Analyse
Nächste Beitragserhöhung bei Krankenkassen? Dieses Datum ist für Millionen Versicherte jetzt entscheidend
Wer soll das noch bezahlen? Die Krankenkassenbeiträge steigen und steigen. Bald entscheidet sich, ob es die nächste Anpassung gibt.
„Sehr geehrter Beitragszahler, leider müssen wir Ihnen heute mitteilen, dass wir als Ihre Krankenkasse unseren Zusatzbeitrag anpassen müssen.“ Einen Brief mit diesem oder einem ähnlich lautenden Satz bekamen vergangenes Jahr viele Versicherte. Etliche gesetzliche Krankenkassen hatten den Beitrag erhöht. Bald naht die Entscheidung, ob schon wieder solche Briefe verschickt werden.
Schätzerkreis zur Krankenkassen-Lage: Der 15. Oktober ist für Versicherte entscheidend
Denn am 15. Oktober tagt der sogenannte Schätzerkreis, ein Gremium unter anderem aus Vertretern der Kassen, des Gesundheitsministeriums sowie anderen Sachverständigen. Der Schätzerkreis bewertet die Lage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), schaut auf Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben sowie auf die Mitgliedersituation. Auf Basis dieser Informationen bewerten die Experten die Finanzierung der GKV. Ihre Einschätzung dient als Grundlage für die Festlegung des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes.
Was ist der Zusatzbeitrag bei der Krankenkasse?
Bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gibt es einen allgemeinen Beitragssatz, der aktuell bei 14,6 Prozent liegt. Er wird jeweils zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer bezahlt. Hinzu kommt ein Zusatzbeitrag der Krankenkassen, mit dem diese ihre Kosten decken. Er wird als Prozentsatz vom beitragspflichtigen Einkommen berechnet und liegt laut Gesundheitsministerium bei durchschnittlich 2,5 Prozent. Laut GKV-Spitzenverband und vdek liegt er aufgrund weiterer Erhöhungen mittlerweile aber schon bei über 2,9 Prozent.
Gesundheitsministerin Warken zur Krankenkassen-Lage: „Es herrscht Zeitdruck“
Wie die Schätzung ausfällt, ist noch nicht absehbar. „Es herrscht Zeitdruck“, sagte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) am Mittwoch mit Blick auf die Tagung des Schätzerkreises und meinte am Rande einer Pressekonferenz: „Wir haben uns geeinigt, dass die Beiträge nicht steigen sollen“. Um dieses Ziel zu erreichen, gelte es „jetzt noch Lücken zu schließen“, so Warken. „In der Pflegeversicherung fehlen zwei Milliarden, in der Krankenversicherung auch zwei Milliarden.“
Diese Info kam durchaus überraschend. Bislang war man von einem GKV-Defizit von mindestens vier Milliarden Euro ausgegangen. „Die Zahl kann nach unten korrigiert werden nach den jüngsten Prognosen“, meinte Warken. Wie aber auch diese fehlenden Milliarden finanziert werden sollen, ließ Warken offen. Die Ministerin versprach eine „schnelle Entscheidung“ sowie eine „vernünftige Lösung“, ohne konkret zu werden. Man wolle sie aber noch vor der Tagung des Schätzerkreises präsentieren. Unterdessen hatte im September eine weitere Kasse ihren Zusatzbeitrag angehoben. Unsere Tabelle zeigt, wo Sie sich jetzt am günstigsten versichern lassen können.
Die Kassen selbst hatten zuletzt immer wieder vor Beitragserhöhungen gewarnt. Im Sommer etwa sagte uns Michaela Gottfried, Sprecherin des Verbands der Ersatzkassen: „Wir befürchten, dass die Beiträge im nächsten Jahr erneut steigen.“ Es brauche eine echte Reform, um die gesetzliche Krankenkasse zu retten, hieß es oft. „Es ist noch nicht zu spät, die Beiträge stabil zu halten“, erklärte jüngst auch der GKV-Spitzenverband.
Allerdings gingen die Ausgaben weit schneller als die Einnahmen nach oben. „Deshalb müssen wir nach wie vor davon ausgehen, dass die Zusatzbeiträge Anfang 2026 weiter steigen werden“, so GKV-Chef Oliver Blatt. „Auf politischer Ebene ist bisher nichts passiert, um das abzuwenden.“ Bis zum 15. Oktober muss etwas passieren. Dieses Datum ist für Millionen Versicherte entscheidend. (Quellen: Gesundheitsministerium, vdek, GKV-Spitzenverband).
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