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Mitwirkungspflicht

Bürgergeld-Empfänger unter Verdacht: Warum manche nicht richtig mitarbeiten

Bürgergeld-Empfänger sind mit dem Vorurteil konfrontiert, nicht arbeiten zu wollen. Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie viele tatsächlich nicht alles tun, um die Grundsicherung zu verlassen.

Nürnberg – Wer Bürgergeld bezieht, hat Mitwirkungspflichten. Denn die Sozialleistung soll zwar das Existenzminimum sichern, ein Grundrecht im deutschen Sozialstaat, dennoch ist es kein bedingungsloses Einkommen. Ehe jemand die Grundsicherung erhält, muss das private Vermögen eingesetzt werden. Erst dann gibt es Geld. Zudem müssen die Empfänger aktiv mitwirken, um ihre Hilfebedürftigkeit zu beenden.

Bürgergeld-Empfänger wegen Minderheit der „Totalverweigerer“ im Fokus

Das Bürgergeld stand jedoch in der Kritik, weil die Einforderung der Mitwirkung nicht mehr gegeben sei. Viele Empfänger würden konsequent Arbeit ablehnen, kritisierte vor allem die Union. Die Rede war von „Totalverweigerern“. Wie viele es gibt, ist unklar. Offizielle Zahlen gibt es nicht, lediglich die Zahl der Sanktionen für abgelehnte Stellen. 2024 waren das knapp 24.000. Mit Blick auf die 1,86 Millionen Erwerbsfähigen in der Grundsicherung, die dem Arbeitsmarkt auch zur Verfügung stehen, sind das lediglich 1,3 Prozent – und davon lehnen nicht alle mehrfach Stellen ab. Wirkliche „Totalverweigerer“ sind also noch seltener.

Die besten Arbeitgeber in Deutschland: Zu diesen Unternehmen wollen Fachkräfte 2025 gehen

Siemens AG - Hauptversammlung
Siemens hat es an die Spitze geschafft: In Deutschland würden viele Ingenieure am liebsten zu diesem Arbeitgeber gehen. Dort erhoffen sie sich neben guter Bezahlung und flexiblen Arbeitszeiten eine Firma, die für Innovation steht.  © Sven Hoppe/dpa
Die Vorstände des Technologie-Konzerns Bosch Christian Fischer (l-r), Markus Forschner, Stefan Grosch, Stefan Hartung (Vorsitzender), Tanja Rückert, Markus Heyn und Frank Meyer stehen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns an einem Bosch Logo.
Bosch ist auf Platz 2 der führenden Arbeitgeber für junge Fachkräfte im Ingenieurswesen in Deutschland. Damit ist erstmals kein Automobilunternehmen ganz oben mit dabei - dafür aber ihre Zulieferer.  © Bernd Weißbrod/dpa
Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Im Ranking der Beratungsfirma Universum hat es Porsche auf den dritten Platz geschafft. Beim letzten Ranking stand der Autokonzern noch an der Spitze, büßt bei Ingenieuren also zwei Plätze ein.  © Porsche AG
BMW-Stammwerk in München
Auch die BMW Group gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der deutschen Ingenieure. Wie viele Autokonzerne kämpft auch BMW mit harten Zeiten - doch beim Thema E-Mobilität hat dieses Unternehmen die Nase vorn.  © Sven Hoppe/dpa
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, l-r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, stehen während der Eröffnungsfeier des Mercedes-Benz-Campus ´zusammen
Bei Mercedes-Benz erhoffen sich Ingenieure ebenfalls eine gute Zukunft mit guter Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen. Noch dazu scheint das Unternehmen sich als besonders innovativ herausstellen zu können.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Airbus von Qatar Airways landet auf dem Hamburger Flughafen
Einen Platz nach oben gerutscht ist im Universum-Ranking für Ingenieure auch Airbus. Der Flugzeughersteller konnte sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Konkurrenten Boeing positiv positionieren - letzterer ist geplagt von Skandalen und Negativschlagzeilen.  © Georg Wendt/dpa
Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023.
Auch Audi bleibt bei Ingenieuren als Arbeitgeber beliebt - muss aber zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbüßen. Die Ingolstädter leiden ebenfalls unter der Autokrise - gerade wird über die Schließung eines Werks in Brüssel intensiv diskutiert.  © Sven Hoppe/dpa
Google eröffnet Cloud-Rechenzentrum in Hanau
Google ist für Ingenieure ein beliebter Arbeitgeber in Deutschland, der Tech-Riese steigt sogar auf im Ranking. Bei der letzten Untersuchung konnte Google nur den 10. Platz für Ingenieure belegen. Dafür ist der Gigant aus den USA im Fachkräfte-Ranking bei der IT an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber.  © Arne Dedert/dpa
Deutsche Bahn fährt in Dresden
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bahn gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern für Ingenieure in Deutschland. Trotz seines schlechten Rufs als Verkehrsmittel scheint die Firma insbesondere Fachkräfte gut zu erreichen. Bei den Lokführern und Kontrolleuren hingegen hörte man zuletzt eigentlich nur Frust.  © Robert Michael/dpa
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Rheinmetall Landsysteme GmbH, spricht bei der Übergabe vom Radpanzer für die Bundeswehr vom Typ Boxer als Schwerer Waffenträger Infanterie. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit der Lieferung der 123 Boxer-Fahrzeuge beauftragt worden.
Auf Platz 10 hat es zum ersten Mal ein Rüstungsunternehmen geschafft: Rheinmetall steigt im Ranking der Ingenieure um drei Plätze auf. Damit profitiert das Unternehmen von einer neuen Stellung und Wahrnehmung im Land.  © Philipp Schulze/dpa

Nun gibt es jedoch neue Zahlen zur Mitwirkung von Bürgergeld-Empfängern. Sie beziehen sich also nicht auf „Totalverweigerer“ an sich, sondern spiegeln lediglich eine Selbsteinschätzung im Umgang mit den Jobcentern. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat dazu zwei Befragungen zu ihren Erfahrungen mit den Jobcentern ausgewertet. Eine These, zu der sich die Befragten positionieren sollten, lautete: „Ich gebe mein Bestes, um den Bürgergeldbezug zu beenden.“

91 Prozent der Empfänger gibt ihr Bestes, um Bürgergeld zu verlassen – neun Prozent jedoch nicht

Die mit zusammengerechnet 91 Prozent deutliche Mehrheit der Menschen im Bürgergeld stimmt der Aussage zu – und macht damit nach dem eigenen Selbstverständnis alles, um aus dem Bürgergeld-System zu entkommen. Im Umkehrschluss sehen stimmen neun Prozent der Befragten diese These mindestens „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ zu. Letzteres sind jedoch lediglich drei Prozent. „Möglicherweise könnten diese Leistungsberechtigten ihre Mitwirkungspflichten besser erfüllen, tun dies aber aus bestimmten Gründen nicht“, erklären die IAB-Forschenden dazu.

Gefragt nach dem Umgang mit dem Jobcenter erklären neun Prozent der Bürgergeld-Empfänger, dass sie nicht alles tun, um die Grundsicherung zu verlassen. (Montage)

Die Motivation ist unklar – ebenso, woran die jeweiligen Personen es festmachen. Das IAB erklärt die Antwort unter anderem damit, dass sie davon ausgehen, „auf absehbare Zeit in jedem Fall auf finanzielle Unterstützung angewiesen zu sein, beispielsweise weil sie krank sind oder sich um pflegebedürftige Angehörige oder Kinder kümmern“.

Hürden stehen einigen Bürgergeld-Empfängern im Weg

Im Januar 2025 waren etwa 530.203 Alleinerziehende vom Bürgergeld abhängig. Hier lässt sich eine – bedarfsdeckende – Erwerbsarbeit häufig nur schwer mit der Kindererziehung verbinden. Viele von ihnen sind deshalb etwa Aufstocker, beziehen also zusätzlich zum Gehalt Bürgergeld. Zudem haben viele Betroffene andere sogenannte Vermittlungshemmnisse, also entweder Krankheiten oder Behinderungen und können deshalb nur bedingt arbeiten – und haben damit schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Was klar ist: Diese neun Prozent sind keine „Totalverweigerer“ – auch die drei Prozent nicht, die der These „überhaupt nicht“ zustimmen.

Um diese Hürden abzubauen und Menschen den Ausweg aus dem Bürgergeld zu ermöglichen, will die neue Koalition die Vermittlung in Arbeit stärken. Dazu sollen auch eine verbesserte Gesundheitsförderung und Reha-Maßnahmen zählen.

Grundsicherung-Empfänger haben Angst vor Sanktionen – kann Mitarbeit „im Weg stehen“

Eine weitere Ursache für die Angabe der befragten Bürgergeld-Empfänger könnten auch die Sanktionsmöglichkeiten selbst sein. Denn die Drohkulisse kann laut IAB-Studie auch Stress hervorrufen. Die Angst „war schon da“, zitieren die Forscher eine Befragte. Diese Angst habe sie als „lähmend“ empfunden. Damit könne sie einem gelungenen Beratungsprozess „auch im Weg stehen“. Immer wieder betonen Fachleute, besonders des IAB, dass es bei Sanktionen immer auf das richtige Maß ankomme.

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/Sven Hoppe/dpa

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