Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Die USA schaden sich selbst“

Trump vs Harvard: Wie ein Ampfinger Absolvent der Elite-Uni den Kulturkampf erlebt hat

Trotz US-Präsident Donald Trump: Der Ampfinger Arzt Max Bauer hat sein Studium an der Havard-Universität in den USA noch beendet.
+
Trotz US-Präsident Donald Trump: Der Ampfinger Arzt Max Bauer hat sein Studium an der Havard-Universität in den USA noch beendet.

Max Bauer, Arzt aus Ampfing, fürchtete den Rauswurf aus Harvard: Visum und Fördergelder gestrichen, Zukunft ungewiss. So spannend war sein letzter Studienmonat in den USA. Und darum bleibt er jetzt lieber in Europa.

Ampfing – Max Bauer ist 33 Jahre alt, er hat in München Medizin studiert, war im bayerischen Gesundheitsministerium tätig. Für einen Master in Public Policy ging er an die Harvard Kennedy School in die USA. Dort erlebte er das Trump-Beben an den Universitäten hautnah.

Seit kurzem sind Sie wieder da. Konnten Sie Ihr Studium regulär beenden, oder mussten Sie es aufgrund der politischen Umstände abbrechen? Die amerikanische Regierung hatte ja ein Verbot erlassen, dass Harvard ausländische Studenten einschreiben darf.

Max Bauer: Noch eine Woche vor dem Abschluss war unklar, ob ich mein Studium regulär beenden kann. Zu der Zeit war ich in Japan. Ich wusste nicht, ob ich noch ein Visum habe und wieder einreisen kann. Wenn nicht die Gerichte interveniert hätten, wäre die Einreise nicht mehr möglich und der Aufenthaltsstatus beendet gewesen. Harvard hätte das Recht verloren, ausländische Studenten einzuschreiben. Doch ein Gericht in Massachusetts entschied, dass das zu weit geht. Insofern konnte ich das Studium noch abschließen.

Arbeitserlaubnis kann jeden Tag weg sein.

Hätten Sie sich vorstellen können, noch zu bleiben?

Bauer: Ich hätte gerne noch einen Kurs belegt: „KI in der öffentlichen Verwaltung“. Doch mein Anstellungsvertrag war wegen fehlender Fördergelder weggebrochen. Ich hätte mir auch vorstellen können, länger zu bleiben, wenn, dann in der Forschung an der Universität. Doch es war alles zu wenig planbar und die Arbeitserlaubnis kann jederzeit weg sein.

Mussten andere Studenten den Campus vorzeitig verlassen?

Bauer: Wir in Harvard haben mitbekommen, wie an anderen Universitäten Studenten festgenommen und abgeschoben wurden. Das ist in Harvard nicht passiert. Für Einzelne ist der Aufenthalt gecancelt worden. Dann kam die Gerichtsentscheidung in Massachusetts, mit dem das Bundesgericht die Maßnahme blockierte. Die einstweilige Verfügung wurde aufrechterhalten. Im Zweifelsfalle geht das an den Supreme Court (Das höchste amerikanische Gericht, Anmerkung der Redaktion). Harvard ist ein Symbol im Kampf der Regierung gegen Eliten. Doch die USA schaden sich damit selbst. Viele Studenten gehen jetzt nach Europa oder nach China.

Wie ist die Stimmung am Campus?

Bauer: Aktuell ist die Lage beruhigt. Für die, die jetzt kommen, hat die Uni einen Notfallplan entwickelt, dass vor Ort in Kanada unterrichtet wird. Auch online ist es möglich.

Wie sieht es mit der Finanzierung aus? Es sind Gelder gestrichen worden.

Bauer: Die Studiengebühren machen einen großen Teil der Finanzierung aus. Forschungszuschüsse für die medizinische Fakultät sind weggebrochen. Labore mussten schließen, Leute wurden ausgestellt, Gebäude mussten aufgegeben werden. Ein neues Forschungszentrum aufzubauen, wurde hinfällig. Im Bereich Biomedizin ist Boston ein Zentrum und Aushängeschild. Der Stopp von NIH Grants, der Stipendien des National Institutes of Health (NIH), betrifft Forscher auf der ganzen Welt.

Es gibt auch Beschränkungen in der Verwendung einzelner Worte?

Bauer: In den Förderanträgen dürfen einige Begriffe nicht mehr verwendet werden. Worte wie „Gleichberechtigung“, „Diversity“, „Gender“ werden gescreent und der Förderantrag wird abgelehnt.

Im offiziellen Bereich dürfen die Worte nicht mehr verwendet werden?

Bauer: Ich hatte in einer Studie den Begriff „Equity“ (im Sinne von Gerechtigkeit und Fairness, Anmerkung der Redaktion), „Fairness“ verwendet und wurde von der Arbeitsministerin von Massachusetts gebeten zu sehen, ob es einen austauschbaren Begriff dafür gibt. Sonst würde die Förderung abgelehnt werden.

Wie ist es mit der Verwendung von Begriffen im privaten Bereich?

Bauer: Man wird vorsichtig, wenn man Neues teilt. Denn anschließend steht man in der Grenzkontrolle. Auch Social Media Accounts werden gescreent. Das macht vorsichtig in der privaten Kommunikation.

Was bedeuten die aktuellen Ereignisse für Ihre Zukunft?

Bauer: Ich werde oft von Leuten gefragt: „Wäre das was für mich?“ Ich denke, sie sollten sich nicht abschrecken lassen, wenn es der Traum ist, in Harvard zu studieren. Auf der großen Ebene ist es wenig attraktiv, in den USA zu studieren. Sie verlieren dort Talente. Für mich ist es kein Szenario mehr, in die USA zu gehen und eventuell dort zu bleiben.

Kommentare