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Dortmunds „Lebensversicherung“

Guirassy-Statistik, die ihn nicht freut – aber Kovač umso mehr

Serhou Guirassy ist mit seinen Toren die „Lebensversicherung“ des BVB. Jetzt hat das Team von Coach Niko Kovač aber eine bessere Balance erreicht.

Dortmund – Niko Kovač bezeichnet Serhou Guirassy immer wieder als die Lebensversicherung von Borussia Dortmund. Problematisch wird es allerdings, wenn daraus eine echte Abhängigkeit entsteht. Eine solche Tendenz deutete sich in den ersten Spielen der neuen Saison an. Zuletzt konnte sich der BVB jedoch davon befreien: An den letzten sechs Treffern war Guirassy nur einmal als Vorlagengeber beteiligt.

Niko Kovač kann sich auf Serhou Guirassy beim BVB verlassen.

Seit Guirassys letztem Tor beim 2:0-Sieg in Heidenheim am 13. September haben fünf verschiedene BVB-Akteure getroffen: Maximilian Beier noch in derselben Partie, danach folgten beim spektakulären 4:4 bei Juventus Karim Adeyemi, Felix Nmecha, Yan Couto und Ramy Bensebaini. Beim jüngsten 1:0 gegen Wolfsburg war es erneut Adeyemi, der den entscheidenden Treffer erzielte.

Guirassy ist Dortmunds Weltklasse-Stürmer, aber kein Alleinunterhalter

Diese Entwicklung dürfte Kovač durchaus gefallen. Wenn die Last des Toreschießens sich auf viele Schultern verteilt, macht das eine Mannschaft automatisch schwerer zu verteidigen. Wolfsburg nahm Guirassy am Sonntagabend effektiv aus dem Spiel, der Stürmer hatte nur eine echte Abschlusschance in der Schlussphase. Den Sieg gab es, weil Karim Adeyemi einen Hammer auspackte.

Dass Guirassy Weltklasse-Format besitzt, steht außer Frage. In seiner ersten BVB-Saison wurde er Co-Torschützenkönig der Champions League und der FIFA Klub-WM. Beim Ballon d‘Or landete er immerhin auf Platz 21. Doch es tut jeder Mannschaft gut, wenn sich nicht alles auf eine Personalie konzentriert. Die jüngste Torverteilung zeigt: Der BVB ist auf dem besten Weg, eine Balance zu finden.

Für den BVB ist es ein entscheidendes Signal, dass die Mannschaft auch dann erfolgreich sein kann, wenn Guirassy nicht selbst trifft. Diese Erkenntnis könnte sich als besonders wertvoll erweisen, sollte der Stürmer irgendwann in der Saison verletzungsbedingt ausfallen. Der neue Backup Fábio Silva konnte bisher noch nicht für den BVB auflaufen und ist so noch die große Unbekannte.

Kovač setzte dabei zuletzt wiederholt auf seine drei verfügbaren Angreifer im Zusammenspiel: Adeyemi und Beier profitieren davon, dass Guirassy die größte defensive Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Verantwortung so auf verschiedene Schultern zu verteilen, ist das Zeichen einer gesunden und reifen Fußballmannschaft.

Dass Guirassy dabei nicht frustriert reagiert, sondern seine Rolle annimmt und für die Kollegen arbeitet, spricht für seine Professionalität und Teamfähigkeit. Da bleibt auch nichts vom Elfmeter-Streit aus Turin hängen, als der Guineer nur widerwillig zugunsten von Bensebaini klein beigab. Beim BVB sehen sie die Situation als Zeichen des großen Torhungers, der jeden Top-Stürmer auszeichnet.

Natürlich bleibt Guirassy absolut unverzichtbar. Das Stichwort „Lebensversicherung“ fällt bei Kovač ja nicht von ungefähr immer wieder. Das Minutenzählen wird sicher noch nicht beginnen, aber ein Top-Stürmer ist nie komplett zufrieden, wenn er nicht selbst getroffen hat. Am Samstag in Mainz will Guirassy seine Mini-Flaute wieder beenden.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Fabian Friese

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