Millionen-Projekt
Was der Neubau der Kläranlage in Oberneukirchen die Bürger kosten würde
Die Werte in der Kläranlage von Oberneukirchen werden immer schlechter. Eine Lösung muss her, schnell. Die muss die kleine Gemeinde jetzt alleine schultern. Doch es gibt einen Silberstreifen am teuren Horizont.
Oberneukirchen – Es geht nicht mehr, die Werte in der Kläranlage von Oberneukirchen werden immer schlechter und das Landratsamt macht Druck. Jetzt muss eine Lösung her. Die angestrebte Lösung mit Polling, Taufkirchen, Waldkraiburg oder Mühldorf war nicht möglich. Jetzt muss die kleine Gemeinde mit 450 Einwohnern alleine eine Lösung finden und schultern. Wie die aussehen könnte und was es kosten würde, erfuhren die Gemeinderäte jetzt in der jüngsten Sitzung.
Oberneukirchens Kläranlage ist schon länger am Limit. Seit langem sucht die Gemeinde eine Lösung, denn das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim hält den Zustand „für nicht mehr haltbar“, wie es im Sachvortrag zur Gemeinderatssitzung heißt. Grund ist der fehlende Vorfluter. Weil die Werte „zunehmend schlechter werden“, mache auch das Landratsamt Druck.
Wasserwirtschaftsamt gibt grünes Licht für Neubau
Doch inzwischen zeichnet sich eine Lösung ab: eine Ableitung in Richtung Moosmühle; danach könne ein Neubau der Kläranlage folgen. Das habe das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim am 2. September bestätigt, erklärte Bautechniker Sepp Ofner den Gemeinderäten.
Das einzige Problem für Oberneukirchen: Der Neubau ist nicht förderfähig und die Gemeinde sei wohl auch kein Härtefall, so in der Sitzung.
Klein, kompakt und leicht zu bedienen
Wie ein Neubau aussehen könnte, erläuterte ausführlich Horst Eger, der mit seiner Firma Kläranlagen plant und baut. Er präsentierte den Gemeinderäten ein Konzept für eine kleine, kompakte, auf 650 Einwohner ausgelegte, leistungsfähige und vor allem wartungsarme Kläranlage.
„So wenig Verschleiß, so viel Sicherheit, so wenig Arbeit wie irgend möglich.“ So schilderte Eger sein Konzept. Wenn die Anlage fertig sei, reiche es, einmal am Tag vorbeizuschauen, die Werte aufzuschreiben und die nötigen Proben zu nehmen. Kurze Wege in der Anlage und eine funkgesteuerte Überwachung helfen zusätzlich. „Man braucht nur ein Gefühl für die Anlage“, so Eger. Und eine kleine PV-Anlage könnte den Strombedarf decken – auch im Winter.
Günstiger wie eine Leitung nach Polling
Kostenpunkt: rund 1,06 Millionen Euro. Die jährlichen Betriebskosten schätzte Eger auf rund 20.000 Euro. „Damit sind wir günstiger wie eine Leitung auf Polling“, meinte dazu Theresia Mayerhofer (parteilos). „Genau“, antwortete Bürgermeisterin Anna Meier (parteilos).
Auch die Bauzeit wäre überschaubar, so Eger. Wenn im Frühjahr begonnen werde, könnte bereits im Herbst alles fertig sein.
Bürger müssen sich an den Baukosten beteiligen
Einziger Wermutstropfen sind die Kosten. Die müssten, wie in der Diskussion deutlich wurde, umgelegt werden. Wie hoch das sein werde, konnte Bürgermeisterin Meier noch nicht sagen, das hänge von den Angeboten ab. „Das müssen wir uns noch mal genau durchrechnen.“
Derzeit werde beim Neubau ein Herstellungsbeitrag von 13,40 Euro je Geschossfläche fällig, erklärte Meier auf Nachfrage und fügte an: „Der Weg geht wohl dort hin.“ Einzelheiten werde es nach der Kalkulation auf einer Informationsveranstaltung für die Bürger geben.
Gemeinderat ist überzeugt
Das überzeugte die Gemeinderäte. Einstimmig entschieden sie, diesen Weg weiterzugehen und drei Angebote für den Neubau einzuholen.
