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Hobbyhistoriker auf Spurensuche

Napoleonischer Feldzug durch Neumarkt: Schlacht-Relikte finden sich heute noch am Stadtplatz

Was macht eine Kanonenkugel in der Fassade eines Stadthauses? In diesem Fall erinnert sie an die Schlacht von 1809. Jaensch
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Was macht eine Kanonenkugel in der Fassade eines Stadthauses? In diesem Fall erinnert sie an die Schlacht von 1809. Jaensch

Der 24. April 1809 ist ein geschichtsträchtiger Tag für das heutige Neumarkt-St. Veit: Bayern, Franzosen und Österreicher standen sich in der berühmten Schlacht von Neumarkt an der Rott gegenüber. Hobbyhistoriker Franz-Joseph Gruber auf den Spuren dieser Schlacht.

Neumarkt-St. Veit - Am 24. April 2023 jährte sich das Gefecht zum 214. Mal. Anlässlich dieses Gedenktages an die vielen Opfer der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Bayern, Franzosen und Österreichern, wird alljährlich mit einem Feldgottesdienst und Kranzniederlegung erinnert. Diesmal am Sonntag, 30. April, im Rahmen einer Feldmesse um 10 Uhr.

In den napoleonischen Feldzügen wurden viele Schlachten mit großen Gemälden oder Drucken nachträglich dargestellt. Auch in Neumarkt-St. Veit gibt es mehrere Bilder, auf die der Hobby-Historiker Franz-Joseph Gruber im Folgenden näher eingeht.

Gemälde der Schlacht hängt im Rathaus

Allgemein bekannt ist das große Gemälde der Schlacht, das als Original im ersten Obergeschoss in der Diele des Rathauses hängt. Es hat die Maße 110 Zentimeter auf 170 Zentimeter und wurde von dem Kirchenmaler Franz Xaver Zattler aus Wurmannsquick gefertigt. Dieser war ursprünglich Bäckerlehrling, wurde aber von seinem Meister Lorenz Huber aus Neumarkt als Kunstmaler gefördert und erhielt von diesem auch den Auftrag für das Gemälde. Es dürfte für einen der runden Gedenktage im Jahr 1849 oder 1859 entstanden sein, mutmaßt Gruber.

Das Schlachtengemälde von 1809 hängt im Rathaus in Neumarkt-St. Veit. Es wurde von Franz Xaver Zattler aus Wurmannsquick im Jahre 1847 gemalt.

Das Bild stellt den Rückzug der Bayern und Franzosen durch den Ort dar und den Vormarsch der Österreicher in großen Schlachthaufen. Am unteren Bildrand ist eine umfangreiche Textbeschreibung mit Ziffern von einzelnen Ereignissen und am Ende finden sich Zahlen von den Verlusten.

Kopie wird am Gedenktag als Altarbild verwendet

Im Jahr 2009 wurden zwei Kopien im Maßstab 1:1 gefertigt. „Eine wird bei schönem Wetter als Altarbild bei Festgottesdiensten aufgehängt. Die zweite Kopie befindet sich im bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt im Ausstellungsraum für die Napoleonischen Kriege“, berichtet Gruber.

Ein Druck in Schwarzweiß wurde 1893 für die Wochenzeitschrift „Das Bayerland“ angefertigt, von dem Münchner Künstler Professor Anton Hoffmann. Die Maße des Bildes sind 19 Zentimeter auf 10 Zentimeter. In dem mehrteiligen Bericht über das Gefecht wird eine Szene dargestellt, in der bayerische Artilleristen eine Haubitze aus der Kampfzone schieben, nachdem die Zugpferde durch feindseligen Beschuss ausgefallen sind. Hauptmann Graf Berchem und die Kanoniere erhielten dafür hohe Auszeichnungen.

Ein weiterer Druck hat den Text „Das Regiment Duka vernichtet die französischen Chausseure in der Schlacht bei Neumarkt a. d. Rott“. Das Bild hat die Maße 20 Zentimeter mal 30 Zentimeter und stammt von einem österreichischen Künstler Trentsensky.

Letzte Gefechte enden zur Mittagsstunde

Über die Schlacht selbst wird berichtet, dass an jenem Georgitag 1809 kurz nach Mittag die letzten Gefechte an der Rottbrücke endeten. Die Nachhut der bayerischen Division rückte durch den Marktplatz ab in Richtung Landshut. In Mayerhof bei dem jetzigen Kreisverkehr an der Bundesstraße 299 deckte die französische Division Molitor mit 9.000 Mann den Rückzug der Bayern und alles sammelte sich in Vilsbiburg, wo es auch ein Feldlazarett gab.

Die österreichische Armee hatte in Neumarkt ihr Tagesziel erreicht und stellte die Verfolgung ein: circa 30.000 Mann, so die Überlieferung, hatten einen Sieg errungen und blieben am Nachmittag und Abend im Ort. Kurz nach Mitternacht erhielt der österreichische General Hiller die Nachricht von der schweren Niederlage der Hauptarmee bei Eggmühl und Regensburg und deren Rückzug über Böhmen nach Wien. Da mit dem Erscheinen Napoleons und dessen überlegener Hauptarmee zu rechnen war, zog sich sofort die Truppe von Neumarkt über Neuötting nach Burghausen zurück und zerstörte nach Überschreitung der Salzach die dortige Brücke.

„Das Regiment Duka vernichtet die französischen Chausseure in der Schlacht bei Neumarkt a. d. Rott“. Das Bild hat die Maße 20 Zentimeter mal 30 Zentimeter und stammt von einem österreichischen Künstler Trentsensky.

Am Vormittag des 25. April war Neumarkt somit frei von kampffähigen Soldaten. Im Ort und rundum in den Feldern und Waldgebieten lagen die Gefallenen und Verwundeten beider Seiten. Das Gefecht bei Neumarkt war die letzte Schlacht auf bayerischem Boden in den napoleonischen Feldzügen. Am Namenstag des heiligen Georg, dem 24. April, wird seit fast 200 Jahren in Neumarkt der vielen Opfer des Kampfes gedacht.

Führung über das damalige Schlachtfeld

Franz-Joseph Gruber bietet anlässlich des Gedenktages wieder eine Führung über das damalige Schlachtfeld an. Treffpunkt ist am Samstag, 29. April, um 14 Uhr in der Badstraße. Mit Autos geht es dann zu den historisch interessanten Standorten, wo Gruber auch die Bedeutung der zahlreichen Neunerkreuze rund um Neumarkt erklären wird. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

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