Doch wie kam es überhaupt dazu?
Apfel, Kumquat, Eiche & Co. – Heimische Fußball-Vereine beteiligen sich an Baumpflanz-Challenge
Im Berchtesgadener Land rollt eine ungewöhnliche Welle durchs Amateurfußball-Land: Die Baumpflanz-Challenge sorgt für Kreativität, Lacher und überraschend viel Nachhaltigkeit. Heimische Vereine filmen ihre Pflanzaktionen, nominieren die nächsten und bringen so einen Trend zum Blühen, der längst über die Fußballgrenzen hinauswächst. Doch wie kam es überhaupt dazu – und warum machen plötzlich alle mit?
Berchtesgadener Land – Eine Eiche beim SC Anger und beim SV Saaldorf, Apfelbäume beim ASV Piding, SV Neukirchen oder FC Bischofswiesen, ein Kumquat (Zwergorange) beim TSV Bad Reichenhall, ein bunter amerikanischer Amberbaum beim SV Oberteisendorf, und eine Fichte beim WSC Bayerisch Gmain: Die Baumpflanz-Challenge macht gerade in den sozialen Medien die Runde und findet vor allem bei heimischen Fußball-Vereinen Anklang. Stets wird ein Baum am Rande des eigenen Sportplatz-Geländes gepflanzt, ein kurzes Video davon erstellt und online gestellt. Im Rahmen der Aktion werden meist drei weitere Vereine nominiert, die für ihre Baum-Setzung eine Woche Zeit bekommen. Erfolgt die Pflanzung nicht innerhalb von sieben Tagen, ist eine Brotzeit für jenen Verein fällig, der die Nominierung aussprach.
Freilich ist das Ganze hie und da nicht von bierernstem Charakter begleitet – Gerstensaft wäre bei Nichterfüllung ebenfalls fällig –, am Ende mach(t)en sich die meisten Fußballer dann aber doch wirklich Gedanken. Schließlich ist die Aktion mit einer gewissen Nachhaltigkeit ausgestattet, da bayernweit bereits mehrere hundert Bäume gepflanzt wurden. Der SV Saaldorf – mit Stürmer Markus Rehrl und Abwehrspieler Robert Hafner – knüpfte seine Nominierung nach der Pflanzung einer Eiche neben der Mehrzweckhalle an eine Bedingung: Beim ESV Freilassing müsse Ex-SVS-Spieler Timo Portenkirchner den Baum setzen. Der „Eisenbahner“-Kicker nahm die Aufforderung an und schenkte mit Hilfe von Teamkollege Maxi Streibl einer Tanne am Rande des ESV-Biergartens an der Reichenhaller Straße einen neuen Platz. An diesen hingen die Grenzstädter am letzten Landesliga-Heimspieltag jüngst gegen Schwabing noch ein kleines blaues Trikot inklusive einer Weihnachtsbeleuchtung in der gleichen Vereinsfarbe.
Berchtesgadener Land: Wie es zur Baumpflanz-Challenge der Fußballer kam?
Die Teisendorfer nominierten, damit „die Gmoa beinand is“, die Nachbarn und Liga-Konkurrenten SV Oberteisendorf und DJK Weildorf, die einem Fächer-Ahorn einen guten Platz am Spielfeldwall schenkten, sowie den SV Neukirchen. Die Crew von der A8 agierte dabei besonders akribisch und befestigte ihren Apfelbaum professionell mit zwei weiteren Stempen. Die Kicker des WSC Bayerisch Gmain wollten ursprünglich und wie die nominierenden Reichenhaller einen Orangenbaum pflanzen: „Damit wir künftig gleich Material für unsere Aperol-Bar am Stadtfest haben“, schmunzelte Abteilungsleiter Much Färbinger. „Aber leider sahen wir für dieses Exemplar in unseren Breiten wenig Überlebenschancen.“ Keine Orangen, aber Äpfel möchten die Pidinger Kicker irgendwann mal nach dem Training direkt neben der Autobahn ernten.
Der SV Laufen musste erst bei der Stadtverwaltung nachfragen, wo ein Bam gepflanzt werden darf, weil das Sportplatz-Gelände nicht dem Verein gehört. Mittlerweile setzten Maxi Obermayer, David Thalmaier und Adrian Braunsperger eine Traubenkirsche und nominierten nicht nur einen Fußballverein, sondern auch den Trachtenverein und ein Gasthaus in Laufen. Der BSC Surheim stellte die Erlaubnisfrage bei seiner Gemeinde, Verteidiger Alex Mader und Keeper Basti Lederer setzten am vergangenen Freitag eine Birke ein. Ein Wildapfel-Baum wurde es bei den Saaldorfer Damen um Spielertrainerin Katrin Zellner, die von den Angerer Herren nominiert worden waren. Einem Lebensbaum schenkten die Kreisklassen-Kicker des FC Hammerau um Sebastian Böhm und Julian Jung einen neuen Ort zum Wachsen.
Baumpflanz-Challenge der heimischen Fußballer: Die besten Fotos




Baumpflanz-Challenge im BGL: Der Ursprung liegt bei den Feuerwehren
Der Ursprung der Baumpflanz-Challenge liegt übrigens beim Landesfeuerwehrverband Bayern. Durch die Folge-Nominierungen von meist je drei Vereinen potenziert sich die Aktion freilich rasch nach oben und erhält die entsprechende Reichweite. Jüngst pflanzte Fußball-Weltmeister Philipp Lahm einen Baum und machte damit auch von prominenter Seite auf die Aktion aufmerksam. Der frühere Kapitän der Nationalmannschaft nominierte unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Die Wurzel von „Challenge-Aktionen“ ist in den sozialen Medien beheimatet: In viralen Videos wurde darin aufgefordert, eine bestimmte Aktion nachzuahmen und sich dabei selbst zu filmen, um Aufmerksamkeit oder Likes zu erhalten. Ursprünglich entstanden viele der Herausforderungen aus dem Wunsch, Gutes zu tun oder auf Krankheiten wie ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) mit der „Ice Bucket-Challenge“ aufmerksam zu machen. Die „Cinnamon Challenge“ (Zimt-Herausforderung) wird oft als eine der ersten prominenten und viralen Internet-Challenges angesehen. Bleibt nun abzuwarten, ob sich die jüngste Baumpflanz-Aktion auf Vereine anderer Sportarten ausweitet. (bit)
Die Videos der heimischen Vereine können in der Regel auf den entsprechenden Insta-Seiten abgerufen und angesehen werden.