Zweiter Bürgermeister zur Lage
Leerstand, Sanierungsbedarf und Sorgen der Gastronomie: Die Zukunft der Burghauser Altstadt
Das Leben und Arbeiten in der Burghauser Altstadt ist schön – aber auch mit zahlreichen Hürden verbunden: Leerstand, Sanierungsbedarf und Beschaffenheit von Altbauten stellen große Herausforderungen dar: nicht nur für Eigentümer und Bewohner, sondern auch für Handel und Gastronomie. Zweiter Bürgermeister Norbert Stranzinger zur Zukunft des Herzens von Burghausen.
Burghausen – Die historische Burghauser Altstadt gehört zu schönsten in der ganzen Region. Während Besucher die denkmalgeschützten Gebäude und die malerischen Gassen bewundern, stehen viele Eigentümer, Bewohner und Gewerbetreibende immer wieder vor Problemen. Leerstände und Sanierungsbedarf nehmen zu – und die hohen Kosten, sowie die Anforderungen des Denkmalschutzes und der Energiewende überfordern viele. Gerade für ältere Menschen stellt dies eine große Herausforderung dar – ähnlich wie die engen Eingänge und steilen Treppen zu ihren Altbauwohnungen. Doch auch die Gastronomie und der Handel kämpfen: Erst kürzlich kündigte das Sternerestaurant „271“ an, Ende des Jahres zu schließen – aber auch das Café und der Frischemarkt am Bichl sowie Isabella‘s Kruschladen im Herzen der Grüben haben zu ringen.
Eigentümer dürfen nicht überlastet werden
Für Norbert Stranzinger, den zweiten Bürgermeister Burghausens, der seit seiner Kindheit in dritter Generation in der Altstadt lebt, stellt die attraktive Wohnqualität einen ganz entscheidenden Punkt für die Zukunft der Altstadt dar. Er ist überzeugt: „Die Leute dürfen nicht mit zu vielen Forderungen der Politik überlastet werden – es muss Chancen geben, Investitionen attraktiver zu machen.“ Weil Denkmalschutz und Energiewende die Eigentümer vor große Herausforderungen stellen, bräuchten sie Unterstützung und Lösungen, die machbar bleiben. Nur dann seien sie bereit, in ihre Häuser zu investieren.
PV-Anlagen und Fernwärme
„PV-Anlagen und Wärmepumpen sind in der Altstadt sind kein völliges No-Go“, unterstreicht der zweite Bürgermeister. Das Bauamt stehe Eigentümern jederzeit beratend zur Seite. Zudem gebe es Zuschüsse für Umbauten von Dachflächen. „Auch bei der Fassadengestaltung und Sanierung hilft die Stadt, wo nur möglich und bietet umfangreiche Informationen an“, so Stranzinger. Gleichzeitig ist ihm klar, dass es mit einem Fernwärmeanschluss der Altstadt in den nächsten Jahren schwierig bleiben wird.
„Die Leitungen können nur durch die engen Grüben oder die Salzlände verlegt werden und auf beiden Wegen ist dafür kein Platz mehr“, erklärt Stranzinger. Denkbar, aber mit immensen Kosten verbunden, ist eine Leitung über den Ludwigsberg. Doch zuerst müsse das Interesse von Eigentümern ermittelt werden. „Ob der Anschluss von Altbauten an das Fernwärmenetz möglich ist, hängt außerdem davon ab, ob eine Zentralversorgung in den Häusern vorhanden ist“, so Stranzinger. Viele Häuser heizen jedoch noch mit Nachtspeicher- oder Ölöfen. Kein Wunder, dass sich vor allem weniger gut betuchte Eigentümer bei diesem Thema zurückgelassen fühlen und keine Lösung für ihre Gebäude finden.
Die Barrieren für Jung und Alt
Gerade für ältere Menschen ist das Leben in der Altstadt nicht immer einfach – und dem zweiten Bürgermeister ist dies bewusst: „Die Treppen sind in vielen Häusern schwer zu bewältigen und der Einbau von Treppenliften ist oft nicht machbar“, weiß Stranzinger. „Manchmal ist im Eingangsbereich sogar zu wenig Platz für den Rollator.“ Unebene Pflastersteine in den Grüben und Kopfsteinpflaster am Stadtplatz stellen für manche ebenso eine Barriere dar. Stranzinger betont jedoch, dass die Stadt regelmäßig das Pflaster ausbessere. Auch der Citybus stelle eine Entlastung für ältere Menschen dar.
Gerade für Familien und jüngere Menschen stellt der Mangel an Parkraum ein Dauerproblem dar. „Meiner Meinung nach würde ein Parkdeck beim Finanzamt die Situation abfedern“, sagt der zweite Bürgermeister. „Gerade bei Veranstaltungen und im Sommer für die Seebesucher.“ Stranzinger weiß, wie schwer es für Familien mit kleinen Kindern ist, wöchentliche Großeinkäufe in die Wohnung zu bringen. Ihm ist auch bewusst, dass es für viele Bewohner keine Alternative zum Auto gibt. „Deswegen bin ich dafür, dass Parkplätze geschaffen werden. Ansonsten sollte das Parken für Anwohner so bleiben, wie es ist.“
Handel und Gastronomie
Neben den Bewohnern kämpfen auch Handel und Gastronomie in der Altstadt mit Parkraummangel, denn nicht jeder Gast will mit dem Citybus in die Altstadt fahren – und einen Großeinkauf beim Frischemarkt am Bichl machen nur die wenigsten. Erst kürzlich hat nun auch das Café am Bichl verlauten lassen, dass es dieses Jahr nicht gut lief. In den vergangenen zwölf Monaten schlossen in den Grüben bereits drei Lokale – wurden jedoch alle inzwischen neu eröffnet. Dass aber nun auch der Blumenladen am Stadtplatz schließen musste, bedauert Stranzinger ganz besonders. „Die Burghauser Wifög und die Stadt unterstützen Gewerbetreibende und Besitzer, wo sie nur können“, unterstreicht er, doch sinkende Umsätze im Gastgewerbe werden deutschlandweit gemeldet: Für immer mehr Menschen ist Essengehen zum Luxus geworden.
Einst Kultlokal war das Knoxoleum in den Grüben, vor der Pandemie ein Magnet für Besucher. Heute stellt es ein trauriges Beispiel für das Ende einer Burghauser Ära dar. „Die Sanierungsbedürftigkeit des Gebäudes hat den Besitzer vor enorme Herausforderungen gestellt. Es war einfach nicht mehr bewältigbar“, bedauert Stranzinger. Mit Gutachten und einem Nutzungskonzept sprang die Stadt dem Eigentümer unterstützend zur Seite, als dieser beschloss, das Gebäude zu verkaufen und Investoren zu suchen. Doch die Zeichen für eine Wiederbelebung des Kultlokals stehen schlecht: „Mit einem Gasthaus sind so hohe Kosten einfach nicht zu bezahlen“, weiß Stranzinger. Und selbst wenn die Stadt wolle – sie könne nicht jedes leerstehende Haus kaufen und sanieren.
Ein oft diskutierter Punkt bei der Nutzung sanierungsbedürftiger Gebäude sei das Wohnen. Doch Stranzinger warnt vor falschen Hoffnungen: „Auch mit Mieten lässt sich eine kostenintensive Sanierung und ein langfristig hochwertiges Wohnen kaum ermöglichen.“ Billiges Wohnen in der Altstadt klinge auf den ersten Blick zwar nach einer Lösung, sei aber in der Praxis kaum umsetzbar.