Entscheidung ist gefallen
Mobil mit nur einem Ticket: Waldkraiburg vernetzt sich mit dem MVV – so profitieren Fahrgäste
Einsteigen, umsteigen, ankommen: Waldkraiburgs Beitritt zum Münchner Verkehrsverbund MVV bringt für die Fahrgäste mehr Komfort. Was sich für Fahrgäste ändert – und wie viel das neue Stadtbus-Ticket kostet.
Waldkraiburg – Im Waldkraiburger Stadtbus ein Ticket kaufen, umsteigen in die Linie zum Ampfinger Bahnhof, von dort bequem mit dem Zug nach München und dort mobil bleiben mit U-Bahn, Bus oder Tram. Alles mit nur einem Ticket. Möglich wird das mit einem Beitritt der Stadt zum Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV). „1 Netz, 1 Fahrplan, 1 Tarif“ – mit diesem Slogan wirbt der MVV um weitere Mitglieder. Der Landkreis Mühldorf hat sich bereits zu einem Beitritt entschieden, kürzlich stand eine Entscheidung in Waldkraiburg an.
Aktuell haben sich bereits zwölf Landkreise dem MVV angeschlossen, ab Januar 2026 kommen die kreisfreie Stadt Landshut sowie drei weitere Landkreise hinzu – darunter auch der Landkreis Mühldorf. „Es macht Sinn, wenn wir uns anschließen. Damit Waldkraiburg kein weißer Fleck auf der Karte ist“, warb Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) im Finanzausschuss für einen Beitritt. Denn mit dem Eintritt des Landkreises in den MVV gilt auf den Landkreislinien im Stadtgebiet der MVV-Tarif. Ein Anschluss an den Verbund biete laut Pötzsch Vorteile – aber natürlich auch Kosten, die sich seiner Einschätzung nach jedoch „in Grenzen halten“.
Tickets gibt es bald auch digital
Was ein Beitritt für die Stadt Waldkraiburg konkret bedeutet, das erklärten Felix Fitz und Jean-Luc Rohner vom MVV in der Sitzung. „Die Stadt bleibt Herr der Lage“, betonte Fitz. Das bedeutet, Waldkraiburg gibt weiterhin den Takt vor beim Stadtbus, schließt Verträge mit Verkehrsunternehmen. Der MVV übernimmt hingegen Aufgaben wie Tarifgestaltung, Vertrieb und Fahrgastinformation – diese sollen dann einheitlich geregelt sein.
Ticket könnten künftig auch digital erworben werden, über eine App ließen sich Verbindungen mit einem Knopfdruck planen. Außerdem würden die Fahrplanaushänge an den Haltestellen angepasst und Mini-Fahrpläne erstellt. Ein zusätzlicher Fahrschein beim Umstieg in einen Regionalbus oder Zug wäre nicht mehr nötig.
Auch tariflich bringt ein MVV-Beitritt Vereinheitlichung: Künftig gebe es im Stadtgebiet keine unterschiedlichen Tarife mehr. Für Schüler könnte das 365-Euro-Ticket gelten, und für alle Fahrgäste werden die Fahrpreise sinken. Eine einfache Fahrt innerhalb der Gemeindegrenze soll dann zwei Euro kosten, mit einer Streifenkarte sogar nur 1,78 Euro. Damit wird es für Fahrgäste günstiger als bislang: Denn erstmal nach 2019 sollen wegen gestiegener Kosten für Sprit und Personal die Ticketpreise angepasst werden. Eine Einzelfahrt kostet dann – abhängig von der Zone – mindestens 2,50 Euro.
Stadt muss Differenz übernehmen
Die Differenz zwischen MVV-Tarif und dem bisherigen Stadtbus-Tarif ist ein Teil der Kosten, die auf die Stadt zukommen. Hinzukommen einmalige Initialkosten etwa für die Ausstattung der Busse, darüber hinaus rechnet der MVV mit jährlichen Regiekosten für Arbeiten der MVV.
Bei den Initialkosten muss die Stadt nur einen Eigenanteil von zehn Prozent übernehmen, das wären knapp 800 Euro. Mit jährlichen Kosten rechnet der MVV für Waldkraiburg zwischen 15.000 und 17.000 Euro.
Die Ausstattung der Stadtbusse bleibt laut Rohner dabei in der Verantwortung des jeweiligen Verkehrsunternehmens – der MVV nehme darauf keinen Einfluss. Als „Tür-Öffner“ versteht Ulli Maier (UWG) den Beitritt zum MVV, auch die Kosten sieht er als vertretbar an. „Aber was ist, wenn was schiefläuft?“, fragt er vorsorglich nach. Das hat es laut Fitz bislang noch nicht gegeben, dass Mitglieder wieder ein Rückzieher gemacht hätten. „Soweit ich weiß, gibt es aber keine feste Laufzeit.“
Von einer „Chance für die Stadt“, einer „Aufwertung des öffentlichen Nahverkehrs“ sprach Karl-Heinz Stocker (CSU). Für ihn eine schöne Vorstellung: sich in Waldkraiburg in Bus zu setzen und mit nur einem Ticket bis nach München zu kommen. Die Euphorie bremste Michael Steindl (UWG) etwas ein, denn für ihn waren die Kosten noch nicht ganz ersichtlich. Grundlage für die Kalkulation sind laut MVV die aktuellen Daten des Stadtbusses sowie Vergleichswerte aus ähnlichen Kommunen.
Auf Nachfrage von Tatjana Zapp (AfD) erklärte Rohner, dass Fahrräder in Bussen nur mitgenommen werden könnten, wenn diese über entsprechende Trägersysteme verfügen. Hunde hingegen dürfen mit einem MVV-Ticket grundsätzlich kostenlos mitfahren.
Für den Haupt- und Finanzausschuss und in der Folge auch für den Stadtrat war damit die Entscheidung klar: Die Stadt Waldkraiburg soll dem MVV-Verbund beitreten. In beiden Gremien fiel die Abstimmung ohne Gegenstimmen aus.