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Ein Faden führt nach Deutschland
Trump-Invasion auf Grönland möglich: Ex-US-Militär warnt – und nennt Indizien
Theaterdonner oder Vorbote eines Überfalls unter „Freunden“? Donald Trump droht Grönland. Ein US-Geheimdienstexperte nimmt das durchaus ernst.
Der dänische Rundfunk (DR) betrachtet seine eigene Quelle offenbar mit einem Körnchen Zweifel: Malcolm Nance sei eine „kontroverse Persönlichkeit“, ein erklärter Trump-Gegner überdies. Und er könne selbstverständlich nicht wissen, was genau die US-Regierung gerade plant. Aber DR räumt Nance auch breiten Raum ein. Die brisante These des Geheimdienstspezialisten und früheren hochrangigen US-Navy-Soldaten lautet: Eine US-Invasion auf Grönland sei nicht undenkbar. Sogar bestimmte frühe Stadien eines solchen Plans seien auszumachen.
US-Militär-Angriff auf Grönland? Trump sagt: „Ich schließe das nicht aus“
„Es ist völlig unfassbar, dass wir so etwas überhaupt in Erwägung ziehen müssen“, sagt Nance dem öffentlich-rechtlichen Sender. „Aber Donald Trump hat das auf die Schiene gesetzt.“
Tatsächlich streckt der US-Präsident seit Monaten immer wieder verbal die Finger nach der mit Dänemark verbundenen Insel aus – zum Entsetzen vieler nordischer Beobachter. Da Trump auch Panama und sogar Kanada ins Visier genommen hat, kursiert eine drastische Sorge. Könnten die USA wie Putins Russland den Boden des Völkerrechts verlassen und auf militärischen Eroberungszug gehen?
Mit Blick auf Grönland hat Trump diese Angst erst Anfang Mai befeuert. In einem NBC News-Interview sagte Trump auf die Frage, ob er militärische Gewalt einsetzen würde: „Es könnte passieren, etwas könnte mit Grönland passieren.“ „Ich schließe das nicht aus“, fügte er hinzu. Man schätze Grönland und seine Bewohner wert – aber brauche die Insel für die nationale und internationale Sicherheit. Einen Angriff auf Kanada verwies Trump in derselben Sequenz bemerkenswerterweise ins Reich der Fabel. „Das sehe ich nicht passieren, da muss ich ehrlich mit Ihnen sein.“ Einen Strategieunterschied gibt es also. Fragt sich, ob er nur das Säbelrasseln, oder auch echte militärische Erwägungen betrifft.
Trumps Militärdrohungen und die Geheimdienste: „USA richten Saurons Auge direkt auf Grönland“
Bei DR schildert Nance, wie eine US-Invasion auf Grönland ablaufen könnte: Es würde mit Spezialkräften in einem zivilen Flug beginnen, meint er; mit der Übernahme des Flughafens, weiteren ankommenden Fliegern mit US-Personal und sogar Militärgerät, der Entwaffnung der örtlichen Polizeikräfte, der Festsetzung des Regierungschefs. Womöglich hielten sich dann aber auch schon Unterstützer der Mission auf Grönland auf.
Das ist nicht mehr als der Transfer bekannter Strategien auf die Lage in Grönland; Nance diente 20 Jahre bei der US-Marine. Das Wall Street Journal berichtete zuletzt aber, die US-Geheimdienste seien dabei, ihre Aktivitäten auf Grönland hochzufahren. Ziel sei es, mögliche Unterstützer für Trumps Zielsetzungen auf der Insel auszumachen. Trumps Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard warf dem Blatt Geheimnisverrat vor.
„Wenn es Order gibt, mit dem Sammeln von Informationen zu beginnen, bedeutet das, dass die USA Saurons Auge direkt auf Grönland richten“, kommentiert indes Nance im dänischen Rundfunk. Trump habe den Nationalen Sicherheitsrat auch schon beauftragt, die Kosten der Einbürgerung der 57.000 Einwohner Grönlands zu berechnen.
Fakt ist auch, dass die USA ihr Konsulat auf Grönland verlegen. Von einem kleinen, rotgetünchten Häuschen in eine 3.000 Quadratmeter große Liegenschaft im Zentrum der Hauptstadt Nuuk. Den Auftrag dazu habe noch Joe Biden gegeben, betont DR. Als Hauptquartier für ein annektiertes Grönland eigne sich das Anwesen aber perfekt, meint Nance – im Gegensatz zur bisherigen putzigen Astrid-Lindgren-Hütte.
Deutschland spielt eine Statistenrolle: Trump zieht US-Grönland-Kommando wohl aus Stuttgart ab
Ein weiterer interessanter Umstand: Die dänische Regierung bestätigte zuletzt dem Sender TV2, dass die USA ihr Militärkommando für Grönland verlegen wollen. Auf der Insel gibt es bereits US-Basen. Bislang kommen die Befehle aus Stuttgart, dort sitzt das United States European Command. Künftig soll Order aus Colorado, also den Vereinigten Staaten, kommen. Das dortige „Northcom“ befehligt die US-Streitkräfte von Mexiko bis Kanada – also gewissermaßen die Heimattruppen. Man kenne die Pläne, sagte Dänemarks Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen TV2. Allerdings handle es sich um eine Angelegenheit der USA.
Die meisten dieser Punkte lassen sich freilich auch mit dem Wunsch nach Hoheit über die Informationslage erklären. Grönland ist militärisch von besonderer Bedeutung: China tummelt sich in der Arktis ebenso wie Russland. Ein kurzer Weg für russische Raketen führt über die Insel, wie der Politikwissenschaftler Michael Paul unserer Redaktion erklärte. Vergleichsweise beruhigend wirkt auch ein Bericht des Guardian: Demnach debattieren US-Regierungskreise, Grönland ein „Cofa“ anzubieten – mit „Compacts of free Association“ binden die Staaten etwa formal unabhängige Pazifik-Inseln an sich. Die USA offerieren Dienste wie Post und militärischen Schutz, dafür gibt es freies Geleit für das Militär und Freihandel.
Trumps Plan floppt auf Grönland bislang – Experte gibt Dänemarks Militär einen Rat
Sicher fühlen kann sich Grönland aber wohl kaum. Ein „Informationskrieg“ habe bereits begonnen, sagt Nance DR. Fake-Profile könnten den Wunsch nach „Befreiung“ und „Unabhängigkeit“ Grönlands befeuern – und nach einer Allianz mit den USA. Tatsächlich trommeln rechte Trump-Propagandisten im Netz bereits. Der Erfolg scheint allerdings überschaubar. Bei der Parlamentswahl im Frühjahr wurde Trump-Nähe zum Makel. Der neue Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen distanzierte sich deutlich. „Amerikanische Drohungen rücken Grönland näher an Dänemark“, titelte der Economist zuletzt.
Rückblick auf die ersten 100 Tage: Trump krempelt die USA um – eine Chronik
Pauls Einschätzung lautete zu Jahresanfang: Es handle sich um Theaterdonner Trumps, um Zugriff auf Grönlands reichhaltige Bodenschätze und lukrative „Deals“ zu bekommen. Auch in dieser Hinsicht läuft es aber nicht gut – Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeldt erläuterte Politico zuletzt Pläne, in Sachen der begehrten Seltenen Erden gemeinsame Sache mit der EU zu machen. Wie Trump auf einen Flop reagiert würden?
Nance machte den Menschen auf Grönland jedenfalls auch für den sehr hypothetischen Worst Case Hoffnung. US-Geheimdienstagenten nähmen wohl schon die Aufgabe, auf Grönland zu spionieren, kaum ernst – der ganze Vorgang sei schlicht „zu beknackt“. Man werde sich genötigt fühlen, solche „törichten“ Pläne zu stoppen. Sein Rat an Dänemark lautet indes: Soldaten nach Grönland schicken, Willen zum Schutz demonstrieren – und Trump zwingen, Farbe zu bekennen. (fn)