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In der jüngsten Aufstiegssaison gegen Kirchanschörings Stefan Judex: DJK-Kapitän Florian Berger (rechts). Zuletzt gründete er mit einigen Freunden den Bayern-Fanclub „Rote Attacke Weildorf“.
Vom Ausnahmezustand in der Aufstiegsrelegation zum Tabellenende nach sieben Spieltagen in der Fußball-Kreisliga 2: DJK Weildorfs Kapitän Florian Berger erklärt, woran es liegt, wie groß der Unterschied zur Kreisklasse wirklich ist – und warum noch niemand die Nerven verliert.
Weildorf – Nach drei „sehr lehrreichen“ Jahren beim SV Wacker Burghausen mit Spielen von der U13 bis zur U15, mitunter in der Bayernliga bis Ingolstadt rauf, kehrte er zu seinem Heimatverein DJK Weildorf zurück: Florian Berger, Kapitän, mittlerweile 25, früher Rechtsaußen, auch mal Stürmer, aktuell als „Sechser“ defensiver Mittelfeldspieler und Taktgeber für sein Team in diesem wichtigen Spielfeld-Areal. Der Aufstieg in die Kreisklasse erfolgte in der Corona-Abbruch-Saison 2019/21 als „Quotienten“-Meister (punktgleich mit Bayerisch Gmain) ohne echte Aufstiegsfeier auf dem Platz.
In der vergangenen Saison klappte dann der unverhoffte Sprung in die Kreisliga – eine fulminante Rückkehr nach 22 Jahren. Bis heute kaum in Worte zu fassen: Das Weildorfer Relegationsspiel gegen den FC Hammerau vor rund 1800 Zuschauern in Petting. Die DJK drehte einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg, schickte den Club damit in die Kreisklasse 4 und stieg selbst in die Kreisliga 2 auf (beinschuss.de berichtete ausführlich). Mittlerweile sind in der neuen Saison sieben Spieltage absolviert und der Aufsteiger kann eine erste kleine Bilanz ziehen – deshalb haben wir mit DJK-Teamleader Flore Berger gesprochen.
Weildorf: DJK-Kapitän Florian Berger über die Fußball-Kreisliga 2
Nach sieben Spieltagen kann man sicher noch nicht von einer restlosen Akklimatisierung in der Kreisliga sprechen. Wie sehr sind Sie und Ihr sehr junges Team trotzdem schon auf diesem Niveau angekommen? Wo liegt der größte Unterschied zur Kreisklasse?
Florian Berger: Es spielt sich fast alles im Kopf ab. Spielerisch würde ich nicht von einem so großen Unterschied sprechen wollen. Es ist alles ein wenig schneller, die Entscheidungen auf dem Feld müssen rascher getroffen werden. Freistöße werden meist rascher ausgeführt als in der Kreisklasse. Körperlich ist es ein wenig intensiver, die höhere Liga erkennt man natürlich schon.
Ihr Team konnte in den ersten beiden Spielen kein Tor erzielen, im dritten hat es dann – beim spektakulären 3:4 in Engelsberg – geklappt: Michael Baumgartner war es vorbehalten, den ersten Kreisliga-Treffer nach über zwei Jahrzehnten zu erzielen. Wie erlösend war das?
Berger: Schön, aber nicht wirklich befreiend, weil wir schon 0:3 hinten lagen. So toll war das Gefühl deshalb nicht.
Was genießen Sie in der höheren Liga besonders?
Berger: Dass wir jetzt die Gemeinde-Derbys gegen TSV Teisendorf und SV Oberteisendorf haben. Dazu noch SC Anger, das ebenfalls nicht weit weg ist. Die vielen neuen Gegner sind natürlich interessant.
Gegen Oberteisendorf (1:1) kamen fast 600 Zuschauer, die an einem Dorfplatz natürlich für eine außergewöhnliche Kulisse sorgen. Sind Sie vor so vielen Leuten nervöser als wenn „nur“ 100 da sind?
Berger: Eigentlich nicht. Im Spiel selbst ist man derart konzentriert, dass man das Außenrum gar nicht so mitbekommt…
Berger: So ist es. Diesmal hatten wir im Grunde nichts zu verlieren. Für uns konnte es nur nach oben gehen, nicht nach unten. So konnten wir nur gewinnen, Hammerau hatte viel zu verlieren.
Wie erging es Ihnen, als das 0:2 fiel?
Berger: Wir wussten, dass wir jetzt rasch eine Reaktion zeigen mussten, da es sonst sehr eng werden würde. Hoffnung hat man immer. Letztlich ist es dann optimal für uns gelaufen. Der Weildorfer Fanmarsch war natürlich eine Schau und hat uns zusätzlich motiviert.
Zurück zur aktuellen Saison: Wie erklären Sie sich, dass Sie ausgerechnet gegen den aktuellen Tabellendritten Seeon-Seebruck (sogar noch mit einem Spiel im Rückstand) den bislang einzigen Sieg nach dem Aufstieg einfahren konnten – mit 3:0 noch dazu klar?
Berger: Das ist immer schwer zu sagen, die Aufstellung, die Tagesform – an diesem Tag hat es mit der offenbar richtigen Taktik einfach für uns gepasst. Seeon-Seebruck war bislang tatsächlich unser „leichtester“ Gegner.
Söchtenau-Krottenmühl nutzt Chancen eiskalt – Weildorf offensiv zu harmlos
Was war im Umkehrschluss die Schwierigkeit beim 0:4 in Anger?
Berger: Man spürt sofort, wenn man auf eine so routinierte und in dieser Liga eingespielte Mannschaft trifft. Anger ist schon lange vorn dabei. Ich muss aber auch sagen, dass wir dort in der ersten Halbzeit wirklich gut mitgespielt haben und es sogar eine Stunde lang ein Spiel auf Augenhöhe war.
Resigniert man aber ein Stückweit, wenn man merkt, dass heute einfach nichts geht?
Berger: Der Unterschied ist, dass Anger seine Chancen halt irgendwann einfach reinmacht. Wenn du dann dort 0:2 hinten bist, wird’s extrem schwer. Wir kämpfen immer bis zum Schluss, aber wenn man mehr riskieren muss, werden die Abstände größer. Speziell Anger ist in diesen Situationen eiskalt. Am Ende ist es egal, ob man 0:2 oder 0:4 verliert, wenn man das Risiko eingegangen ist und es zumindest probiert hat. Wesentlich schlechter waren wir bei keiner der Niederlagen, es fehlt nicht viel, die Erfahrung kommt mit Spiel zu Spiel.
Weildorfs Berger spielte in der Jugend gegen Stanisic, Stiller und Co.
Wie lange hängt Ihnen eine (klare) Niederlage nach?
Berger: Man muss schauen, es rasch aus dem Kopf zu bekommen, damit es weitergehen kann. Wir reden darüber in der Arbeit – ich habe dort zwei Teamkollegen –, und in der Kabine. Aber es ist schnell abgehakt. Jammern hilft in diesen Momenten nicht weiter.
Sie stehen mit vier Punkten und 7:16 Toren aus sieben Spielen am Tabellenende der 14er-Liga. Ist ganz lapidar ausgedrückt das Toreschießen derzeit das Problem?
Berger: Wir bekommen es eigentlich bis zur letzten Situation ganz gut hin, verpassen aber dann vorn den nötigen Abschluss. Spielerisch lösen wir die Dinge also schon ganz gut, müssen aber noch viel schneller aufs Tor kommen und dort kaltschnäuziger agieren. Im Vergleich zur letzten Saison bekommen wir leider auch mehr Gegentreffer pro Spiel.
Wie ist die Stimmung in der Kabine?
Berger: Wir sind positiv gestimmt. Am Ende sollten wir über dem Strich stehen, das ist das Ziel.
Zum Abschluss drei persönliche Fragen: Haben Sie als Jugendlicher mit Burghausen gegen heute große Namen gespielt?
Berger: Tatsächlich habe ich da kürzlich nachgeschaut: Ich hatte Partien gegen Josip Stanisic (heute Bayern), als er noch bei den Löwen war, und den aktuellen Nationalspieler Angelo Stiller (heute Stuttgart), der damals bei den Bayern spielte. Bei mir im Team war beispielsweise Ex-Löwe Fabian Greilinger, der aktuell bei SV Wehen Wiesbaden in der 3. Liga spielt.
Berger: In einem Laufduell gegen Thomas Prantler war ich definitiv zu spät dran. Mit der Zehn-Minuten-Zeitstrafe kam ich gut davon, es wäre Gelb-Rot gewesen.
Mit rund 850 Einwohnern drei Erwachsenen-Teams zu haben, ist schon außergewöhnlich (beinschuss.de berichtete). Genauso wie Ihr Familienname, der bei der DJK Weildorf hochpräsent ist. Kennen Sie die Verwandtschaftsverhältnisse aller Bergers im Verein oder ist das zu kompliziert?
Berger (lacht): Wir sind Brüder, Cousins, viele Großcousins. Und ich habe den Überblick. Wir Bergers haben schon als Kinder im Garten und im Dorf immer nur Fußball gespielt – daher haben wir jetzt so viele im Verein. (bit)