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Mitarbeiter äußert sich gegenüber OVB

„Geackert wie die Doofen“: Logistik-Standort Gebrüder Weiss in Waldkraiburg für immer zu

Standort Logistikkonzert Gebrüder Weiss in Waldkraiburg
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Da fuhren sie noch, die orangen Lkw des Logistikriesen Gebrüder Weiss. Ab Montag (2. Juni) bleiben die Rolltore für immer geschlossen.

Ab Montag (2. Juni) bleiben sie für immer zu: Die Rolltore des Logistikunternehmens Gebrüder Weiss in Waldkraiburg. Für die Mitarbeiter kam das Aus des Unternehmens überraschend. Nun äußert sich einer von ihnen – und übt Kritik.

Waldkraiburg Rund einen Monat ist es her, dass die Mitarbeiter vom jähen Ende des Logistikstandorts Gebrüder Weiss in Waldkraiburg erfahren haben: Zum 31. Mai schloss das Unternehmen nun seine Tore. Dabei ist es erst knapp vier Jahre her, dass der Logistikriese die ehemalige Spedition Lode übernommen hat.

Ein mulmiges Gefühl hat ein Mitarbeiter, der sich den OVB Heimatzeitungen anvertraut hat, schon damals gehabt. Schließlich wisse man bei so einer Übernahme nie, wie es weitergeht. „Aber die Stimmung hat sich sogar gebessert, weil wir gemeint haben, Gebrüder Weiss ist ein großer Konzern, der bringt uns nach vorne”, erinnert er sich. Beeindruckt sei er gewesen, dass das Unternehmen investiert habe und in den Hallen neue Computersysteme installiert wurden.

Fassungslos über Entlassung vor einem Monat

Doch langfristig sollte sein Bauchgefühl recht behalten. Schon vor rund zwei Jahren habe das Unternehmen etliche Mitarbeiter entlassen, erinnert sich der Insider. Ein paar Tage später seien Subunternehmer im Hof gestanden. „Eigentlich war das schon eine Frechheit.” Der Konzern gibt auf Nachfrage an, bei den Fahrerinnen und Fahrern auf einen branchenüblichen Mix zwischen eigenem Personal und Frächtern zu setzen. Im kaufmännischen Bereich seien dagegen fast ausschließlich eigene Mitarbeiter angestellt.

Fassungslos ist er, als ihm selbst wie allen anderen Beschäftigten vor rund einem Monat die Kündigung vorgelegt wird. Er kennt das Unternehmen seit vielen Jahren und findet es „irre”, wie schnell nun die Schließung folgt. Mit den OVB Heimatzeitungen spricht er unter der Bedingung, anonym zu bleiben, weil er Konsequenzen durch das Unternehmen befürchtet. „Von den Kollegen hat sich keiner getraut, die haben alle Angst”, sagt er. Auch wenn es keine entsprechenden Warnungen gegeben habe.

Kein Umsatz trotz voller Halle?

Er möchte nicht schweigen. „Die haben mir das Herz rausgerissen”, sagt er. Seinen Arbeitsplatz habe er bereits aufgeräumt und dabei geweint. „Das ist die Schweinerei des Jahrhunderts.” Ab Juni ist er zunächst arbeitslos. Dabei hält er die Standortschließung für Quatsch. „Morgens war die Halle voll und auch später konnte die Ware gar nicht auf alle Nachtlinien verteilt werden, weil so viel Arbeit war”, beschreibt er die Arbeitstage, die sich auch mal über zehn Stunden erstrecken konnten. „Die Disponenten haben gar nicht gewusst, wo ihnen der Kopf steht.”

Das Unternehmen stellt die Auftragslage anders dar: Das kurzfristig erhöhte Aufkommen resultierte aus den 4-Tage-Wochen und aufgrund von Feiertagen werde dann branchenüblich, stellenweise auch samstags gearbeitet. „Über das Jahr hinweg waren die Sendungsmengen allerdings stark rückläufig”, erklärt Speditionsleiter Bernd Eibner.

Im Dezember hieß es noch, man stehe hinter dem Standort

So wurde es auch kommuniziert: Dem Unternehmen fehle es an Umsatz. Für den Mitarbeiter unverständlich. „Dabei haben wir geackert wie die Doofen”, sagt er. Nun stehen sie mit leeren Händen da, innerhalb eines Monats mussten sie nach einer neuen Beschäftigung suchen. Abfindungen gibt es keine, höchstens Lohnfortzahlungen über einige Monate für langjährige Mitarbeiter. Dabei habe es im Dezember noch eine Weihnachtsfeier gegeben, bei der es hieß, man stehe hinter dem Standort.

„Wir haben bis zum Ende alles versucht, den Standort weiterzubetreiben und gehofft, dass sich die konjunkturelle Situation verbessert”, führt Eibner aus. Dies sei leider nicht eingetreten. „Die Schließung des Standorts Waldkraiburg ist uns nicht leichtgefallen. Wir haben alles versucht, aber aus wirtschaftlichen Gründen ist die Schließung unumgänglich gewesen”, betont er.

Mitarbeiter haben am Arbeitsplatz geweint

„Gebrüder Weiss hat uns menschlich so enttäuscht”, kritisiert der Mitarbeiter. Nach der Kündigung hätte es viele Tage gegeben, an denen Mitarbeiter geweint hätten. In Waldkraiburg habe sich die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet, auch bei den Kunden sei das Unverständnis groß. Über viele Jahre habe man mit dem einst familiengeführten Logistikkonzern zusammengearbeitet, enge Freundschaften seien entstanden.

„Natürlich gibt es Kunden, die ihr Bedauern über die Schließung geäußert haben”, gibt auch Eibner zu. Grundsätzlich seien die Rückmeldungen aber positiv, da Transporte nun direkt über den Standort Straubing abgewickelt werden. Von dort aus gebe es mehr Direktverkehre in Deutschland und bessere Laufzeiten für die Transporte, als dies in Waldkraiburg der Fall gewesen sei.

Mitarbeiter bemängelt Unterstützung bei der Jobsuche

Bisher gebe es drei Zusagen von Mitarbeitern, die innerhalb des Konzerns an einen anderen Standort wechseln. Eine Möglichkeit, die das Unternehmen ihnen vorschlägt. Straubing, Memmingen, Bayreuth oder Nürnberg, zählt der Insider die Angebote auf. Ein schwacher Trost: Teile der Belegschaft hätten ein Viertel ihres Lebens im Unternehmen verbracht, haben für ihre Firma gebrannt.

Andere seien Familienväter mit kleinen Kindern, die nun vor dem Nichts stehen. Zwar hatte das Unternehmen versprochen, die Mitarbeiter bei der Stellensuche zu unterstützen, aber das sei in seinen Augen nur begrenzt hilfreich gewesen: „Wir haben eine Liste mit Firmen in Waldkraiburg bekommen, aber die meisten suchen gar nicht, und ganz unten war noch ein Hinweis auf Zeitarbeit.” Das sei alles gewesen.

Lebenswerk der Familie Lode ist Geschichte

Der Speditionsleiter stellt das anders dar: „Uns war und ist es ein Anliegen, die Mitarbeitenden bei der Jobsuche zu unterstützen.” Auf digitalen Stellenportalen sei nach offenen Stellen in der Region recherchiert und die Mitarbeiter über diese informiert worden. Einige Mitarbeiter hätten darüber neue Anstellungen gefunden. Auch seien die Mitarbeitenden bei der Erstellung von Bewerbungsschreiben und -ansprachen unterstützt oder ihnen Unterstützung angeboten worden.

Nach 66 Jahren ist die einstige Spedition Lode, einst durch Emil Lode gegründet, damit Geschichte. Auf eine E-Mail der OVB Heimatzeitungen an den Sohn und ehemaligen Inhaber folgt Anfang des Monats nur eine automatische Antwort: Er sei derzeit nicht erreichbar. „Der Rüdiger Lode tut mir leid – die Firma war sein Lebenswerk und ich habe ihn noch nie so geknickt gesehen”, lässt der Mitarbeiter wissen.

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