) (fh)