Nachruf
Ein Leben für Ampfing – Zum Abschied von Franz Xaver Hinterecker
Die Gemeinde Ampfing trauert um einen Wirt, Vereinsmenschen und Familienvater. So prägte der „letzte Patriarch“ über viele Jahrzehnte sein Dorf.
Ampfing – Es war, als wäre er noch einmal unter seinen Gästen: Der geschlossene „Ampfinger Hof“ öffnete ein letztes Mal, die Küche war so gut, wie gewohnt, die treuen Bedienungen aufmerksam, die Atmosphäre so, wie er sie geliebt hat: Leichenmal für Franz Hinterecker, der dem Wirtshaus seinen Namen gegeben hat. Der „Hinterecker“, wie der „Ampfinger Hof“ nur genannt wurde, war die Institution im Landkreis Mühldorf, er der Wirt, das Gesicht und Mittelpunkt des Betriebs.
Hinterecker wurde 92 Jahre alt
Jetzt ist Hinterecker gestorben, er wurde 92 Jahre alt, ein Mensch, der seine Zeit und sein Dorf geprägt hat. „Früher schaute man sich in die Augen, ein Handschlag zählte noch etwas, die Politik wurde am Stammtisch gemacht“, sagte sein Sohn Erwin in seinem Nachruf. Franz diskutierte im Wirtshaus leidenschaftlich mit. Wer meinte, mit ihm könne man nicht streiten, irrte sich, sagte sein Sohn. „Man musste ihm nur recht geben.“
Franz Hinterecker war ein Mann mit Ecken und Kanten. „Wo ist er denn, der letzte Patriarch?“ fragte mancher, der sein Wirthaus besuchte und auf den Wirt wartete. Doch wer wusste, wie man ihn zu nehmen hatte, fand in ihm einen verlässlichen Kameraden und Wegbegleiter.
Das Wirtshaus war sein Lebenswerk, es war er vielen Vereinen Heimat, sie fanden dort Unterstützung. Hinterecker war Gastgeber für Familienfeiern, politische Parteien, er bewirtete Reisende und Stammgäste. 1964 hatte er das Wirtshaus in der Dorfmitte neu gebaut, 1976 und 1988 modernisiert. 1990 übergab er die Wirtschaft an seinen Sohn Erwin. Im Austrag spielte Franz Hinterecker dort gerne Karten, sang Lieder und ärgerte charmant die Bedienungen. Und stets rückte er die Stühle korrekt, weil das außer ihm keiner richtig machte. Seit Herbst 2023 ist der „Ampfinger Hof“ geschlossen.
Geboren wurde Franz Hinterecker am 18. Oktober 1932 in Ampfing, dort ging er zur Schule, bevor er zur 1947 Metzgerlehre nach Mühldorf ging. Die musste er zwar krankheitsbedingt abbrechen, die Handelsschule Sabel in München schloss er trotzdem 1952 ab. Oft fuhr er mit dem alten Lanz-Bulldog der Familie nach München zur Löwenbrauerei, um Gerste und Weizen zu liefern.
Franz war begeisterter Anhänger des FC Bayern München. Mit seinen Fußballfreunden bereiste er Brüssel, Madrid, Wien, Paris und Moskau. Über 60 Jahre war er Vereinsmitglied, seit vergangenem Jahr sogar Ehrenmitglied.
1958 heiratete er Agnes Engelhart. Gemeinsam zogen sie vier Kinder groß: Franz, Beppe, Erwin und Johanna. Acht Enkel und vier Urenkel bereicherten das Familienleben. Als Opa und Uropa war Franz eine feste Größe.
Er liebte das Reisen – ob Wallfahrten, Städtetrips nach Rom und Mailand oder Skifahren in Südtirol. Die Ruhetage im Wirtshaus nutzten er und seine Frau für Ausflüge. Besonders gerne besuchte er seine Kinder – sogar bis in die USA, nach Singapur und Malaysia.
Im Mittelpunkt seines Lebens aber stand Ampfing. Von 1960 bis 1969 war er Kommandant der Feuerwehr und ab 1994 erster Vorstand. Unter seiner Leitung wurde das erste Leistungsabzeichen eingeführt. Beim TSV Ampfing war er 25 Jahre technischer Leiter Fußball – die goldene Ära des Vereins (1979–1989) in der Fußball-Bayernliga gelang auch dank seines Engagements.
Der Tod seiner Frau traf ihn schwer, genau wie die eigene Krankheit am Lebensende. Doch selbst während dieser Zeit blieb er aktiv: mit seinem Elektromobil fuhr er zur Eisdiele, besuchte das Volksfest und sah sich noch ein letztes Pferderennen an. Er wusste, dass das Leben endlich ist – und traf alle Vorbereitungen mit Würde und Gelassenheit.
Würdigung des Lebens
Beim Trauergottesdienst würdigten Bürgermeister und CSU-Ortsvorsitzender Josef Grundner und Feuerwehrkommandant Thomas Hell seine Verdienste für Gemeinde und Vereine. Tochter Johanna erinnerte an ihren Vater – den Familienmenschen. Kameraden der Feuerwehr hielten Ehrenwache an der Urne, die Ampfinger Blasmusik begleitete ihn zur letzten Ruhestätte. Bevor sie sich alle so wie viele Jahre lang ein letztes Mal trafen: beim Hinterecker.

