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Vereinesterben geht weiter

KSK findet keinen Nachwuchs: Steht Neumarkts Traditionsverein nun vor der Auflösung?

Ludwig Spirkl (links) bei der Ansprache am Kriegerdenkmal. Die 51 Neunerkreuze rund um Neumarkt sollen Mahnung zum Frieden sein.
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Veteranenvereine mahnen für den Frieden. Nie war dieser Aufruf aktueller als heute. Doch in Neumarkt-St. Veit könnte ein Bild, wie hier am Georgitag 2023, bald der Vergangenheit angehören. Weil es keinen Nachwuchs gibt, steht der Verein vor der Auflösung

Und wieder steht ein Verein in Neumarkt-St. Veit auf der Kippe. Der Krieger- und Soldatenkameradschaft fehlt es schlichtweg an Nachwuchs. Die logische Folge: die Vereinsauflösung. Doch ein KSK-Mitglied will dagegen ankämpfen.

Neumarkt-St. Veit – Für die Jahreshauptversammlung der Krieger- und Soldatenkameradschaft Neumarkt-St. Veits, die seit vielen Jahren nur noch aus Reservisten der Bundeswehr besteht, genügte am letzten Sonntag das kleinste Nebenzimmer des Hotels „Post“. Von den 81 Mitgliedern waren nur knapp zwei Handvoll erschienen. Alle wussten, dass KSK-Vorstand Peter Atzenbeck seinen letzten Jahresbericht abgeben würde. Er hatte schon vor drei Jahren angekündigt, dieses Amt nicht mehr übernehmen zu können.

Kassenstand auf 406 Euro geschrumpft

Zunächst verlas Schriftführer Franz Gruber, der früher selbst jahrelang Vorstand im Verein gewesen war, das Protokoll der letzten Jahreshauptversammlung. Dann verkündete er den Kassenstand, denn das Schatzmeisteramt führte er zur gleichen in Personalunion.

Schon seit Jahren bestand bei den Mitgliedern keine Bereitschaft mehr, ein Vorstandsamt zu übernehmen. Da außer den Beiträgen der Mitglieder im Jahr 2024 keine Einnahmen zu verzeichnen waren, die laufenden Ausgaben an Versicherungen, Verbandsbeiträgen und Kosten bei Veranstaltungen weiter angefallen waren, war der Kassenbestand um 406 Euro geschrumpft.

Wird es die Georgizüge bald nicht mehr geben, die mit zwei Musikapellen vom Stadtplatz zum Feldgottesdienst am Georgikreuz marschierten? Mit dabei waren Ortsvereine und KSKs aus der Gegend, aus Italien, Frankreich und Österreich.

Und dann folgte seine niederschmetternde Nachricht: „Für das Jahr 2025 habe ich keine Mitgliedsbeiträge eingezogen, denn ich will mit dem heutigen Tag auch diese Ämter abgeben. Ich weiß nicht, ob der Verein weiter besteht“, so Franz Joseph Gruber.

Erinnerungen an das Georgi-Fest

Die Anwesenden schluckten schwer, dennoch berichtete Vorstand Atzenbeck zuerst über das vergangene Jahr. Im April habe er mit einem Mitglied noch einmal den Altar für die Georgifeier auf- und später abgebaut und diese schon hundert Jahre alte Feier durchgeführt. Neben der Kirche seien Ortsvereine und befreundete KSKs zum Teil mit Fahne dabei gewesen. Am Vortag des Festes habe Franz-Joseph Gruber wieder die Führung zu den Neuner-Kreuzen durchgeführt.

Sammlung am Friedhof bringt mehr ein

Teilgenommen habe der Verein an Feiern des Arbeitervereins und der KSK Schönberg. Auch die Kriegerjahrtage in Egglkofen und Hörbering seien wie immer besucht worden. An ihren runden Geburtstagen habe man Mitgliedern die Aufwartung gemacht. Die Sammlung am Friedhof an Allerheiligen für den Bund deutscher Kriegsopfer habe 1.125 Euro ergeben und damit mehr als die früher durchgeführten Haussammlungen. Auch die Feier am Volkstrauertag mit Ansprachen und Kranzniederlegungen am Denkmal habe stattgefunden.

Auch Atzenbeck erklärte abschließend, er könne das Amt nicht mehr wahrnehmen. Dem Vorschlag Grubers, den Verein aufzulösen folgte unverzüglich Protest. Es widerstrebte allen, diesen wohl ältesten Verein der Heimat aufzulösen. Er war 1836 gegründet worden, nach den napoleonischen Kriegen, er habe eine gewisse Bedeutung in der Stadt, besonders eingedenk der Schlacht bei Neumarkt a. d. Rott im Jahr 1809. Seit schier hundert Jahren warnte er vor Krieg, besonders am Georgitag und am Volkstrauertag. Alle Anwesenden scheuten sich, dies alles aufzugeben. Und dennoch war keiner bereit, ein Amt zu übernehmen.

Spirkl würde übernehmen – aber erst in zwei Jahren

Vorstandsmitglied Ludwig Spirkl erklärte dann, den Vorstand in zwei Jahren zu führen, berufsbedingt ginge es nicht früher. Bis dahin sollte dieser doch bestehen bleiben. Alle Versammlungsteilnehmer führten trotz dieses Vorschlags weiter Gründe an, kein Amt zu übernehmen. Vorsitzender Atzenbeck klagte, dass er nie erfahren habe, wen er von der Bundeswehr als Reservist hätte anwerben können. Vor allem vermisst er Frauen im Verein, die sicherlich für „Schwung“ hätten sorgen können.

Gespräch mit Baumgartner vorgeschlagen

Zweiter Vorsitzender Ludwig Spirkl schlug nun vor, alle Auflösungsbemühungen wenigstens so lange ruhen zu lassen, bis er mit dem Neumarkt-St. Veiter Bürgermeister Erwin Baumgartner nach Lösungen gesucht habe. Er wolle das unverzüglich versuchen. Und das ist nun auch der Stand der Dinge. Die Auflösung wurde zumindest aufgeschoben, wenn auch nicht gänzlich aufgehoben.

Baumgartner bestätigt, dass er bereits von Ludwig Spirkl über die Situation der KSK informiert worden sei. „Nach meiner Kenntnis ist die KSK der älteste Verein von Neumarkt-St. Veit. Es wäre schade, wenn sich der Verein auflösen würde.“

Birkhahn hat vor genau einem Jahr aufgegeben

Er habe die Anregung Spirkls angenommen und werde die Vorsitzenden Atzenbeck und Gruber zum Gespräch ins Rathaus eingeladen, um weitere Schritte zu besprechen. „Ich hoffe, dass eine tragfähige Lösung gefunden werden kann.“

Wenn nicht, dann steht der KSK das gleiche Schicksal bevor wie den Birkhahnschützen. Nachdem auch dort sämtliche Bemühungen, den Verein zu verjüngen, gescheitert waren, haben die Birkhahn-Schützen vor genau einem Jahr die Auflösung des 1953 gegründeten Vereins beschlossen.

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