Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Lage wird bewertet

News zum Iran-Krieg: Wirtschaftsministerium „reaktiviert Krisenmechanismen“ wegen Öl und Gas

Der Krieg im Iran sorgt für steigende Preise bei Öl und Gas. Ist die Versorgung in Deutschland jetzt in Gefahr? Das Wirtschaftsministerium gibt vorerst Entwarnung.

Nach dem gemeinsamen Angriff der USA und Israels auf den Iran, sind die Folgen auch in Deutschland zu spüren. Vor allem an der Tankstelle. Die islamische Revolutionsgarde hat als Reaktion auf die Bomben nicht nur US-Basen in Nachbarländern angegriffen, sondern auch die für den Welthandel wichtige Meerenge von Hormus blockiert. Bei uns sorgte der steigende Rohölpreis nahezu ohne Verzögerung für steigende Kosten bei Diesel und Benzin.

Die Sperrung der Meerenge von Hormus droht die Energiekosten in Deutschland in die Höhe zu treiben. (Archivbild)

Doch nicht nur Öl, sondern auch Flüssigerdgas (LNG) ist durch die Situation im Nahen Osten teurer geworden. Katar, einer der global wichtigsten LNG‑Lieferanten, hat im Zuge der Gewalt seine Lieferungen vollständig eingestellt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) unter Ministerin Katherina Reiche (CDU) gibt auf Anfrage von Merkur.de von Ippen.Media zunächst Entwarnung. „An der aktuellen Versorgungslage in Deutschland hat sich nichts geändert“, teilte eine Sprecherin mit. „Alle LNG-Lieferungen erfolgen planmäßig, die Speicher werden durch Marktakteure weiter befüllt.“ Dennoch beobachte man die Situation genau.

„Krisenmechanismen reaktiviert“: Krieg im Iran beschäftigt auch Deutschlands Politik

„Das BMWE beobachtet und bewertet die Lage mehrmals täglich innerhalb des Hauses und ist im regelmäßigen Austausch mit allen Beteiligten“, heißt es in der Antwort des Ministeriums weiter. „Die Bundesregierung hat ihre Krisenmechanismen reaktiviert. Die bereits während der drohenden Sperrung der Straße von Hormus im letzten Jahr eingesetzte Taskforce wurde erneut einberufen.“ An der Taskforce seien das BMWE selbst, die Bundesnetzagentur, der Bundesnachrichtendienst (BND), das Auswärtige Amt und das Bundeskanzleramt beteiligt.

„Gleichzeitig stehen wir in Kontakt mit Verbänden und Unternehmen zur Lage“, so die Sprecherin. Deutschland selbst beziehe kein LNG aus der Region, weshalb ein Versorgungsengpass zunächst nicht zu erwarten sei. „Allerdings werden rund 19 % der globalen LNG-Exporte aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten über die Straße von Hormus transportiert, was die strategische Bedeutung der Region unterstreicht.“

Wirtschaftsministerium warnt vor „Preiseffekten“ im Iran-Krieg

Doch auch wenn Deutschland LNG nicht direkt aus der Region bezieht, müsse mit Auswirkungen gerechnet werden. „In Abhängigkeit von der Dauer der de-facto-Sperrung der Straße von Hormus muss entsprechend von Preiseffekten ausgegangen werden“, so die Ministeriumssprecherin. „Dies hat sich bereits an den Märkten gezeigt, der Gaspreis am TTF (Title Transfer Facility, der führende Handelsplatz für Erdgas in den Niederlanden, Anm. d. R.) ist deutlich gestiegen. Über die künftige Preisentwicklung kann nicht spekuliert werden.“

Die Teuerungen beim Heizen zeigen sich schon jetzt. Die dpa berichtete unter Berufung auf die Seite Heizöl24, dass dort 100 Liter Heizöl am Dienstagvormittag bereits mit 123 Euro angegeben wurden. Noch am Freitag lag der Preis deutlich unter 100 Euro. Auch der Preis für Gas lag am Dienstagmorgen zeitweise um 30 Prozent über dem Vortag, an dem er ebenfalls kräftig zugelegt hatte.

Energieverband sieht wirtschaftliche Anreize für Gasspeicher-Füllstände in Gefahr

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht die aktuelle Gasversorgung in Deutschland ebenfalls nicht gefährdet. „Noch ist offen, wie lange die wichtige Schifffahrtsroute für LNG- und Öltanker unpassierbar bleibt. Direkte Auswirkungen auf die physische Gasversorgung in Deutschland sind nach aktueller Einschätzung nicht zu erwarten“, erklärte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, unserer Redaktion. Neben Gasspeichern und heimischer Förderung beziehe die Bundesrepublik LNG hauptsächlich über Pipelines aus Norwegen und LNG-Terminals.

„Deutschland bezieht zurzeit kein LNG aus Katar. Die jüngsten Preisentwicklungen am TTF, dem europäischen Referenzpreis für Erdgas, zeigen jedoch, dass die europäischen Märkte nicht unabhängig von der geopolitischen Lage zu betrachten sind“, so Andreae.

Ein Problem könnte aber durch die im April startende Phase der Befüllung der heimischen Gasspeicher entstehen. „Steigende Preise im Sommer oder ein sich dauerhaft einengender beziehungsweise negativer Sommer-/Winter-Spread mindern die wirtschaftlichen Anreize zur Einspeicherung“, so die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. „Das macht deutlich, wie wichtig die Diversifizierung unserer Energieversorgung ist, um auch in Krisenzeiten handlungsfähig zu bleiben.“

Preise steigen: Krieg im Iran könnte fossiles Heizen in Deutschland zur Kostenfalle machen

Verbraucher bekommen die Teuerung wegen langfristiger Verträge zumindest nicht direkt zu spüren. Ob Gaskunden am Ende mehr bezahlen müssen, hängt von der Dauer des Lieferstopps aus Katar und der Sperrung der Hormus-Meerenge ab. Mit einer schnellen Lösung des Konflikts mit dem Iran ist laut US-Präsident Donald Trump jedoch nicht zu rechnen. „Wir gingen davon aus, dass es etwa vier Wochen dauern würde“, sagte der Republikaner der Daily Mail.

Ebenfalls von der Kriegsdauer abhängig, ist eine steigende Inflation im Zuge des Preisanstiegs bei Öl und Gas. „Dauert der Krieg und die faktische Schließung der Straße von Hormus nur wenige Wochen, dann wird die Inflation wegen des gestiegenen Ölpreises nur vorübergehend ein wenig zulegen“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Bei mehreren Monaten könne die Inflation auf „schätzungsweise auf mindestens drei Prozent“ anwachsen. (Quellen: dpa, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Daily Mail) (nhi)

Rubriklistenbild: © Morteza Akhoundi/Tobias Schwarz/dpa/AFP (Montage)

Kommentare