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Eskalation in Südamerika
Trotz „eiserner Freundschaft“: Warum China Venezuela im Konflikt mit Trump im Stich lässt
China ist der größte Ölkunde Venezuelas, Xi Jinping und Nicolás Maduro teilen dasselbe Weltbild. Im Konflikt mit den USA belässt es Peking dennoch bei verbalem Protest. Eine Analyse.
Welches Ziel Donald Trump in Venezuela verfolgt, weiß wahrscheinlich nur er selbst. Seit Monaten lässt seine Regierung immer wieder Schnellboote vor der Küste des südamerikanischen Landes bombardieren, weil die Schiffe angeblich mit Drogen beladen sind. Auch der größte Flugzeugträger der USA, die „USS Gerald R. Ford“, kreist schon länger in der Region. Ein gutes Dutzend weitere Schiffe der US-Marine wurden ebenfalls nahe Venezuela gesichtet, zuletzt stürmten US-Einheiten einen venezolanischen Öltanker. Es sind schwere Geschütze für einen vorgeblichen Anti-Drogen-Einsatz. Plant Trump mehr – einen Sturz des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro etwa?
Auch in China dürfte man sich diese Fragen derzeit stellen. Peking beobachtet den Einsatz des US-Militärs vor der Küste Venezuelas jedenfalls sehr genau. Bereits Mitte November warnte das chinesische Außenministerium die USA vor „allen Maßnahmen, die gegen die Ziele und Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen und die Souveränität und Sicherheit anderer Länder verstoßen“. Und als Maduro vor Kurzem seinen 63. Geburtstag feierte, sandte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping nicht nur Glückwünsche, sondern auch die Zusicherung, sein Land werde Venezuela dabei unterstützen, „seine Souveränität und nationale Sicherheit, die Würde der Nation und die soziale Stabilität zu wahren“. So zumindest berichtete es das Außenministerium in Caracas.
Venezuelas Machthaber ist einer der engsten Verbündeten Chinas in der Region
Neben dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ist Xi Jinping der wohl mächtigste Freund, den Maduro noch hat. 2014 hatte Xi die Beziehungen zu Caracas auf das Niveau einer „umfassenden strategischen Partnerschaft“ angehoben, das höchste Level, das Chinas Diplomatie zu bieten hat. Von einer „eisernen Freundschaft“ zwischen China und Venezuela sprach Xi, als er Maduro im Mai in Moskau traf.
Sollte Trump aber tatsächlich den Befehl zum Angriff auf Venezuela geben, dürften solche warmen Worte nur wenig wert sein. Ein militärisches Eingreifen Chinas ist unwahrscheinlich, schon alleine, weil Xi keinen Krieg mit den USA riskieren will. Zudem befehligt Xi zwar die zahlenmäßig größte Marine der Welt – insgesamt aber ist das US-Militär noch deutlich schlagkräftiger als das chinesische. Weltweit Militäreinsätze durchführen, das können derzeit nur die USA. Washington unterhält mehrere Militärbasen in der Region, China keine einzige. Peking hatte zuletzt 1979 einen Krieg geführt.
Diese Länder besitzen die wertvollsten Rohstoffe der Erde
Nicht nur Maduro hätte allerdings viel zu verlieren, sollte Trump Ernst machen. Auch für China steht einiges auf dem Spiel, vor allem geopolitisch. Denn Maduro ist einer der engsten Verbündeten Chinas in der Region, in der auch die USA ihren Einfluss ausweiten wollen. Venezuela ist seit 2018 Partner der „Neuen Seidenstraße“, Chinas weltumspannendem Infrastrukturprojekt, das auch der Machtexpansion Pekings dient. Xi und Maduro, die sich beide als Sozialisten verstehen, verbindet zudem, dass sie die US-dominierte Weltordnung ablehnen.
Maduro ist auch ein guter Kunde chinesischer Rüstungsschmieden. Laut der US-Denkfabrik Center for Strategic and International Studies gingen zwischen 2010 und 2020 fast 86 Prozent aller Waffen, die China in die Region exportierte, nach Venezuela. Zuletzt bekundete Caracas Interessen an chinesischen Kampfflugzeugen vom Typ „J-10C“, die Pakistan im Mai im Konflikt mit Indien erfolgreich eingesetzt hat.
Außer Waffen verkaufen chinesische Unternehmen vor allem Computer und Elektrogeräte nach Venezuela. 2024 handelten beiden Länder offiziellen Zahlen zufolge Waren im Wert von 6,4 Milliarden US-Dollar, ein vergleichsweise geringer Wert allerdings. Was auch daran liegt, dass Venezuela in China als unverlässlicher Geschäftspartner gilt und hohe Schulden bei der Volksrepublik hat. So gesehen könnte ein Regimewechsel für China sogar ein Vorteil sein, sagte der Lateinamerika-Experte Evan Ellis vom US Army War College kürzlich der South China Morning Post.
China ist Venezuelas wichtigster Ölkunde
Nicht enthalten in der offiziellen Handelsbilanz sind allerdings die chinesischen Öleinfuhren aus Venezuela, die teils über Umwege in die Volksrepublik gelangen. Peking ist der wichtigste Ölkunde des Maduro-Regimes, laut Zahlen der Nachrichtenagentur Reuters gingen zuletzt mehr als 80 Prozent der venezolanischen Ölausfuhren nach China. Während Venezuelas Wirtschaft von den Exporten nach China abhängt, da aufgrund von US-Sanktionen kaum andere Abnehmer bereitstehen, ist das südamerikanische Land für Peking nur einer von vielen Lieferanten. Weltweit steigende Ölpreise infolge einer US-Intervention würden aber auch China treffen. Eine Intervention in einen Konflikt mit den USA dürfte Peking das allerdings kaum wert sein. Wenn es hart auf hart kommt, wird Peking Maduro wohl fallenlassen. (Quellen: Chinesisches Außenministerium, Reuters, South China Morning Post, Merics, CSIS) (sh)