„Dürfen sich warm anziehen“
Heufeld vom Fast-Absteiger zum Pokalwunder: Derby gegen Bruckmühl erstmals seit 14 Jahren
Ein A-Klassist im Halbfinale? Kaum zu glauben, aber wahr: Der SV DJK Heufeld sorgt vom Fast-Absteiger zum Pokalwunder in der Region. Zum 75-jährigen Jubiläum der Fußballabteilung trifft das Team von Coach Hans Waldhör nun ausgerechnet auf den Bezirksligisten SV Bruckmühl – zum ersten Lokalderby seit 2011.
Heufeld (Bruckmühl) – Noch im Frühjahr roch es in Heufeld streng nach Abstieg. Der SV DJK taumelte durch die A-Klasse 1, suchte nach sich selbst – und fand stattdessen einen neuen Trainer, der jetzt das Märchen des Jahres schreibt. Der eigentliche Kapitän Hans Waldhör, 34 Jahre alt, nur als Übergangslösung gedacht, hat die Rot-Weißen nicht nur vor dem Absturz gerettet. Er hat ihnen Beine gemacht, Herz eingepflanzt – und Mut, den man im Amateurfußball selten sieht.
Anfang April, als Waldhör übernahm, war Heufeld Tabellen-Zwölfter – und damit Vorletzter. Acht Spiele später stand fest: Der direkte Klassenerhalt ist geschafft. Zwei Siege, fünf Unentschieden, nur eine Niederlage – unscheinbar auf dem Papier, aber im Kopf der Mannschaft ein Befreiungsschlag. „Wir haben gelernt, dass es nur über das Team geht“, sagt Waldhör. Kein Star, kein Ego, kein Jammern – nur Arbeit, Zusammenhalt und der feste Glaube daran, dass man mehr kann, als alle denken.
Bruckmühl: Heufeld im Pokal-Halbfinale – Derby erstmals seit 2011
Und jetzt? Jetzt reden sie nicht nur in Bruckmühl über die Heufelder. Über diesen Verein vom Gerhard-Walz-Weg, der im 75. Jubiläumsjahr plötzlich die Großen ärgert. Der in der Liga auf Platz sechs steht, nur drei Punkte von der Aufstiegsrelegation entfernt – und im Toto-Pokal einfach mal Geschichte schreibt. Denn: Zum ersten Mal überhaupt steht der SV DJK Heufeld im Halbfinale. Im Halbfinale! Ein Klub, der vor einem halben Jahr fast in die B-Klasse gestürzt wäre, darf jetzt vom Pokalfinale träumen. Die Liste der Opfer liest sich wie ein Drehbuch aus der Kategorie „Underdog-Fieber“. Erst der SC Höhenrain, dann der ESV Rosenheim, TSV Hohenthann-Beyharting – alle in der Gruppenphase hinter Heufeld. Danach SG Frasdorf I/Söllhuben I im Achtelfinale mit 2:1 eliminiert. Im Viertelfinale der nächste Coup: 3:1 gegen den Kreisklassisten ASV Kiefersfelden. Waldhörs Männer rennen, kämpfen, glauben. Und sie spielen Fußball, der nicht nach Notlösung aussieht, sondern nach System. „Wir haben klare Prinzipien, und die Mannschaft setzt sie um“, erklärt der Coach.
Was das heißt, sieht man auf dem Platz: aggressiv, laufstark, mit einem Fokus, der bis in die Nachspielzeit reicht, wie man zuletzt gegen den FC BiH Rosenheim sehen konnte. „Wir ziehen bis zur 95. Minute durch“, sagt Waldhör, und man glaubt es ihm sofort. Denn seine Jungs haben sich vom Verlierer-Image verabschiedet. Sie sind hungrig geworden. Und jetzt steht also das Lokalderby an. Ein Spiel, das es so seit 14 Jahren nicht mehr gegeben hat. Heufeld gegen Bruckmühl – das klingt nach Blutdruck, Bier und ganz viel Fußballseele. Das letzte Duell datiert vom Mai 2011. Damals hieß das Ergebnis 6:2 für den SV Bruckmühl. Der letzte Heufelder Sieg? 7:1 im Mai 2005. Eine andere Zeit, andere Namen – aber die Rivalität, die ist geblieben.
Am Dienstagabend (7. Oktober, 19.30 Uhr) kommt es wieder zum Showdown. Drei Klassen trennen die Teams: Bruckmühl spielt Bezirksliga, Heufeld „nur“ A-Klasse. Doch der Unterschied auf dem Papier interessiert Waldhör wenig. „Uns ist es inzwischen eigentlich komplett egal, wer uns gegenübersteht. Die Favoritenrolle liegt klar bei Bruckmühl“, sagt er, „aber sie dürfen sich warm anziehen zu uns nach Heufeld zu kommen.“ Es ist diese Mischung aus Respekt und Angriffslust, die seine Mannschaft trägt. Ein bisschen „David gegen Goliath“, ein bisschen Dorf gegen Stadtteil, ganz viel Herzblut. Heufeld, das ist in diesen Tagen kein Tabellenelfter, kein Außenseiter mehr – sondern ein Phänomen, das man sich anschauen muss, um es zu glauben.
Heufeld gegen Bruckmühl: Derby im Halbfinale des Toto-Pokals
Der Trainer selbst wirkt dabei wie das Symbol einer neuen Zeitrechnung. Einer, der klare Worte findet, aber keine großen Reden schwingt. Einer, der seinen Spielern Verantwortung gibt, statt sie zu kontrollieren. „Wir haben in den letzten Monaten so viel umgesetzt, dass wir jetzt absolut verdient da stehen, wo wir stehen“, sagt er. Kein Glück, keine Zufälle – einfach ehrliche Arbeit. Und vielleicht ist es genau das, was diese Geschichte so faszinierend macht. In einer Zeit, in der selbst im Amateurfußball oft vom „Projekt“ die Rede ist, erinnert Heufeld daran, warum Menschen diesen Sport lieben. Weil er immer wieder beweist, dass Leidenschaft Tabellen sprengen kann.
Natürlich wird am Dienstag alles gegen sie sprechen. Bruckmühl hat – trotz der vielen Ausfälle – Tempo, Erfahrung, Qualität und eine kleine Erfolgsserie im Gepäck. Doch Heufeld hat etwas, das sich nicht trainieren lässt: diesen unerschütterlichen Glauben daran, dass es möglich ist. Und wer Waldhör reden hört, merkt schnell, dass er nicht gekommen ist, um mitzuspielen. „Wir werden mit vollem Fokus versuchen, ins Finale zu kommen“, sagt er. Kein Satz klingt überheblich, keiner nach Größenwahn. Nur nach Überzeugung. Vielleicht ist das das Erfolgsgeheimnis: kein Theater, kein Trara – nur Fußball.
Und wenn man ihn auf die turbulente Entwicklung anspricht, bleibt er bescheiden. „Ich bin einfach stolz auf die Mannschaft“, sagt Waldhör. „Dass wir nach so einer Saison, in der uns schon jeder abgeschrieben hatte, so zurückkommen, das ist nicht selbstverständlich.“ Stolz, Fleiß, Freude – drei Wörter, die man in Heufeld in diesen Tagen oft hört. Der ganze Ort fiebert mit, nicht die Tribüne, weil auf dem Hauptplatz nach wie vor kein Flutlicht vorhanden ist, aber die Seitenlinie, wird am Dienstag wohl aus allen Nähten platzen. Und wer weiß – vielleicht schreibt der Toto-Pokal sein nächstes Kapitel im Heufelder und nicht Bruckmühler Rot-Weiß. Denn im Fußball, das sagt man so gern, ist alles möglich. Aber in Heufeld, das darf man ruhig glauben, scheint es derzeit ein bisschen wahrscheinlicher zu sein. (mck)