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Vertragspoker in Dortmund

BVB-Gretchenfrage um Schlotterbeck: Wiederholt sich das Hummels-Trauma?

Die Zukunft von Nico Schlotterbeck beschäftigt die Fans des BVB.
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Die Zukunft von Nico Schlotterbeck beschäftigt die Fans des BVB.

Der Verlängerung mit Nico Schlotterbeck gilt beim BVB die höchste Priorität. Eine schnelle Entscheidung deutet sich nicht an. Es stellen sich Grundsatzfragen.

Dortmund – Stark zurückgekehrt, groß gefeiert, heiß umworben: Nico Schlotterbeck ist nach seiner Verletzung nicht nur sofort wieder der Leader beim BVB, sondern auch der Hoffnungsträger der Nationalmannschaft. Bundestrainer Julian Nagelsmann schwärmte vom „Super-Siegeswillen“ des 25-Jährigen, der nach nur 290 Minuten Einsatzzeit seit seinem Comeback auch wieder den Adler auf der Brust tragen wird.

Etwa fünfeinhalb Monate hatte der Innenverteidiger nach seiner Meniskusverletzung aus dem April verpasst. Dass der BVB dennoch die Aufholjagd auf die Champions-League-Plätze erfolgreich abschloss, ist durchaus bemerkenswert. Die lange Ausfallzeit hat die Pläne der Verantwortlichen dennoch beeinträchtigt. In die Vertragsgespräche mit Schlotterbeck kommt langsam aber sicher Zeitdruck.

Für den BVB wird die Causa Schlotterbeck zur Gretchenfrage

Zwar ist der Linksfuß noch bis 2027 gebunden, im modernen Fußball heißt das aber: Im Laufe dieser Saison muss eine Entscheidung her, damit ein Jahr vor Vertragsende Klarheit herrscht – ob Schlotterbeck länger bleibt oder für viel Geld verkauft wird. Wegen seiner glaubhaften Identifikation mit dem Klub galt eine Verlängerung dabei lange als Selbstläufer.

Doch die Aussagen von Schlotterbeck lassen so manchen Fan nervös werden. Vor dem Heimspiel in der Champions League gegen den Athletic Club aus Bilbao ließ er wissen: „So früh wird es nicht sein, dass ich meinen Vertrag verlängere.“ Zudem betonte der Vizekapitän zuletzt immer wieder seine Ambitionen auf Titel. Der BVB hat seit dem Double 2011/12 lediglich zweimal den DFB-Pokal geholt.

Natürlich sind unter anderem zwei Finalteilnahmen in der Königsklasse in diesem Zeitraum auch als Erfolg zu werten. Auf den Briefkopf schreibt sich aber kein Verein, dass er knapp am Henkelpott vorbeischrammte – oder 2023 den Bundesliga-Titel vergeigte. Fakt ist: Als Dortmund letztmals Deutscher Meister wurde, war Schlotterbeck zwölf Jahre alt.

Da liegt auf der Hand, dass einer der wenigen unumstrittenen Top-Spieler des Klubs sich nicht beim ersten Angebot auf einen langfristigen Vertrag einlässt. Die Charmeoffensive des BVB kommt einem Rundumschlag gleich: Schlotterbeck soll eine Gehaltsverdopplung winken, außerdem dürfte der Verteidiger mit der Dortmunder Kapitänsbinde ausgestattet werden.

Schlotterbeck weiß natürlich um seine starke Verhandlungsposition. „Der BVB wird mein erster Ansprechpartner sein und dann muss man schauen, wie sich die nächsten Monate entwickeln“, sagte er zuletzt. Dass die Spielerseite im Hintergrund andere Optionen zumindest abklopft, wäre nur logisch.

Der FC Barcelona unter Ex-Bundestrainer Hansi Flick, der Schlotterbeck noch 2021 als Profi des SC Freiburg erstmals nominierte, soll den spielstarken Schwaben auf dem Zettel haben. Lothar Matthäus empfiehlt ihn indes schon beim FC Bayern, sollte Dayot Upamecano seinen Vertrag nicht verlängern. Mit beiden Vereinen kann Dortmund in Sachen Prestige, Titelchancen und auch bei den Finanzen nicht mithalten.

Reus oder Hummels: Welchem BVB-Beispiel folgt Schlotterbeck?

Das freilich ist auch keine neue Erkenntnis. Nicht jeder Spieler wählt den einfacheren Weg. Es ist keineswegs auszuschließen, dass sich Schlotterbeck ein Beispiel an Marco Reus nimmt, der Dortmund erst im hohen Fußballer-Alter für ein Auslandsabenteuer verlassen hat. Das andere Beispiel dürfte den Fans mehr Sorgenfalten bereiten.

Mats Hummels hatte sich beim BVB vom Talent zum Spitzenspieler entwickelt, stieg dabei zu einem Publikumsliebling auf. 2016 ging er trotzdem zum FC Bayern, weil dort das Gesamtpaket aus Finanzen und Titeln stimmte. Hummels war seinerzeit 27 Jahre alt, Schlotterbeck wird im Dezember 26. Wohlgemerkt, bei Hummels spielte auch die Familie eine Rolle – und seine Vergangenheit beim FC Bayern.

Dennoch war der Abschied des Wortführers für den BVB wahrscheinlich ein härterer Schlag als etwa der Abgang von Mario Götze 2013 oder von Robert Lewandowski ein Jahr später. Bei Schlotterbeck stellen sich nun ähnliche Fragen. Kann der BVB seinen neben Torjäger Serhou Guirassy wohl wichtigsten Spieler halten? Was würde es über den Verein aussagen, wenn Schlotterbeck den Absprung wählt?

Den Fans würde es das Herz brechen, wenn ihr Liebling den BVB verlassen sollte. Schlotterbeck verkörpert alles, was sich die BVB-Anhänger wünschen – Identifikation, Leidenschaft und Spitzenniveau. Sein möglicher Abgang wäre nicht nur ein sportlicher, sondern vor allem ein emotionaler Verlust. Noch haben die Verantwortlichen die Chance, ein Paket mit Argumenten zu schnüren, um den GAU zu verhindern.

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