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Private Rentenversicherung

Fallstricke auf dem Weg zur Rente: Diese sollten Sie vermeiden

Private Rentenversicherungen wie die Leibrente lohnen sich häufig nur bei langem Leben. Verbraucherschützer warnen vor Tricks der Finanzberater. Das sollten Sie beachten.

Berlin – Die gesetzliche Rente reicht meist nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand zu halten. Finanzberater empfehlen häufig, das entstehende Defizit durch eine private Rentenversicherung in Form der Leibrente auszugleichen. Doch nicht in jedem Fall lohnt sich die Versicherung, die bis zum Lebensende ausgezahlt wird. Verbraucherschützer warnen zudem vor den Tücken solcher Finanzberatungen – oftmals stehen weniger die Interessen der Verbraucher im Vordergrund, sondern vielmehr das Honorar des Beraters.

Die Leibrente versichert eine lebenslange Rente – doch oft müssen Verbraucher sehr alt werden, damit sich der Vertrag lohnt.

Die Leibrente wird bis zum Lebensende ausgezahlt – doch das hat einen Preis

Die private Rentenversicherung in Form der Leibrente bietet den Vorteil, dass man vor dem Rentenalter einmal oder in mehreren Raten einzahlt, aber dafür monatlich bis zum Lebensende in der Rente ausgezahlt wird. Sie ermöglicht es also, angespartes Vermögen in eine lebenslange Rente umzuwandeln. Geschieht das umgehend, spricht man von einer „Sofortrente“. Zur Leibrente kann auch die staatlich geförderte Riester-Rente gehören, die bis zum Lebensende ausgezahlt werden kann.

Die private Rentenversicherung kann sich daher insbesondere für all jene lohnen, „die unbedingt auf einen bestimmten Betrag zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts angewiesen sind und das bis zum Lebensende. Das ist der Vorteil einer Leibrentenversicherung, sie zahlt die vereinbarte Rente bis zum Tod, auch wenn jemand 120 Jahre alt wird“, erklärt der Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge, Klaus Morgenstern, auf Anfrage von IPPEN.MEDIA.

Die lebenslange Rentengarantie kommt jedoch zu einem Preis. Laut dem Abteilungsleiter für Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Niels Nauhauser, wird die Rente durch private Versicherer „vorsichtig und mit Gewinnmarge“ kalkuliert. „Das bedeutet, dass man oft 94 Jahre oder älter werden muss, um garantiert mehr zurückzubekommen, als man eingezahlt hat“, erklärt Nauhauser auf Anfrage unserer Redaktion. Die durchschnittliche Lebenserwartung für Frauen liegt bei 83 Jahren und für Männern bei 78 Jahren, so die Daten des Statistischen Bundesamt. Oftmals rentierte sich die Leibrente daher nicht.

Mit diesen Methoden treiben Finanzberater mehr Provision und Honorar ein

Das Problem von privaten Versicherern beschreibt Nauhauser wie folgt: „Verbraucher vertrauen oft Finanzberatern, die Produkte verkaufen und dafür Provisionen von den Produktherstellern erhalten. Diese Berater sind jedoch in erster Linie Verkäufer, die ihre Provision maximieren möchten.“ Laut der Verbraucherzentrale können viele Produkte zur Altersvorsorge kompliziert sein, weshalb Finanzberater ihre Expertise nutzen, um diese nach ihrer Provision auszusuchen. Andere Methoden beinhalten das Ausdehnen von Beratungszeiten, das Vortäuschen von Beratungsgründen, die Empfehlung zum Wechsel von Produkten, sowie zu kurze Recherchezeiten und zu erhöht berechnete Zweitaufwände für Analysen.

Zu einem dieser Produkte gehört häufig auch die klassische Riester-Rente in Form der Leibrente. Auch sie lohnt sich laut Website der Verbraucherzentrale erst ab einem Alter von 95 Jahren. Verbraucher berichteten zudem, wie ihnen ein Wechsel empfohlen wurde – oftmals jedoch nur, um Provisionen einzustreichen. Die hohen Kosten und Steuern fressen außerdem meist die staatliche Subvention der Riester-Rente komplett auf – es bleibt daher selten mehr übrig, als eingezahlt wurde. „Welche Option die beste ist, kann nur im Einzelfall bewertet werden“, kommentiert Nauhauser, in manchen Fällen kann sich ein Wechsel lohnen, doch „jungen Menschen raten wir von der Riester-Rente ab.“

EU-Kommission lehnt gefordertes Provisionsverbot erstmal ab

Weiterhin schreibt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg auf ihrer Website: „Zwar gibt es eine Reihe von Regelungen, was den Vertrieb von Finanzprodukten angeht, aber keine dieser Regelungen verpflichtet, die Berater, ausschließlich in Ihrem Interesse zu beraten.“ Die Verbraucherzentrale fordert ein Provisionsverbot, sowie strengere Qualitätsstandard. Im Streitfall sollen Versicherer vorweisen können, dass sie ihre Kunden richtig beraten haben.

Ein solches Verbot stand bereits im Jahr 2023 bei der EU-Kommission in Diskussion. Doch der hohe Widerstand aus der Branche, veranlasste die Kommission das Verbot im April 2023 erstmal fallen zu lassen. Die FAZ berichtete in diesem Kontext von dem großen Widerstand, der vor allem aus Deutschland kam. Rund 80 Prozent der Fonds für die private Versicherung werden über Banken an Privatanleger weitergegeben, heißt es in dem Bericht. Ein Verbot würde laut Kritikern aus der Branche Tausende von Arbeitsplätzen kosten.

Das empfehlen Experten als zusätzliche Strategie zur Altersvorsorge

Als beste Strategie, für die zusätzliche Altersvorsorge nennt Morgenstern den „langfristigen Aufbau einer vor allem auf Aktien beruhenden Kapitalanlage.“ Auch Nauhauser argumentiert, dass die geplante Investition in ETFs, also börsengehandelte Indexfonds, eine höhere Rente ermöglichen. Diese kann „bei vorsichtiger Planung“, genauso wie die Leibrente, ein Leben lang reichen. Selbst eine Investition in den Aktienmarkt im Rentenalter kann sich noch lohnen. Entscheidend ist, die Kapitalanlage lang genug zu halten und ausreichend zu streuen. „Dann ist übrigens auch jegliche Garantie überflüssig, wie sie heute oft noch bei Altersvorsorgeprodukten angeboten wird“, ergänzt Morgenstern.

Rubriklistenbild: © Lobeca/Imago

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