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24,8 Milliarden Euro
Brisante Forderung nach Bürgergeld-Kürzungen wegen Milliarden-Haushaltsloch
Der Landkreistag will Kürzungen bei Sozialleistungen, insbesondere beim Bürgergeld. Die Kommunen hoffen, damit das knapp 25 Milliarden Euro große Haushaltsloch zu beheben.
Frankfurt – Die Finanzlage der Kommunen ist mehr als prekär, zahlreiche von weisen ein großes Defizit auf. Der Deutsche Landkreistag fordert nun die Bundesregierung auf, Sozialleistungen zu kürzen. „Diese Koalition stimmt die Bevölkerung in keiner Weise auf einen notwendigen Politikwechsel ein“, sagte Hauptgeschäftsführer Hans-Günter Henneke (CDU) der FAZ. „Der müsste in Leistungseinschränkungen bestehen.“ Bei den Kürzungen im Fokus: das Bürgergeld.
Bürgergeld belastet Finanzen der Kommunen – insgesamt liegt das Defizit bei fast 25 Milliarden Euro
Die Kommunen verzeichnen gemeinsam ein Defizit von 24,8 Milliarden Euro für 2024, lautete das Ergebnis des Finanzreports 2025 der Bertelsmann Stiftung. Die wirtschaftliche Stagnation seit 2023 habe dazu geführt, dass die Einnahmen seither nicht in dem Maße gestiegen sind, wie sie normalerweise hätten steigen müssen, erklärte Henneke. Kernprobleme seien gestiegene Personalkosten und Sozialausgaben, die auf gesetzliche Regelungen zurückzuführen seien.
„Wir hatten die Anpassung der Regelsätze in der Sozialhilfe und im Bürgergeld, außerdem sind mehr Menschen in den Leistungsbezug gekommen“, sagte Henneke im FAZ-Interview. „Die Kosten in der Sozialhilfe sind um 12,4 Prozent gestiegen.“ In der Kinder- und Jugendhilfe gebe es eine Steigerung von 17,1 Prozent, die Eingliederungshilfe sei um 13,7 Prozent gewachsen.
Landkreistag fordert Kürzungen bei Sozialleistungen – Bürgergeld soll für einige gestrichen werden
Der Landkreistag hat der neuen Regierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) bereits Vorschläge für Einsparungen gemacht. Einer der wichtigsten Punkte sei eine verlängerte Lebensarbeitszeit. „Die Mütterrente müsste nicht ausgebaut, sondern zurückgeführt werden“, erklärte der Geschäftsführer des Landkreistags. Dazu forderte er die Rücknahme der Wohngeld-Plus-Reform.
„Wenn Angebote ohne wichtigen Grund nicht angenommen werden, müssten Leistungen gestrichen werden“, sagte Henneke. Das gelte beim Bürgergeld, aber auch für andere Leistungen. Henneke stößt damit in die selbe Kerbe wie seine Parteikollegen vor ihm. Erst kürzlich hatte Götz Ulrich, Landrat im Burgenlandkreis, den Bürgergeld-Entzug für sogenannte Totalverweigerer gefordert. Auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann betont das immer wieder.
Sozialverband kritisiert Vorstoß: Forderungen „gehen an der Lebenswirklichkeit vieler Menschen vorbei“
Doch der Vorstoß erntet Kritik. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) stellt sich gegen Kürzungen am Sozialstaat. „Forderungen nach Kürzungen bei Sozialleistungen gehen an der Lebenswirklichkeit vieler Menschen vorbei“, erklärte Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier IPPEN.MEDIA.
„Gerade in unsicheren Zeiten braucht es einen Sozialstaat, der schützt und Halt gibt“, sagte Engelmeier. „Einschnitte treffen dabei immer jene, die am wenigsten haben.“ Statt Leistungen zu streichen, müssten nach Ansicht der SoVD-Chefin „Einnahmen gerechter verteilt und Finanzierungslücken sozial ausgewogen geschlossen werden“.
Der Sozialverband sieht in der Steuerpolitik einen Ansatz und will große Vermögen und hohe Einkommen „gerechter“ besteuern. „Es darf nicht sein, dass Menschen mit wenig Geld die Hauptlast der Krisen tragen, während Wohlstand unangetastet bleibt“, erklärte Engelmeier.
Union und SPD planen Verschärfung von Sanktionen im Bürgergeld
Zumindest beim Bürgergeld plant die Bundesregierung, dem Landkreistag zu folgen und die geforderten Streichungen umzusetzen. Im Rahmen der Reform zur neuen Grundsicherung soll es einen „vollständigen Leistungsentzug“ geben, wenn Empfänger wiederholt Stellenangebote ablehnen. Insgesamt sollen Sanktionen schneller und härter verhängt werden.
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Bisher ist die Streichung des Regelsatzes, nicht jedoch der Miete, für einen begrenzten Zeitraum von zwei Monaten möglich. Details zu den Verschärfungen sind noch unklar, verfassungsrechtliche Zweifel erschweren die Umsetzung. Angesichts der schwierigen Lage am Arbeitsmarkt ist jedoch fraglich, ob viele Erwerbslose derzeit in Arbeit kommen können. Davon hängen jedoch die Sparpläne der Koalition ab.
Landkreistag-Chef enttäuscht von Haushaltplänen der Merz-Regierung
Dagegen hat das Kabinett nun auch den Haushaltsentwurf für 2026 beschlossen. Doch Landkreistag-Chef Henneke zeigte sich enttäuscht. „Auch darin ist von den Erwartungen, die zum Jahreswechsel im Wahlkampf geweckt wurden, nichts mehr übriggeblieben. Jetzt noch umsteuern, das wird ungeheuer schwierig.“ Er warf Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) mangelnden Willen zur Konsolidierung vor. „Konsolidierung heißt Rückführung von vorhandenen, und nicht Abwehr von zusätzlichen Ausgaben.“ (ms/dpa)