Petition bringt neue Vorschläge ins Spiel
„Strafsteuer“? Warum Hunde-Besitzer in Waldkraiburg sauer sind – und was sie nun fordern
100 Euro für jeden Hund: In Waldkraiburg bezahlen Hundebesitzer im Landkreisvergleich am meisten für ihren Vierbeiner. Viele Halter empfinden die Steuer als unfair, eine Petition bringt konkrete Vorschläge ins Spiel.
Waldkraiburg – Eine höhere Hundesteuer in Waldkraiburg ist zwar vom Tisch, stattdessen greift die Stadt vorerst zu anderen Mitteln: Eine Hundebestandsaufnahme soll aufdecken, wer sein Haustier nicht angemeldet hat. Doch während die Stadt nach „illegalen“ Hunden sucht, bleibt bei den Hundebesitzern Unmut. Eine Online-Petition fordert eine gerechtere Lösung – „für Mensch und Tier“.
„Mit Abstand hat Waldkraiburg die höchste Hundesteuer im Landkreis, alle anderen Gemeinden sind deutlich günstiger“, sagt Jennifer Graßer. Vor wenigen Wochen hat sie eine Online-Petition gestartet, mit dem Ziel, die Hundesteuer zu senken. „Die Hundesteuer ist eine Luxussteuer – man zahlt für nichts. Dann sollte sie doch auch fair ausfallen, 50 bis 60 Euro wären angemessen“, erklärt sie und verweist auf Mühldorf. Dort liegt der Satz für den ersten Hund nur bei 50 Euro – halb so viel wie in Waldkraiburg.
Nach den Diskussionen in den städtischen Gremien habe sie mit vielen Hundebesitzern gesprochen. Immer der gleiche Tenor: Wieso ist die Hundesteuer in Waldkraiburg so hoch, gleichzeitig aber für Hunde nichts geboten? „Mit meiner Hündin gehe ich gerne an der Schilcher-Linie spazieren. Aber dort könnte es durchaus mehr Mülleimer geben.“
Hohe Hundesteuer schreckt ab
So aber bleibe bei den Hundebesitzern das Gefühl, dass die Einnahmen aus der Hundesteuer als Mittel zur Haushaltskonsolidierung dienen. „Es kann nicht sein, dass Hundebesitzer überproportional zur Stadtkasse beitragen müssen“, heißt es in der Online-Petition. Für viele Besitzer stelle die Steuer eine spürbare Belastung dar und könnte sogar abschreckend wirken. Dass man sich gar nicht erst einen Hund oder einen weiteren anschafft, oder bei der Stadt nicht anmeldet. „Viele würden sicherlich ihren Hund anmelden, wenn man nicht so einen Wucherpreis zahlen muss“, ist Jennifer Graßer überzeugt. Sie selbst hätte gerne einen zweiten Hund, verzichtet aber wegen der hohen Steuer darauf.
Dass die Unterschiede zu anderen Gemeinden so markant sind, kritisiert auch Helmut Wostatek. Zwei Hunde besitzt er und zahlt somit jedes Jahr 200 Euro für seine Tiere an die Stadt. „Dass es ausreichend Tütenspender und Mülleimer gibt, wäre doch das Minimum“, ärgert er sich. Auch gepflegte Grünflächen wären wichtig, um die Hinterlassenschaften der Hunde problemlos entsorgen zu können.
Hunde sind kein Luxus-Gut, sondern Familienmitglieder
„Die Steuer empfinden viele als Strafsteuer. Hunde sind doch kein Luxus-Gut, sondern Familienmitglieder. Wenn die Sätze im Landkreis so unterschiedlich sind, gibt es dafür wenig Akzeptanz“, ist er überzeugt.
Die Stadt hat mittlerweile erste Ergebnisse der Hundebestandsaufnahme vorgelegt: Bis Mitte Mai wurden 143 bislang nicht angemeldete Hunde erfasst. Auch an seiner Haustür stand bereits ein Kontrolleur. „Rasse, Alter – das hat er alles abgefragt. Aber warum wird bei denen kontrolliert, wo schon Hunde gemeldet sind. Wieso setzt man bei so einem sensiblen Thema einen Externen ein und nicht jemanden vom Ordnungsamt?“
Jennifer Graßer hingegen hatte mit der Kontrolle keine Probleme: „Der Kontrolleur war sehr freundlich und hat die Daten zum Hunde abgefragt. Lieber so, als die Steuer weiter erhöhen.“ Wobei ihr aber auch klar ist: „Nach der Aktion sind sicherlich immer noch nicht alle Hunde erfasst, schwarze Schafe wird es immer geben.“
In ihrer Petition fordert sie dennoch: Eine gerechtere Lösung ist möglich – und überfällig. Als Alternative hat sie eine Idee: die Einführung eines freiwilligen Hundeführerscheins. Wer einen solchen nachweist, könnte eine vergünstigte Hundesteuer bekommen. „Das wäre fair und würde vielleicht dazu führen, dass sich mehr Menschen mit ihren Tieren auseinandersetzen.“ Gerade beim Gassigehen beobachte sie oft, dass Haltern die Bedürfnisse ihrer Hunde nicht bewusst seien. „Dann gäbe es vermutlich auch weniger aggressive Hunde.“

