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Asphalt-Analyse im Januar

1020 PS, Flügeltüren und ein bekanntes Problem: Meine Woche mit Teslas Luxus-SUV

Das Tesla Model X Plaid katapultiert 2,5 Tonnen in 2,6 Sekunden auf Tempo 100. Doch kann das Luxus-SUV mit den Flügeltüren auch im Alltag überzeugen? Meine Asphalt-Analyse.

München – Im Sommer 2025 war das Tesla Model X in Deutschland nicht mehr bestellbar – und manch einer mag geglaubt haben, es würde auch nicht mehr zurückkehren. Das riesige Elektro-Luxus-SUV, das innen eigentlich mehr wie ein Van wirkt, ist schließlich nicht wirklich ein Verkaufsschlager. Das hängt unter anderem mit dem hohen Preis für den mehr als fünf Meter langen Stromer zusammen, aber natürlich auch damit, dass sich Tesla hierzulande generell sehr schwertut. Doch das Model X hat nun noch einmal ein kleines Facelift spendiert bekommen und lässt sich auch wieder ordern.

Das Tesla Model X hat noch einmal ein Facelift bekommen. Wir haben die Plaid-Version eine Woche im Alltag getestet.

Ein Hingucker ist das Elektro-SUV mit den „Flügeltüren“ nach wie vor. Obwohl es schon seit 2015 auf dem Markt ist, wirkt es immer noch modern. Lediglich dem Heck merkt man das Alter etwas an. Der feste Spoiler (fuhr sich bei früheren Versionen ein- und aus) wirkt irgendwie aufgepfropft. Ein paar Kleinigkeiten wurden im Facelift jetzt nachgerüstet, wie etwa eine Frontkamera und eine Ambientebeleuchtung. Doch reicht das? Ich wollte wissen: Ist Teslas Flaggschiff, das in Fremont (Kalifornien) gebaut wird, immer noch auf Kurs? Oder ist auch die Technik nicht mehr State-of-the-Art? Eine Woche lang war ich unterwegs – in der mehr als 1000 PS starken Top-Version mit dem Namenszusatz „Plaid“. Hier sind meine Erfahrungen.

Die Asphalt-Analyse – mein monatlicher Autotest

Jeden Monat teste ich ein Fahrzeug eine Woche lang im Alltag und beantworte dabei fünf grundlegende Fragen, die sich wohl jeder Autofahrer stellen würde. Statt technischer Details im Überfluss gibt es ehrliche Eindrücke: Was funktioniert gut, was nervt wirklich? Unsere Asphalt-Analyse zeigt Ihnen, wie sich das Auto anfühlt – nicht nur, wie es auf dem Papier aussieht.

Die ersten 5 Minuten mit dem Tesla Model X: Finde ich mich gleich zurecht?

Für mich ist es nicht die erste Fahrt in einem Tesla – aus meiner Sicht ist fast alles selbsterklärend. Wer noch nie in einem Stromer des US-Herstellers saß, muss sich vielleicht ein wenig umgewöhnen. Aber eben auch nur ein wenig. Einen „echten“ Gangwahlhebel gibt es beispielsweise nicht: Am Zentraldisplay wird der Vorwärts- oder Rückwärtsgang per Wischbewegung ausgewählt. Startknopf? Fehlanzeige. Sobald man als Fahrer mit der gekoppelten Smartphone-App oder der Keycard einsteigt, ist das Model X abfahrbereit.

Der 17,4-Zoll-Touchscreen ist das zentrale Bedienelement im Tesla Model X. Er lässt sich elektrisch Richtung Fahrer oder Beifahrer neigen.

Doch: Schon bei der Ausfahrt vom Parkplatz greift die linke Hand ins Leere. Die ernüchternde Erkenntnis: Auch das Model X hat keinen Blinkerhebel, sondern die „gefürchteten“ Tasten am Lenkrad. Die haben mich schon beim Test des Model 3 enorm gestört. Und in Teslas Luxus-SUV sind die Tasten leider noch einmal schlimmer – dazu später mehr.

Das würde mein Nachbar fragen

„Ist das das Auto aus ,Zurück in die Zukunft’ oder wie?” Naja, nicht ganz. Der DeLorean aus dem 1980er-Jahre-Filmklassiker war eine ganze Ecke kleiner. Und der Tesla hat genau genommen auch keine Flügeltüren. Der Autobauer nennt sie Falcon Doors – denn sie bestehen aus zwei Elementen mit Gelenk. Dadurch brauchen sie seitlich nicht so viel Platz beim Öffnen. Und im Gegensatz zum Leinwand-DeLorean hat das Model X die nach oben öffnenden Türen nur für die zweite Reihe. Für Fahrer und Beifahrer gibt es herkömmliche Türen. Wobei: Ganz „herkömmlich“ sind sie nicht – auch diese lassen sich per Knopfdruck elektrisch öffnen und schließen

Sowohl die Falcon-Doors als auch die „normalen” Türen sowie der Kofferraumdeckel lassen sich per App öffnen. Das ist durchaus praktisch – und sorgt nebenbei auf dem Supermarktparkplatz auch für einen netten Showeffekt. Doch nicht alles ist perfekt: Eine eher fragwürdige Funktion ist das automatische Öffnen der Fahrertür, wenn man sich mit Handy/Schlüsselkarte nähert. Denn die Tür springt recht ruckartig auf. Dann kann diese schon mal jemandem ins Kreuz knallen. Man muss nicht unbedingt Angst vor blauen Flecken haben, aber irgendwie hatte ich immer Sorge, dass die Tür irgendwo anschlägt und Schaden nimmt – auch wenn es bei mir nicht dazu kam. Außerdem reagiert das System oft kurios: Manchmal versperrt sich das Auto, und der Druck auf den Türknopf bleibt ohne Erfolg. Jetzt zückt man das Telefon, um den Wagen zu entriegeln – doch bevor man dort den entsprechenden Knopf drückt, springt die Tür von selbst auf.

Die aerodynamische Silhouette des Tesla Model X kaschiert die wahren Ausmaße: Das SUV ist mehr als fünf Meter lang – doch das fällt eigentlich erst auf, wenn andere Fahrzeuge danebenstehen.

Braucht es nun unbedingt die „Flügeltüren“? Es ist ein wenig wie bei Loriot: Ein Leben ohne Flügeltüren ist möglich, aber sinnlos. Jetzt mal im Ernst: Die Falcon Doors lassen einfach das Herz eines Autofans höher schlagen: Wer hat schon sowas? Und ein bequemer Einstieg ist damit auch gewährleistet. Allerdings fragt man sich beim Anblick der komplexen Mechanik auch unweigerlich: Wie lange dauert es, bis diese Technik kaputtgeht? Was die Qualität angeht, genießt Tesla nicht den allerbesten Ruf – das bewies jüngst der TÜV-Report 2026. An der subjektiv wahrgenommenen „Anfass“-Qualität gibt es – speziell im Innenraum – aber nichts auszusetzen. Wer etwas kritisieren will, stört sich vielleicht an den doch etwas größeren Spaltmaßen, etwa der Kofferraumfuge.

Die Beifahrer-Jury: Was sagen die Mitfahrer zum Tesla Model X Plaid?

Was die Mitfahrer sagen? Nichts. Zumindest nicht, wenn man ihnen die wirklich – im wahrsten Sinne des Wortes – atemberaubende Beschleunigung demonstriert. Im sogenannten Plaid-Modus katapultieren die 1020 Allrad-PS das tonnenschwere SUV in 2,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Ich habe die Zeit nicht gestoppt – aber wer hier mitfährt, zweifelt die Datenblatt-Werte nicht an. So muss sich ein Warp-Antrieb anfühlen, der Sound jedenfalls passt. Die Maximalgeschwindigkeit gibt Tesla mit 262 km/h an – allerdings war unser Wagen mit Winterreifen (nur bis 240 km/h zugelassen) ausgestattet. Der Tesla kann übrigens auch einiges ziehen: Die Anhängelast liegt bei 2250 Kilogramm. Das Fahrwerk lässt sich in drei Stufen einstellen: Komfort, Standard und Sport. Mir war Komfort im Alltag einfach zu weich, ich präferierte die Standard-Stufe. Sport ist dann schon ziemlich straff.

In ganz frühen Tesla-Modellen nannte sich das Fahrprogramm mit der maximalen Beschleunigung „Von-Sinnen-Modus“. Das würde auch hier passen – doch im Model X nennt sich die Funktion „Plaid“.

Ansonsten sorgen natürlich die spektakulären Falcon-Doors bei Mitfahrern für Begeisterung – sowie die Tatsache, dass auf allen sechs Sitzplätzen eine Sitzheizung verbaut ist. Im Winter ein nicht zu verachtendes Extra. Auch das Wohfühl-Ambiente wird gelobt. Bei Kindern kommen natürlich die verbauten Späßchen an, die allerdings in allen Tesla-Modellen zu finden sind. Natürlich kann auch das Model X eine Lichtshow samt Musik darbieten (mit öffnenden Türen und Kofferraum). Und auch die Furzgeräusche sind mit an Bord, genauso wie „witzige“ Hup-Sounds. Hat man allerdings alles einmal ausprobiert, verliert es auch schnell den Reiz.

Der Realitätscheck: Was ist gut – und was nervt am Luxus-Tesla?

Fangen wir mit den Dingen an, die im Tesla Model X wirklich nerven. Leider sind es eigentlich Kleinigkeiten – doch die können einen je nach Verkehrssituation und Wetterlage so richtig auf die Palme bringen:

  • Knopfdruck-Blinker: Ein echter Totalausfall sind die Blinker-Tasten im Kreisverkehr: Muss man wie in Deutschland vorgeschrieben beim Ausfahren blinken, braucht es zirkusartige Verrenkungen – das erhöht definitiv die Unfallgefahr. Zumindest mein Modell hat obendrein einen wirklich grauenhaften Druckpunkt, der kaum zu spüren ist: Man weiß nicht sofort, ob man blinkt oder nicht. Dazu kommt, dass sich die Knöpfe kaum „ertasten“ lassen – sie müssten zumindest mit einer Art Raster-Oberfläche oder Ähnlichem versehen sein, um sie blind zu finden. Gerade im Dunkeln greift man oft daneben – oder man betätigt aus Versehen die Lichthupe.
Druckknöpfe statt Blinkerhebel: Vor allem im Tesla Model X trübt diese schlecht umgesetzte Technik nicht nur den Fahrspaß, sondern erhöht auch die Unfallgefahr.
  • Störrischer Scheibenwischer: Der wischt manchmal auch bei trockener Scheibe – dafür dann bei Regen wieder nicht. Meiner Beobachtung zufolge hat er vor allem mit leichtem Sprühregen ein Problem – dieser wird nicht richtig erkannt und man muss manuell (auch per Lenkrad-Knopf) den Wischvorgang auslösen.
  • Lenkrad verdeckt Auspark-Hilfe: Die Kameras des Tesla Model X leisten sehr gute Arbeit beim Erfassen der Umgebung: Das hilft einem beim Ein- und Ausparken – zumindest in der Theorie. Leider wird das aus den Kameras generierte Vogelperspektiv-Bild auf dem Tacho-Display dargestellt und nicht auf dem großen Display in der Mitte. Das Problem: Sobald man das Lenkrad dreht, ist das Bild häufig durch eine der drei dicken Speichen verdeckt und somit komplett nutzlos.
  • Wenig Verstaumöglichkeiten für Utensilien der Fond-Passagiere: Logischerweise gibt es keine Ablagen in den „Flügeltüren“ – klar: Es würde ja auch alles herausfallen beim Öffnen. Aber es finden sich beispielsweise auch keine Taschen an der Rückseite der Vordersitze: Das gibt eine schöne, cleane Optik – wirklich praktisch ist es nicht.

Ansonsten ist das Model X ein wirklich tolles Alltagsauto – speziell mit Familie. Hier sind die Punkte, die mir gut gefallen haben:

  • Platz ohne Ende: Tesla gibt den Stauraum des Model X mit 2.675 Litern an. Nur zur groben Einordnung: Audi gibt für den Q7 1.908 Liter an und auch ein BMW X7 hat laut Datenblatt maximal 2.120 Liter zur Verfügung. Unter dem Kofferraumboden des Tesla noch einmal jede Menge Platz, zusätzlich gibt es vorn den Frunk. Allerdings sollte man sich gut überlegen, ob man die Plaid-Version als Familienauto wählt, denn dieses Modell gibt es nur mit sechs Sitzen. Dabei fiel mir zum einen auf, dass mit einer Kindersitz-Erhöhung das Anschnallen auf den Einzelsitzen in der zweiten Reihe teils ein ziemliches Gefummel war. Ein weiteres Problem: Legt man die dritte Sitzreihe um, hat man zwar eine große Menge an Stauraum – doch durch die Lücke zwischen den Einzelsitzen der zweiten Reihe purzeln auch schnell die Einkäufe.
Das Model X kommt in der Plaid-Version immer als Sechssitzer.
  • Klasse Touchscreen und Bedienung: Der 17,4 Zoll-Touchscreen lässt sich auf Knopfdruck sogar Richtung Fahrer oder Richtung Beifahrer neigen. Bei der Bedienung macht Tesla so schnell niemand was vor – kaum eine Funktion, die man nicht im Handumdrehen findet. Und wenn es doch der Fall sein sollte, kann man es per Sprachbedienung versuchen. Etwa: „Öffne das Handschuhfach“ – dann geht auch die grifflose Klappe vor den Knien des Beifahrers auf. Auch für die Mitfahrer in der zweiten Reihe gibt es zwischen den Vordersitzen einen kleinen 9,4-Zoll-Bildschirm. Hier lassen sich auch Kopfhörer per Bluetooth koppeln. Ob man in dieser Position Filme anschauen will, muss jeder selbst wissen. Kindern ist es vermutlich egal – Hauptsache, es läuft etwas.
  • Der Ausblick: Die weit nach hinten gezogene Windschutzscheibe ist schon fast so was wie ein Panorama-Dach. Das führt zu einer hervorragenden Rundumsicht, speziell nach oben – etwa zu Ampeln.
  • Steuerung mittels Tesla-App: Mit der wirklich gelungenen App lässt sich das Fahrzeug beispielsweise vorheizen – ein wahrer Luxus an dunklen und eisigen Wintermorgen. Ebenso kann man auch noch am Frühstückstisch die Reise-Route planen und dann ans Fahrzeug schicken, um direkt loszustarten. Auch den Ladevorgang kann man darüber beobachten. Am Supercharger lud das Model X bei etwa 0 Grad Außentemperatur mit vorkonditionierter Batterie in 25 Minuten von 20 auf 80 Prozent. Nicht ganz up-to-date: An der Wallbox zu Hause lädt das Model X mit maximal 11 kW. Viele andere E-Autos schaffen heute schon doppelt so viel.

Der Geldbeutel-Check: Wie schlägt sich das Tesla Model X Plaid bei den Kosten?

Der Verbrauch? Bei diesem PS-Monster ist es natürlich noch mehr als bei anderen Autos eine Frage des Fahrstils. Wir lagen nach einer Woche im Schnitt bei 25 kWh/100 km. Angesichts des stolzen Leergewichts von knapp 2,5 Tonnen und der gewaltigen Leistung durchaus akzeptabel. Mit dem 100-kWh-Akku sind dann solide 400 Kilometer Reichweite möglich. Wer es mit der Beschleunigung nicht übertreibt, schafft aber problemlos auch Werte 19 kWh/100 Kilometer – und dann sind deutlich mehr als 500 Kilometer drin. Wer jedoch auf der Autobahn das volle Potenzial des Plaid-Modells ausschöpft, kann die Verbrauchsanzeige auch auf weit über 40 kWh/100 Kilometer hochschnellen lassen.

Keine Frage: Das Model X ist nichts für Durchschnittsverdiener. Die Preise beginnen bei 115.970 Euro für das normale Allrad-Model-X (600 Kilometer WLTP-Reichweite, 240 km/h Höchstgeschwindigkeit, 3,9 Sekunden von 0-100 km/h). Die von mir getestete Plaid Variante startet bei 125.970 Euro. Das normale Modell gibt es als 5-, 6- oder 7-Sitzer. Mein Testwagen war in der Farbe Lunar Silver lackiert, die mit 2.600 Euro Aufpreis zu Buche schlägt. Standard sind 20-Zoll-Felgen. Wählt man die 22-Zöller für 5.900 Euro Aufpreis, sinkt im Konfigurator die WLTP-Reichweite um rund 50 km. Auch ein Yoke-Lenkrad (eine Art halbiertes Lenkrad) ist für 1.000 Euro zusätzlich erhältlich. Weitere Optionen betreffen den „Autopilot“: Die umfassenderen Versionen schlagen mit 3.800 Euro beziehungsweise 7.500 Euro Aufpreis zu Buche.

Auch unter der Fronthaube gibt es im Tesla Model X zusätzlichen Stauraum – in unserem Fall finden hier Warndreieck und Ladekabel ihren Platz.

Aktuell kommen sowohl das Model X als auch das Model S mit unbegrenztem kostenlosen Schnellladen an Superchargern (Stand: Mitte Januar 2026), so wie es früher einmal Tesla-Standard war. Das Angebot ist mit der Fahrgestellnummer des Wagens ver- und an den Besitzer/Fahrer geknüpftknüpft. Man kann es nicht auf eine andere Person oder ein anderes Fahrzeug übertragen. Bedeutet also: Bei einem Wiederkauf fällt dieses mehr als schlagkräftige Verkaufsargument weg.

Mein Fazit zum Tesla Model X Plaid? Hier ist es in drei Emojis zusammengefasst: 🚀💰🤔 (Raketenartig, teuer, mit ein paar Macken).

Rubriklistenbild: © Oppenheimer

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