Zum Schutz der Bürger
Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt: So machen Stadt und Landkreis Mühldorf mobil
Wettermodelle sagen einen extrem heißen Sommer voraus. Welche Maßnahmen Stadt und Landkreis Mühldorf zum Schutz der Bürger ergreifen.
Mühldorf – Eine „Glutwelle rast über Deutschland“! Wer in den vergangenen Tagen online nach Wettervorhersagen suchte, kam an dieser und ähnlich dramatischen Formulierungen nicht vorbei. Ab dem Wochenende (21. und 22. Juni) sagten die Wettermodelle ECMWF und GFS steigende Temperaturen für Deutschland bevor. Das europäische ECMWF-Modell sieht ab Sonntag Werte über 35 bis zu 38 Grad. Das US-amerikanische GFS-Modell sagte Höchstwerte jenseits der 30-Grad-Marke zur Wochenmitte voraus.
Erste große Hitzewelle des Sommers
Übereinstimmend folgerten beide Modelle, dass sich die erste große Hitzewelle des Sommers andeutet, meldete etwa der Münchner Merkur. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) spricht von einer Hitzewelle, sobald die Temperatur an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen über 28 Grad Celsius liegt.
Angesichts solcher Temperaturaussichten mahnt auch die Bundesregierung Maßnahmen zum Schutz der Bürger vor Hitze an, hat schon vier „Hitzeschutzpläne“ aufgelegt. Berlin stellt aber auch klar: „Grundsätzlich ist es in Deutschland Aufgabe der Länder und Kommunen, regional angepasste Hitzemaßnahmen und Hitzeaktionspläne zu entwickeln.“ Dies sei sinnvoll, weil die Maßnahmen immer an der konkreten Situation vor Ort ausgerichtet werden müssen.
Deshalb haben die OVB-Heimatzeitungen bei Stadt und Landkreis Mühldorf nachgefragt, was hier zum Hitzeschutz der Bürger unternommen wird. Eine erste Bestandsaufnahme hatte das OVB bereits im Juli 2023 gemacht, kurz nachdem der nun nicht mehr amtierende Gesundheitsminister Karl Lauterbach den ersten Hitzeschutzplan auf den Weg gebracht hatte.
Bewusstsein für Hitzegefahren schaffen
Zuerst zur Stadt Mühldorf, deren Hitzeschutz-Handeln Pressesprecherin Teresa Harreiner einordnet: „Wir ziehen eine Anpassung an die Gegebenheiten und das Schaffen eines Bewusstseins für die Gefahren von Hitze einer Vollklimatisierung von Aufenthaltsräumen vor.“ Auch die städtischen Gebäude seien in der Regel nicht klimatisiert. „Wir regulieren die Temperatur gemäß den Empfehlungen des Deutschen Wetterdienstes durch Lüften am frühen Morgen, wenn es draußen noch kühler ist und bitten auch unsere Bürgerinnen und Bürger, sich bei extremer Hitze möglichst an diese Empfehlungen zu halten.“
2023 noch kein Thema, wurde Anfang 2025 dann doch ein Trinkwasserbrunnen auf dem Stadtplatz eingeweiht. Ein erster Schritt? „Mit dem neuen Trinkwasserbrunnen mitten auf dem Stadtplatz sehen wir uns in Mühldorf sehr gut für die heißen Phasen des Jahres gerüstet“, sagt Harreiner. „Wer entgegen den Empfehlungen an extremen Hitzetagen nach draußen muss, findet unter den Arkaden am Stadtplatz Schatten und am Trinkbrunnen Erfrischung.“ Außerdem gebe es über das Stadtgebiet verteilt klimatisierte Geschäfte, eine wasserdurchflossene Parkanlage und ein Kneipp-Becken am Stadtwall, der ebenfalls viele schattige Plätze bietet. Zudem eröffne die Nähe zum Inn weitere Möglichkeiten zur Abkühlung. Das Erarbeiten eines Stadtplans mit kühlen Orten stehe aber aktuell nicht auf der Agenda der Verwaltung.
Taugt das Wasser in den städtischen Brunnen, um sich damit zu erfrischen? „Grundsätzlich spricht nichts dagegen, sich am Brunnen zu erfrischen“, betont die Sprecherin. „Zur Abkühlung empfehlen wir, das einlaufende kühlere Wasser zu verwenden.“ Aber für die Brunnen gilt ein Betretungsverbot gilt, das in der städtischen Grünanlagensatzung nachzulesen ist. Das heißt: Abkühlen im Brunnen ist nicht erlaubt.
Von der Landkreis-Veranstaltung „Hitzeschutz als kommunale Aufgabe“ hat die Stadt die UV-Index-Tafeln übernommen, an denen per Hand aktualisiert oder online die aktuelle Sonnengefahr abgelesen werden kann. „Zusammen mit den Stadtwerken werden wir sie zu Präventionszwecken im Freibad und in unseren Kindergärten und -krippen aufstellen.“
Landkreis warnt online
Klettert das Thermometer immer höher, dann warnt der Landkreis die Bürger über seine Social Media Kanäle wie Facebook und Instagram. „Diese Information erfolgt über eine automatische Warnung durch den Deutschen Wetterdienst“, schildert Landratsamtssprecherin Karin Huber das Vorgehen extremer Hitze. Der DWD löst eine Hitzewarnung aus bei Stufe II, extreme Wärmebelastung, gefühlte Temperatur über 38 Grad. „In 2024 wurde im Landkreis kein Tag mit extremer Wärmebelastung verzeichnet.“
Derzeit werden landkreisweit Daten für einen Hitzeaktionsplan erhoben. Dafür wird in einem ersten Schritt bei Städten, Märkten und Gemeinden im Landkreis abgefragt, ob sie bereits im Bereich Hitzeschutz aktiv sind. Zudem werden kühle Plätze und Trinkbrunnen abgefragt sowie die Standorte der UV-Index-Tafeln erfasst. „Diese Grunddaten dienen als Basis, auf der dann weitergearbeitet werden kann“, sagt Huber. „Ziel des Hitzeaktionsplans ist es, durch kurz-, mittel- und langfristig geplante Maßnahmen die durch Hitze entstehenden gesundheitlichen Risiken für Bürgerinnen und Bürger des Landkreises zu minimieren.“
Die angesprochenen UV-Index-Tafeln finden sich bereits an den Freibädern und Weihern in Mühldorf, Haag, Kraiburg, Neumarkt-Sankt Veit, Ampfing, Heldenstein und Waldkraiburg sowie an der Grund- und Mittelschule Buchbach, dem Kindergarten Niedertaufkirchen und am „InnKlinikum“ Mühldorf. Der Landkreis Mühldorf wurde im vergangenen Jahr als einer der ersten Landkreise in Bayern im Projekt „Watch out at the beach“ mit diesen UV-Tafeln aktiv.
Diese Tafeln zeigten auf einer Skala von 1 bis 11+ oder von grün bis violett an, wie intensiv die UV-Strahlung der Sonne ist und geben Verhaltenstipps etwa zum Auftragen von Sonnenschutzmitteln, dem Tragen von Kopfbedeckungen oder der Vermeidung direkter Sonne während der Mittagszeit. UV-Strahlung kann Haut und Augen schädigen oder langfristig sogar Krebs verursachen.

