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Kreml stimmt USA zu

Kein Ende des Ukraine-Kriegs: Trump mit bitterer Erkenntnis – Kiew „ist weniger bereit, einen Deal zu machen“

Für Trump ist Selenskyj, schuld an den stockenden Friedensverhandlungen. Der Kreml betont, da sei man sich einig. Klar ist auch: Die Lage für Kiew wird schlechter.

Kiew/Moskau/Washington D.C. – Es ist keine überraschende Wende: US-Präsident Donald Trump hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vorgeworfen, wieder einmal schuld daran zu sein, dass bislang kein Frieden im Ukraine-Krieg ausgehandelt werden konnte. Den Zickzackkurs zwischen Unterstützung für Kiew und Anschuldigungen fährt Trump bereits seit seinem Amtsantritt.

Trump beschuldigt Selenskyj und stellt sich hinter Putin: „Ukraine ist weniger bereit, einen Deal zu machen.“

Jetzt geht der US-Präsident offensichtlich wieder einmal davon aus, dass Kremlchef Wladimir Putin in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine zu einem Kompromiss bereit ist. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte er über Putin: „Ich glaube, er ist bereit, ein Abkommen zu schließen. Ich glaube, die Ukraine ist weniger bereit dazu.“

Trump und Putin zeigen Einigkeit im Ukraine-Krieg: Nur Selenskyj müsse man „dazu bringen, mitzumachen“

Auf die Frage, warum die von den USA geführten Verhandlungen noch zu keinem Ende des Ukraine-Kriegs geführt hätten, wurde Trump noch direkter und antwortete: „Selenskyj.“ Man müsse „Präsident Selenskyj dazu bringen, mitzumachen“, so Trump. Der amerikanische Präsident wechselte damit erneut zwischen der Schuldzuweisung an die Ukraine und an Russland für das Ausbleiben eines Abkommens, das er im Präsidentschaftswahlkampf 2024 als leicht lösbar dargestellt hatte.

Der Kreml erklärte in einer Stellungnahme vom Donnerstag (15. Januar), dass Russland Trump zustimme. Sprecher Dmitri Peskow sagte: „Da sind wir uns einig, das ist wirklich der Fall. Präsident Putin und die russische Seite halten an ihrer Offenheit fest“, berichtet Sky News. Peskow berichtet zudem, dass Moskau den Gesandten des Weißen Hauses, Steve Witkoff, und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner willkommen heißen werde. Ein konkreter Termin sei aber noch nicht vereinbart.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Nach Angriffen auf Energie-Infrastruktur: Laut Kreml wird „Entscheidungsspielraum“ der Ukraine geringer

Außerdem gehen der Ukraine dem Kreml zufolge die Möglichkeiten zur Beendigung des seit fast vier Jahren andauernden Krieges mit Russland aus. „Die Lage verschlechtert sich für das Kiewer Regime von Tag zu Tag“, sagte Kreml-Sprecher Peskow am Donnerstag vor Journalisten in Moskau. Der „Entscheidungsspielraum“ der Ukraine werde „immer geringer“. Peskow äußerte sich nach wiederholten russischen Angriffen auf die ukrainische Energie-Infrastruktur.

In Richtung Selenskyj sagte der Kreml-Sprecher, es sei „an der Zeit“, dass dieser „Verantwortung übernimmt und die richtige Entscheidung trifft“. Kiew und seine europäischen Verbündeten und die USA haben sich laut Selenskyj auf einen 20-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges geeinigt. Damit liegt eine überarbeitete Fassung des ursprünglich von den USA vorgelegten 28-Punkte-Plans vor, der als sehr russlandfreundlich kritisiert worden war. Der Kreml hat bislang jegliche Anpassungen zurückgewiesen.

Chronologie: Verhandlungen zum Ende des Ukraine-Kriegs

Februar 2022Kriegsbeginn - Erste Gespräche in Belarus
März-April 2022Istanbul-Verhandlungen scheitern
US-Wahlkampf 2024Trump verspricht schnelle Lösung des Krieges
Dezember 202528-Punkte-Plan der USA (als russlandfreundlich kritisiert)
Januar 2026Überarbeiteter 20-Punkte-Plan, Trump beschuldigt Selenskyj

Polens Regierungschef rügt Trumps Äußerung: „Nicht Selenskyj, sondern Russland“ verhindert Frieden

Polens Regierungschef Donald Tusk hat derweil die Äußerung von Trump kritisiert, wonach der ukrainische Staatschef ein Hindernis für den Abschluss einer Friedensvereinbarung sei. Nicht Selenskyj, sondern Russland sei es gewesen, das den von den USA vorbereiteten Friedensplan abgelehnt habe, betonte Tusk auf X. „Die einzige Antwort Russlands waren weitere Raketenangriffe auf ukrainische Städte.“ Die einzige Lösung sei mehr Druck auf Russland. „Das wisst ihr alle.“

Mit den jüngsten Aussagen widerspricht sich Trump – wieder einmal. Erst Anfang dieses Monats hatte der Präsident erklärt, er sei „nicht begeistert“ von seinem russischen Amtskollegen, und betonte, dass zu viele Menschen sterben würden. Zugleich kritisierte er den Kreml für anhaltende Militärangriffe auf ukrainische Städte und die Energie-Infrastruktur. Putin dämpfte in den vergangenen Wochen die Hoffnungen auf ein baldiges Abkommen, obwohl Trump und Selenskyj zunehmend Optimismus signalisiert hatten.

EU und NATO wegen Trumps Zickzackkurs alarmiert: Beratungen über internationale Schutztruppe laufen

Die neuesten Aussagen von Trump dürften neben Tusk auch noch andere EU- und NATO-Partner alarmieren. Schließlich haben einige Unterstützerstaaten bei einem Gipfeltreffen für die Ukraine in Paris Anfang Januar über eine internationale Schutztruppe zur militärischen Absicherung eines möglichen Waffenstillstands in der Ukraine gesprochen. Frankreich, Großbritannien und einige andere Länder sind bereit, Truppen in die Ukraine zu entsenden.

Nach den jüngsten Beratungen europäischer Länder über Sicherheitsgarantien für die Ukraine hatte Russland vor der Stationierung ausländischer Soldaten in der Ukraine gewarnt. In diesem Fall würden die ausländischen Truppen als „legitime militärische Ziele“ angesehen. Peskow sagte, dass der Dialog mit den Vereinigten Staaten fortgesetzt werde. Die Europäer hätten viele Gespräche mit den Amerikanern geführt, sagte er weiter. Es sei „wichtig, dass auch die russische Seite ihre Meinung zu diesen Diskussionen äußert“. (Quellen: AFP, Reuter, Sky News) (bg)

Rubriklistenbild: © Anadolu Agency/Sven Simon/IMAGO/Montage

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