Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Regelt der Markt?

Reiche kontert Vorwürfe um leere Gasspeicher – und verweist auf Habeck-Spätfolgen

Die deutschen Gasspeicher erhitzen die Gemüter. Die Angst vor einer Notlage im kommenden Winter steigt. Doch Wirtschaftsministerin Reiche setzt weiter auf eine reine Marktlösung.

Am Donnerstag (19. Februar) hat der Winter Teile Deutschlands noch fest im Griff. Heftiger Schneefall, Glatteis und allen voran niedrige Temperaturen sorgen für Ärger. Auch wenn die Prognosen für das kommende Wochenende bereits Frühling versprechen, blicken viele mit Sorge auf die aktuellen Gasspeicherstände. Laut der Bundesnetzagentur sind die noch gerade einmal zu rund 22 Prozent gefüllt (Stand: 17. Februar).

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will sich bei der Befüllung von Gasspeichern raushalten.

Die Bundesnetzagentur sieht in den historisch niedrigen Füllständen keinen Grund zur Sorge. Über Umwege wie Pipelines oder LNG-Terminals würde genug Gas in Deutschland ankommen. Ähnlich argumentiert das Bundeswirtschaftsministerium unter Ministerin Katherina Reiche (CDU). Doch weit mehr als die Frage danach, ob die Gasspeicher für den Restwinter ausreichen, ist die, ob für den nächsten Winter ausreichend Gas eingelagert werden kann.

Reiche wehrt Gasspeicher-Vorwürfe ab: „Der Markt funktioniert“

Reiche selbst sieht auch für die Zukunft keine Probleme bei der Befüllung der Gasspeicher. Vor dem Winter 2025 waren die Anlagen nur zu 76,7 Prozent gefüllt. Der höchste Füllstand 2024 lag dagegen bei rund 98 Prozent. Im Interview mit dem Handelsblatt sagte die Ministerin, dass das daran gelegen habe, dass die Gasversorger „gegen die Regierung gewettet“ hätten. Denn laut der Füllstandsvorgabe muss die Bundesregierung die fehlende Gasmenge, die zur Erreichung der Mindestspeicherstände notwendig ist, selbst bezahlen – egal zu welchem Preis. Wegen gestiegener Gaspreise im Sommer ist das Geschäft für private Versorger nicht mehr so attraktiv wie zuvor, weshalb weniger Anreize geherrscht haben, in großer Menge vorzusorgen.

Laut Reiche liegt das Verhalten der Versorger vorwiegend daran, dass die Ampel-Koalition und der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck (die Grünen) in der Energiekrise 2022 viel Gas zu „extrem hohen Preisen“ gekauft haben. Das sei zwar notwendig gewesen, habe aber dafür gesorgt, dass die Versorger sich auf die staatlichen Käufe verlassen hätten. Dem habe die aktuelle Regierung aus CDU, CSU und SPD entgegengehalten und „unmittelbar mit Amtsantritt“ erklärt, dass man nicht mehr im selben Maße einspringen werde, sagte Reiche dem Handelsblatt.

Diese Ansage habe nun dafür gesorgt, dass „die Trader“ ihr Verhalten angepasst hätten und die Preise sanken. Künftig will sich Reiche gänzlich aus der Füllstandsvorgabe heraushalten, denn „der Markt funktioniert“. Ohne Vorgaben würden sich die Unternehmen nicht mehr auf den Staat verlassen und die Speicher „in ausreichendem Maß“ befüllen.

Gasversorgung sichern: Verband stellt Forderungen an Ministerin Reiche

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hatte am 17. Februar in einer Pressemitteilung Anpassungen von Reiche verlangt, mit denen die Gasversorgung langfristig gesichert werden soll. „Die eigentliche Herausforderung liegt in der rechtzeitigen und ausreichenden Befüllung der Speicher vor dem nächsten Winter. Hierfür muss die Bundesregierung den entsprechenden Rahmen setzen“, heißt es darin von Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

So fordert der Verband etwa „ausreichende Import-, Transport- und Speicherkapazitäten“, um einen funktionierenden Energiemarkt zu gewährleisten. Zudem müssten Entscheidungen hinsichtlich weniger verlässlicher Gaslieferanten getroffen werden, damit ein „nicht mehr undenkbarer“ Ausfall von Importrouten ausgeglichen werden kann. Dabei stelle sich die Frage, welches Maß an Versorgungssicherheit gewünscht sei und wer am Ende dafür bezahle.

Zuletzt fordert Andreae die Schaffung einer strategischen Gasspeicherreserve, also eine rein staatliche Vorsorge für den Krisenfall. „Eine Speicherreserve darf jedoch ausschließlich zur Sicherung der physischen Versorgung eingesetzt werden und nicht zur gezielten Dämpfung von Preisspitzen. Sie muss auf Notfallsituationen beschränkt sein und ihr Einsatz darf nur so erfolgen, dass Marktverzerrungen vermieden werden und der Markt seiner Verantwortung für die Versorgungssicherheit gerecht werden kann“, fordert die BDEW-Vorsitzende.

Reiche will strategische Gasspeicherreserve prüfen: Resilienz nach österreichischem Vorbild?

Ein deutsches Nachbarland macht es bei der strategischen Reserve vor. Österreich hatte zum Beginn der Energiekrise 2022 eine Gasspeicherreserve von 20 Terawattstunden angelegt. Laut dem Marktgebietsmanager AGGM, der für das Management der internationalen Gastransitleitungen zuständig ist, kommt diese Reserve nur zum Einsatz, wenn das Bundeswirtschaftsministerium dies freigibt. Das sei bei Störungen, Notstandsmaßnahmen, oder anderen Ausnahmesituationen der Fall. Damit soll die Versorgung auch in Ausnahmesituationen gesichert werden.

Im Interview mit dem Handelsblatt hatte Reiche erklärt, dass in einer vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie ebenfalls solche strategischen Reserven geprüft worden seien. „Wir prüfen sehr genau, welches das geeignete Kriseninstrument ist. Was ich nicht möchte, ist eine Vermischung zwischen Marktgeschehen und außergewöhnlichen Krisen wie Sabotageakten“, so Reiche. Ob damit strategische Speicher eine realistische Option werden, bleibt offen. (Quellen: Handelsblatt, Bundesnetzagentur, BDEW, AGGM) (nhi)

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

Kommentare