Stressfrei statt Stau-frustriert?
Umleitung im Praxis-Test: Mit dem Rad durch die Baustelle an der Pürtener Kreuzung
Die Großbaustelle bei Pürten bringt Autos ins Stocken. Wer aber auf zwei Rädern unterwegs ist, bleibt flexibler – auch wenn es zwischendurch holprig wird. Eine Testfahrt.
Waldkraiburg – Von Pürten in den Föhrenwinkel – eigentlich ein Katzensprung. Wegen der Sperrung an der Pürtener Kreuzung aber wird der Weg weiter. Für Autofahrer geht es noch bis Ende August über St. Erasmus und den Steinbrunner Berg im weiten Bogen um die Baustelle herum. Fast ohne Umweg kommen Radfahrer aus.
Dafür aber gibt es einen ersten kleinen Haken: Der provisorische Geh- und Radweg ist gekiest und stellenweise so locker, dass die Reifen tief einsinken. Also: Beide Hände an den Lenker, im Zweifel lieber schieben. Dann bleibt auch Zeit, dem Bagger bei der Arbeit zuzusehen.
Ein kurzer Blick auf die Baustelle
Wenige hundert Meter später geht es ohnehin schon wieder auf den alten Geh- und Radweg und auf der asphaltierten Strecke lässt es sich viel einfacher bergauf strampeln. An der Kreuzung ist der Föhrenwinkel fast schon zu sehen, auf direktem Weg aber nicht zu erreichen. Denn wo sich vor wenigen Wochen noch die beiden Staatsstraßen gekreuzt haben, ist jetzt eine riesige Baustelle. Die neue Brücke über die Staatsstraße 2091 ist gerade in Arbeit.
Deshalb ist die Durchfahrt Pürten gesperrt – das bedeutet für Autofahrer aus dem Süden Waldkraiburgs kommend: Der direkte Weg in die Stadt oder zur Autobahn ist dicht. Entweder bringt man im Berufsverkehr die nötige Geduld mit und steckt auf der Umleitungsstrecke im Stau. Oder man nimmt einen der kleinen Schleichwege, die aber längst kein Geheimtipp mehr sind. Oder man nimmt das Fahrrad.
Eine praktische Alternative für alle, die zügig und stressfrei nach Waldkraiburg kommen wollen. Denn: „Am wenigsten ändert sich für den Fuß- und Radverkehr. Die Umleitung für alle, die hier mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs sind, erfolgt kleinräumig, der Weg führt an der Baustelle entlang.“ So hatte es das Staatliche Bauamt vor Beginn der aktuellen Bauphase angekündigt.
Aber: Ist die Strecke wirklich so unkompliziert zu nutzen? Finden sich auch ortsunkundige Radfahrer im Schilder-Wirrwarr zurecht? Die OVB-Heimatzeitungen haben den Test gemacht.
Denn dort, wo jetzt die neue Brücke über die Staatsstraße gebaut wird, führt die Strecke weg, kleine gelbe Umleitungsschilder zeigen den Weg und führen links ins Siedlungsgebiet.
Nach dem Anstieg am Pürtener Berg kommt nochmal ein kurzes, knackiges Hügelchen. Aber auch ohne E-Bike zu schaffen und von oben noch ein kurzer Blick auf die Baustelle, bevor es weiter geht. Selbst als ortsunkundiger Radfahrer muss man nicht gleich Google Maps aus der Tasche ziehen – die weitere Umleitung ist gut beschildert. Rechts in die Siedlung hinein, vorbei an gepflegten Vorgärten, durch die 30er-Zone. Auch ohne Radweg kommt man hier sicher voran.
Wer die Augen offen hält, entdeckt bald das nächste gelbe Schild – wenn auch erst einmal etwas versteckt. Bevor es zurück auf die Kraiburger Straße geht, am besten kurz absteigen. Die Fußgängerschranke könnte Radler sonst ins Wackeln bringen. Ab hier geht es gut ausgeschildert in die Bahnhofstraße. Sollte die Trinkflasche am Rad hier schon leer sein, in einem der Fachmärkte lässt sie sich wieder auffüllen. Dann weiter bis zur Staatsstraße, wo es über die beiden neuen Kreisverkehre in Richtung Föhrenwinkel geht.
Nach drei Kilometern am Ziel
Der Weg ist hier schmaler, deshalb gibt es nur einen Gehweg. Also: schieben. Danach rollen sich die letzten Meter ganz angenehm am Waldrand entlang auf dem Geh- und Radweg in Richtung Ziel.
Knapp drei Kilometer stehen am Ende auf dem Tacho, ohne Umleitung wären es nicht einmal zwei Kilometer. Aber damit immer noch kürzer als der sieben Kilometer lange Umweg mit dem Auto. Schleichwege nicht berücksichtigt.
Auch der Weg zurück Richtung Pürten ist gut ausgeschildert. Nur an der Abzweigung zur Bahnhofstraße muss man sein inneres Navi aktivieren, hier fehlt nämlich das gelbe Umleitungsschild, das einen um die Baustelle herum lotst. Der Rest klappt problemlos: über die Joseph-Haydn-Straße zurück zum Pürtener Berg.
Dann aber: Hände an die Bremse! Die Abfahrt ist steil – und unten geht es von der asphaltierten Strecke auf den gekiesten Abschnitt. Also lieber langsam, bevor man abrupt im Kiesbett landet.
Wer mit etwas Aufmerksamkeit und angepassten Tempo unterwegs ist, spart sich mit dem Fahrrad Stau und Nerven – und bekommt ganz nebenbei ein kleines Extra für die sportliche Fitness. Kein Grund also, das Rad stehenzulassen. Im Gegenteil: ein guter Grund, das Rad aus der Garage zu holen.


